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Schiessen ist doch heimelig

In «Holzers Peepshow» spielt eine Bauernfamilie den Touristen eine heile Schweizer Familie vor. Die Leuebühne probt das bitterböse und urkomische Stück. Am Wochenende feiert sie Premiere.

Der junge Holzer weiss die Lösung: «Wir brauchen eine Ofenbank. Und da setzen wir den Grossvater drauf. Denn jeder weiss doch, dass in der Schweiz der Grossvater auf der Ofenbank sitzt!» Die Ideen fliegen plötzlich durch den Raum. Heimelig seien Schweizer Familien, weiss der Sohn. Er könne so tun, als ob er schiessen gehe, denn das sei doch heimelig, meint der Vater. Bis die Mutter zweifelnd einwirft: «Also ich kann nicht auf Kommando heimelig sein.»Die Holzers sind die Hauptfiguren in dem Stück «Holzers Peepshow», einer leichtfüssigen, aber auch bitterbösen Satire. Am Freitag wird das Stück von der Theatergruppe Leuebühne zur Premiere gebracht. So wurde am letzten Sonntag denn auch intensiv geprobt im Pfarramt St.?Laurentius in Wülflingen. Unter der Leitung von Regisseurin Michaela Bauer üben die sechs Laienschauspieler Szene um Szene, bis jeder Satz, jede Bewegung und jeder Übergang sitzt. Bauer hat als Schauspielerin, Regisseurin und Theaterpädagogin Erfahrung in verschiedenen Sparten des Theatermetiers. Diese Erfahrung nutzt sie bei der Arbeit mit der Leuebühne.

Die Regisseurin ist hörbar zufrieden

«Gib den anderen etwas mehr Raum», ruft Bauer zum Beispiel auf die Bühne. Oder «Halt, das muss schneller gehen, ihr müsst den ganzen Tisch abräumen.» Sie hat aber nicht nur Kritik, sondern auch hilfreiche Tipps bereit: «Wenn ihr einen trockenen Mund habt, beisst mit den Backenzähnen auf den Zungenrand.» Die Schauspieler haben Freude am Spiel und sind sichtlich ehrgeizig. Ohne Murren proben sie Szenen auch ein drittes Mal, kon­zen­triert arbeiten sie mit Lockerungsübungen an ihrer Körpersprache. Und wenn die Szene dann klappt und die Pointe sitzt, ertönt vom Saal ein schallendes Lachen. Die Regisseurin ist hörbar zufrieden. Sie müsse jedes Mal wieder lachen, wenn sie das Stück sehe, sagte Bauer.Die Holzers sind aber auch urkomisch. Die Komödie von Markus Köbeli beschreibt ein skurril-absurdes Living-History-Projekts. Die Bauernfamilie Holzer ist in einem finanziellen Engpass, bis der Sohn eine Idee hat. Oder diese vielmehr vom lokalen Carunternehmer Hugentobler zugeflüstert erhält. Die Touristen, die das schöne Bauernhaus jeweils fotografierten und die Nase an die Fensterscheibe drückten, könnten ja etwas bezahlen. Dafür, so das Geschäftskonzept, bekämen sie einen einmaligen Einblick in eine echte Schweizer Familienstube. Und deshalb üben die Holzers nun, eine typische Schweizer Bauernfamilie am Esstisch zu spielen.Je länger sie ihre inszenierte Familiengeschichte spielen, desto abstruser wird sie. Mal ist der Vater nicht rechtzeitig am Tisch, mal vergisst die Mutter den Dialog. Unerbittlich karrt Hugentobler die Touristen vor das Fenster, immer mehr und in immer kleineren Abständen. Und während die Touristen meinen, sie sehen eine heile Welt, erkennt der Zuschauer im Theaterraum den irrwitzigen Ernst dahinter.

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