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Schnitzelheizung als «Schuss in den Ofen»

Die Ener­gie­beratung Region Winterthur propagiert erneuerbare Energien. Doch nun heizt ihr Mitglied Brütten ausgerechnet mit Öl statt Holz. Eine Zwischenlösung, begründet der Gemeinderat.

Die Gemeinde Brütten engagiert sich im Ener­gie­bereich: Sie ist eines von zwölf Mitgliedern im Verein Ener­gie­beratung Region Winterthur. Dieser betreibt eine Anlaufstelle, die den Einwohnern eine kostenlose Erstberatung in allen Ener­gie­fragen anbietet. Gleichzeitig können sich auch die Gemeinden in ener­gie­politischen Fragen beraten lassen. Dabei stehen Ener­gie­effizienz und erneuerbare Ener­gie­träger im Fokus. Umso mehr erstaunt es, dass der Brüttemer Gemeinderat nun die Holzschnitzelheizung in der Gemeindeliegenschaft Alpenblick 17 stilllegen und stattdessen voll auf Öl setzen will. Holzheizung nicht vom Tisch Auf den ersten Blick ein Widerspruch in sich. Doch Liegenschaftenvorstand Beat Lanz erklärt: «Es ist eine Zwischenlösung.» Eine Holzschnitzelheizung sei nicht für immer vom Tisch. «Der Schnitzelbunker wird nicht zubetoniert.» Einzig Heizkessel und Zubehör werden für 8000 Franken abgebaut und entsorgt. Eine neue Ölfeuerung ist derweil nicht nötig, weil eine solche bereits als Notsystem diente. Dieses ist laut Lanz ausreichend. Zusätzliche Investitionen seien nicht nötig. Die ursprüngliche Idee, auf den nachwachsenden Rohstoff Holz zu setzen, hält Lanz für sehr löblich. Ziel war es, die Schnitzel aus dem eigenen Forst zu verwerten. «Doch im Nachhinein betrachtet, hat sich die Vision als Schuss in den Ofen erwiesen.» Das Problem: Das Leistungspotenzial der gut 20-jährigen Holzschnitzelheizung wird nicht ausgeschöpft. Dadurch ist die Anlage ineffizient und störungsanfällig. «Der Aufwand für den Unterhalt ist sehr hoch», erklärt Lanz. Angeschlossen sind die Gemeindeliegenschaft Alpenblick 17 mit Alterswohnungen, das Gemeindehaus und das Werkgebäude. Die einstige Hoffnung der Gemeinde war es, noch weitere Abnehmer im Zen­trum zu gewinnen. Daher wurde die Anlage grösser konzipiert als nötig. Doch die Vision eines Wärmeverbunds hat sich zerschlagen. Vertragsverhandlungen mit Privaten sind im Sand verlaufen. Den gleichen Fehler will der Gemeinderat nun nicht erneut machen: «Wir wollen nicht wieder ins Blaue hinaus investieren», erklärt Lanz. Denn die Gemeinde müsste erneut rund 700 000 Franken aufwenden, um die alte Holzschnitzelheizung zu ersetzen. Dies, weil sie den Vorschriften der Luftreinhalteverordnung nicht mehr genügt. 2017 müsste sie definitiv abgeschaltet werden. Weil sich bisher keine neuen Perspektiven für einen Wärmeverbund aufgetan haben, tritt der Gemeinderat nun auf die Bremse. Förster hat Verständnis Die Behörde hat auch überprüft, ob weitere Gemeindeliegenschaften an die Holzschnitzelheizung angeschlossen werden könnten: etwa das Dorfladengebäude und der Kindergarten. Allerdings stehen die Investitionen dafür in keinem Verhältnis zum Nutzen. Ein Ener­gie­contracting mit den Elektrizitätswerken des Kantons Zürich wurde ebenfalls aus wirtschaftlichen Überlegungen verworfen. Revierförster Felix Holenstein würde das Holz aus dem eigenen Forst zwar lieber gleich vor Ort verwerten. Er kann den Entscheid des Gemeinderates aus betriebswirtschaftlicher Sicht aber nachvollziehen. «Eine ineffiziente Heizung um jeden Preis weiterlaufen zu lassen, macht keinen Sinn.» Weitere Transportwege muss das Ener­gie­holz aus Brütten nun deswegen nicht zurücklegen. Schon heute wird der grösste Teil davon nach Winterthur verkauft. Auch der Rest findet laut Holenstein in der näheren Region Absatz.

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