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Schicker, als die Polizei erlaubt

Das neue Piercing- und Tätowierstudio Giahi am Bahnhofplatz ist einer der trendigsten Läden, die es in der Stadt je gab. Erträgt Winterthur so viel Hipness?

An dieser Lage würde man ein Café erwarten, eine Bäckerei vielleicht oder eine Apotheke – doch sicher keinen Tätowiersalon. «Wir sind eben kein Hinterhof­laden», sagt Basil Flachsmann, der «Artist Manager» des Studios am Bahnhofplatz, das letzte Woche eröffnet wurde. «Wir wollen durch ein wohnliches und gross­zügiges Ambiente auffallen.» Und das tut das Giahi (Aus­sprache: «Tschiiahi»). Die drei Etagen im Rohbaustil, verbunden über eine offene Wendeltreppe, muten eher wie eine Penthousewohnung an denn wie ein Studio. Alles ist speziell designt: die Schnurlampen, die von der hohen Decke hängen, die verschiedenen Hocker in der Sofa­ecke, die Teppiche mit Tattoo­motiven. Und alles nimmt viel Platz ein: Total erstrecken sich die Schmuckaus­lage im Erd­geschoss sowie die fünf Tätowier- und vier Piercingbereiche in den beiden Obergeschossen über 420 Quadratmeter. Wer eintritt, wird in Clubmusik getaucht und sofort von einem der 14 auffällig tätowierten An­gestellten in Empfang genommen. Jeder Tätowierer sei auf einen bestimmten Stil spezialisiert, erzählt Basil – im Giahi ist man sofort per du –, «es ist ja nicht dasselbe, ob man sich einen japanischen Drachen oder ein Maori-Symbol stechen lässt». Ist das nicht etwas zu viel Chic für Winterthur? Basil findet: «Überhaupt nicht. Die Leute, die in den Laden kommen, sind alle sehr neugierig.» Er gibt zu: «Wir sind mutig.» Die Besitzerin und Firmengründerin, Giada Ilardo, habe viel Zeit in den Salon in­vestiert, sagt er – man möchte ergänzen: und sicher auch viel Geld. Basil ist sich aber sicher, dass die Rechnung auf­gehen wird. «In Zürich läuft das Geschäft sehr gut», berichtet er. Dort gibt es vier ­Giahi-Studios, an der Löwenstrasse, im Niederdorf, beim Escher-Wyss-Platz und in Seebach. Der «Flag­ship Store» beim Löwenplatz ist mit 530 Quadrat­metern noch grösser als der Laden in Winter­thur und angeblich der grösste seiner Art in Europa. Konkurrenz hat «nicht so extrem viel Bling-Bling» Zu viel Chic? Der Chef der lokalen Gewerbe­vereinigung war noch nicht im Salon. Die Bankfiliale, die sich früher im Haus befand, war Heinz Schudel wohl lieber. «Das neue Geschäft passt in unsere Zeit», sagt er diplomatisch. Auch bei der Konkurrenz ist man etwas ins Staunen gekommen. «Wir könnten uns so eine Miete nie leisten», sagt Marc Kölla, Mit­besitzer des «Rue de l’Est» am Obertor. Sein Salon, seit 2007 in der Stadt, sei anders: «Wir sind nicht hip und Hype, wir machen solides Handwerk.» Angst um ihr Geschäft haben die Alteingesessenen nicht, oder sie geben es nicht zu. Man habe Stammkunden, sagt Kölla, und «wer ein Tatoo hat und noch eines will, geht oft wieder zum gleichen Tätowierer».Christian Gurtner

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