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Schifffahrt lobbyiert gegen Kitesurfen

Bern. Der Nationalrat wird heute wohl das grundsätzliche Kitesurfverbot auf Schweizer Seen aufheben. Ausser es gelingt den Schifffahrtsgesellschaften, das Ruder im letzten Moment doch noch herumzureissen.

Noch ist das Kitesurfen in der Schweiz nur in einigen wenigen Zonen erlaubt. Doch die Chancen stehen gut, dass sich dies bald ändert. Der Ständerat hat bereits im September mit 17 zu 12 Stimmen einer Motion zugestimmt, die Kitesurfen grundsätzlich erlauben und damit anderen Wassersportarten rechtlich gleichstellen will (wobei die Kantone das Kitesurfen in gefährlichen Zonen doch wieder verbieten könnten). Die Verkehrskommission des Nationalrates stimmte der Motion mit 16 zu 7 Stimmen gar noch deutlicher zu. Heute nun entscheidet der Nationalrat. Sagt auch er Ja, wird der Bundesrat beauftragt, das Verbot zu streichen.

Doch in letzter Minute formiert sich massiver Widerstand: Die schon bisher skeptischen Schifffahrtsgesellschaften und die Vereinigung der Schifffahrtsämter setzen alle Hebel in Bewegung, um die Aufhebung des Verbotes zu verhindern. Der Verband öffentlicher Verkehr hat ein Schreiben an alle Ratsmitglieder geschickt. Darin warnt er, Kitesurfer würden sich anders und schneller bewegen als andere Wassersportler. Vor allem an engen Stellen wie der Bucht von Luzern «befürchten die Kapitäne und Matrosen der Kursschiffe eine erhebliche Gefahr».

Zürichsee speziell betroffen

Was für die Schweizer Schifffahrt im Allgemeinen gilt, trifft auf den Zürichsee im Speziellen zu. Vor allem das untere Seebecken bis hinauf nach Küsnacht und Thalwil sei viel zu eng und dicht befahren, heisst es bei der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft. Ja, der See sei überall zu schmal und stark genutzt, um Platz für Kitesurfer zu bieten. Tatsächlich ist der Sport heute auf dem ganzen See verboten.

Die Schifffahrtsgesellschaft fürchtet etwa, dass Leinen, die ein Kitesurfer in einer Notsi­tua­tion ausklinkt, sich in Schiffsschrauben verheddern. Das sieht auch Edith Graf-Litscher, Thurgauer SP-Nationalrätin und Sekretärin der Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV) in Zürich, so. «Bei einem normalen Surfer fällt bei einem Zwischenfall das Segel einfach ins Wasser, beim Kitesurfer machen sich Teile des Materials selbstständig.» Natürlich könne man dann bei einem Unfall sagen, der Kitesurfer sei schuld gewesen. «Ich erlebe in meinen Berufsalltag aber, wie schwer sich Kapitäne von Kursschiffen nach einem Unfall tun, auch wenn sie nicht schuld waren.»

Deshalb hat Graf-Litscher bereits in der Kommission einen Antrag auf Ablehnung der Motion eingereicht, allerdings erfolglos. Im Rat hofft sie nun auf bessere Chancen. «Der Druck der Schifffahrtsgesellschaften hat etwas in Bewegung gebracht.» Das räumt auch der grüne Zürcher Nationalrat Bastien Girod ein. «Obwohl die Argumente der Schifffahrtsgesellschaften hanebüchen sind.» So bräuchten Kitesurfer viel Wind und surften daher dann, wenn die meisten anderen Wassersportler nicht auf dem See seien. Deshalb hofft Girod, der sich selber schon als Kitesurfer versucht hat, aber primär ein Windsurfer ist, dass das Verbot heute fällt. «Immerhin haben neben mir noch weitere Nationalräte aus fast allen Parteien Vorstösse zugunsten des Kitesurfens eingereicht.» Insofern sei die Allianz für ein Ende des unsinnigen Verbots breit. Er räumt aber ein, dass der politische Graben in dieser Frage quer durch alle Lager verläuft.

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