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Schnarchen ist nicht nur unangenehm, sondern kann gefährlich sein

Wer nachts eindringlich schnarcht, nervt seine Mitschläfer. Doch auch Alleinstehende sollten dem Problem auf den Grund gehen. Denn häufig wird die Atmung behindert.

Wer regelmässig in Massenlagern übernachtet, zum Beispiel in Berghütten, kennt das Problem nur zu gut: Ein einziger Schnarcher kann einem ganzen Saal voll müder Wanderer den Schlaf rauben. Auch bei vielen Paaren führt die nächtliche Unruhestörung häufig zu äus­serst unromantischen Szenen, nicht selten auch zu getrennten Schlafzimmern. Das unangenehme Geräusch entsteht meist durch das Vibrieren des Gaumensegels. Ursache kann aber auch der Zungengrund oder der Kehldeckel sein. In liegender Position – vor allem in Rücken­lage – folgen diese Strukturen der Schwerkraft. Wenn der Schlaf kommt, erschlafft die Muskulatur und engt den Rachenraum weiter ein. Somit muss sich die Luft durch einen engen Spalt zwängen. Dies kommt bei Männern aus anatomischen Gründen häufiger vor; zudem neigen sie ­dazu, im Halsbereich mehr Fett einzulagern als Frauen. Auch mit zunehmendem Alter und Körpergewicht steigen die Chancen, dass jemand schnarcht. Rauchen trägt ebenfalls dazu bei, und auch Alkoholkonsum vor dem Einschlafen lässt die Muskulatur schlaffer werden. Körperliche Voraussetzungen Einige Personen seien zudem ­bereits aufgrund ihrer anatomischen Voraussetzungen prädestiniert zum Schnarchen, erklärt der Zürcher Hals-Nasen-Ohren-Arzt Gian-Marco Widmer. Hauptsächlich grosse Mandeln, aber auch ein kurzer Unterkiefer oder ein grosser Zungengrund können ­den Atemweg einengen. «Heftiges Schnarchen kann in Ausnahmefällen auch bei jungen, schlanken Frauen auftreten», weiss Widmer, der jahrelang die Sprechstunde für Interventionelle Schlafmedizin und Schnarchen am Universitätsspital Zürich geführt hat und nun Ratsuchende in seiner eigenen Praxis behandelt. Doch häufig ist Schnarchen nicht nur ein Problem für die Ange­hörigen, die sich nächtelang hin- und herwälzen. Wenn sich der Rachenraum zwischendurch gänzlich verschliesst, kommt es zu Atemnot mit gesundheitlichen Konsequenzen. Die Sauerstoffsättigung im Blut sinkt, Betrof­fene wachen auf und schnappen nach Luft. Sobald sie wieder einschlafen, verschliessen sich die Atem­wege erneut. «Menschen mit obstruktiver Schlafapnoe schlafen nie richtig tief», erklärt der Arzt. Tagsüber sind sie unausgeruht, unkon­zen­triert und oft auch gereizt. Als Autofahrer, Zugführer oder Piloten stellen sie für Passagiere und andere Verkehrsteilnehmer eine Gefahr dar. Zudem steigt bei Betroffenen häufig der Blutdruck an, womit sie ein höheres Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle haben. «Das Problem ist volkswirtschaftlich bedeutend», ist Widmer überzeugt. Zumal die Schlafapnoe bei mindestens 80 Prozent der Betroffenen unentdeckt bleibe. Der Fach­arzt schätzt, dass rund 5 Prozent der Bevölkerung betroffen sind. Doch der Übergang von unpro­blematischem zu gesundheitsschädigendem Schnarchen sei fliessend. Besteht ein Verdacht auf Atemstörungen im Schlaf, empfiehlt sich eine ärzt­liche Untersuchung. Sinnvolle Schlafabklärung Um die Ursachen und den Grad der Beeinträchtigung festzu­stel­len, ist manchmal eine Schlaf­abklärung nötig. Dabei wird die schlafende Person mit Kabeln an ein Gerät angeschlossen, das die Stellungen und den Atemfluss während der ganzen Nacht aufzeichnet. Gleichzeitig werden ­ der Sauerstoffgehalt im Blut, der Herzrhythmus sowie die Hirnströme gemessen. Die Untersuchung kann meistens zu Hause vorgenommen werden; in Spezialfällen muss sie im Schlaflabor einer Klinik gemacht werden. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten, wenn es dar­um geht, eine Schlafapnoe auszuschliessen. Andrea Söldi

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