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Schneiser bläst zu letztem Gefecht

Thomas Morf, Vorkämpfer gegen Fluglärm im Süden, plant offenbar, kürzerzutreten. Zuerst aber will er den erlahmten Widerstand neu beleben, mit einer Tournee, die er in Küsnacht lancierte.

Der prominenteste Fluglärmgegner des Kantons war gekommen, um die Küsnachter vor den drohenden Südstarts vom Flughafen Zürich zu warnen. Thomas Morf, Präsident des Vereins Flugschneise Süd – Nein, rief am Mittwochabend in der mit rund 200 Personen prall gefüllten Aula des Schulhauses Limberg in Küsnacht Forch zum Kampf auf. «Alle Politiker im Süden schlafen, die Bevölkerung schläft auch – wir müssen sie wachrütteln», sagte er.

Das zeigte Wirkung. Immer wieder brandete Applaus durch die Aula. Fäuste wurden geballt, aus allen Ecken des Saales kamen wütende Zwischen­rufe. Ursula Hofstetter, seit Beginn im Widerstand gegen die 2003 eingeführten Südanflüge mit dabei, prangerte die Behörden an: «Unsere Politiker machen nichts, es ist eine Schande.» Heftig kritisiert wurde auch das Fluglärmforum Süd, in dem sämtliche Gemeinden südlich des Flughafens zusammengeschlossen sind. Dies sei ein «Larifari»-Verein, der zu nichts in der Lage sei. Unwidersprochen hagelte die Kritik auf die Organisation nieder. Am Ende brachte ein Votant die siedende Stimmung im Saal auf den Punkt: «Es muss krachen, sonst passiert gar nichts.»

Wieder mal ein richtiger Protest

Da ging also wieder einmal eine richtige Schneiser-Protestveranstaltung über die Bühne. Noch vor knapp zehn Jahren, kurz nach Einführung der Südanflüge, hatte es das regelmässig gegeben. Mittlerweile ist der Widerstand aber erschlafft. Thomas Morf will das jetzt ändern. Neu entzünden soll sich der Protest an den Südstarts geradeaus. Dabei handelt es sich um eine von mehreren An- und Abflugvarianten am Flughafen Zürich, die derzeit auf politischer Ebene diskutiert werden. Nach dieser Variante wird von Norden her gelandet und nach Süden gestartet. Vom Lärm betroffen wären Goldküstengemeinden wie Küsnacht, aber auch viele Gemeinden am linken Seeufer.

Morf rechnet in Küsnacht mit Lärmbelastungen von rund 80 Dezibel direkt am Seeufer und über 90 Dezibel in der Berg­region. Mit Tonaufnahmen startender Flugzeuge demonstrierte er den zu erwartenden Lärmpegel. Das sorgte für Entsetzen im Publikum. Nach Morfs Ansicht hat der Flughafen die Südstarts geradeaus zuoberst auf seiner Wunschliste. Die Politik mache dabei mit. Der Grund: «Die Südstarts geradeaus ermöglichen dem Flughafen die höchstmögliche Spitzenkapazität.» So seien über 90 Flugbewegungen pro Stunde möglich. Das Ostkonzept erlaube hingegen maximal 65 Flugbewegungen.

Hinzu komme, dass keine Pistenkreuzung mehr vorkomme. Dies reduziere die Komplexität – «und genau das will der Flughafen». Dabei werde ignoriert, dass die Südstarts über eines der am dichtest besiedelten Gebiete der Schweiz führen. In Sicherheitsberichten werde die Bevölkerung am Boden einfach ausgeklammert. «Das läuft unter Kollateralschaden», sagte Morf.

Morf will im Rahmen einer «Roadshow» durch die Gemeinden im Süden tingeln, um die Leute wachzurütteln. Nur koordinierter Widerstand könne jetzt noch helfen. Für ihn hat der Kampf gegen die Südstarts finalen Charakter. Wie in Küsnacht zu hören war, will er im nächsten Jahr kürzertreten.

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