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Schock nach Traumstart

Die Teufenerin Nathalie Lienhard erlebte in den vergangenen sechs Monaten eine Achterbahn der Gefühle. Ihr Weg führte sie steil nach oben, aber kurz danach passierte ein dummes Missgeschick.

Es hört sich an wie ein Märchen: Ein erst 15-jähriges Mädchen von 1,64 cm Körpergrösse schiesst für den Frauenfussball-Schweizer-Meister FC Zürich in drei Spielen zwei Tore. Dieses Kunststück gelang Nathalie Lienhard im Frühling. Gegen die Young Boys wurde die Teufenerin am 26. April 15 Minuten vor Schluss eingewechselt. In der 92. Minute erzielte sie ihr erstes NLA-Goal zum Endstand von 7:0. Das Teamküken spielte sich dabei in die Herzen der Trainer und Teamkolleginnen. Am 11. Mai gegen Basel durfte die beidfüssige Stürmerin als linker Flügel gar den ganzen Match bestreiten, der FCZ siegte 3:0. Drei Tage später war die Senkrechtstarterin in Neunkirch wieder von Anfang an mit dabei – sie rechtfertigte das Vertrauen der Trainer mit ihrem Tor zum 4:0. Am Schluss gewannen die Zürcherinnen 4:2.

Nathalie Lienhard war sportlich extrem schnell ganz oben angekommen. Die Emotionen übermannten das gefühlvolle Mädchen – ähnlich wie bei ihren Junioren-Nationalteam-Einsätzen. «Wenn wir mit der Juniorennationalmannschaft hintereinander auf den Platz laufen, in einer Reihe stehen und dann die Schweizer Nationalhymne ertönt, kommen mir meist die Tränen», erzählt sie. Diese Gefühle sind mehr als verständlich, denn Nathalie Lienhard war schon mehrmals Captain des Juniorennationalteams.

Grätsche in die Beine

Weinen musste die Sekundarschule-A-Absolventin, die am Montag in Zürich die United School of Sports beginnen wird, auch am 22. Mai. Diesmal aber nicht aus Freude, sondern aus riesiger Enttäuschung. Bei einem Schulsport-Fussballspiel grätschte ihr ein Gegenspieler von hinten in die Beine. Sie zog sich dabei einen Riss des vorderen Kreuzbandes am linken Knie zu.

Der Unfall passierte in Biel. Lienhard besuchte während der vergangenen drei Jahre das Schweizerische Frauen-Fussball-Ausbildungszentrum in Huttwil und danach in Biel. Den Schul- und Turnunterricht besuchte die Teufenerin im letzten Jahr an der SKS (Sport- und Kultur-Studium) in Biel. Eigentlich hat sie am Schulsporttag wegen der Verletzungsgefahr gar nicht teilnehmen wollen. «Weil wir Fussballerinnen in der Schule aber immer wieder fehlten, wollten wir diesmal auf eine Ausnahmeregelung für uns verzichten und spielten trotzdem mit», berichtet sie.

Viele Aufmunterungen

In den ersten Tagen nach dem verhängnisvollen Foul verspürte sie zwar leichte Schmerzen, aber die Dimension der Verletzung war noch nicht bekannt. Erst ein MRI sechs Wochen später brachte endgültige Klarheit – Kreuzbandriss. Sechs Monate lang wird sie jetzt wohl keinen Spitzenfussball spielen können.

Seit der Operation offenbart sich nun jedoch der tolle Teamgeist bei den FCZ-Frauen und -Trainern. Sie lassen ihre Mitspielerin nicht hängen, sondern muntern sie immer wieder auf. Noch im Spital wurde sie unter anderem von FCZ-Captain Fabienne Humm und ihrer Teamkollegin Marina Keller besucht.

Lienhard ist nach ihrem kometenhaften Aufstieg jäh gestoppt worden. Doch unterkriegen lassen will sich die 15-Jährige, die am 20. August ihren 16. Geburtstag feiert, nicht. Ihr Ehrgeiz und ihr Verstand sollen sie auf ihrem sportlichen Weg auch weiter begleiten. «Zuerst muss ich ohne Stöcke und Schiene richtig laufen lernen, dann joggen. Ich darf jetzt nichts überstürzen.»

Sportlich wird ihr die Rückkehr in den Frauen-Spitzenfussball absolut zugetraut. Konstantinos Vettas, ihr ehemaliger U-18-Trainer beim FCZ, schwärmt gar: «Nathalie ist sehr schnell und sie kann bei höchster Geschwindigkeit technisch schwierige Dinge mit dem Ball machen. Deshalb setzt sie sich zum Beispiel auch häufig im 1:1 durch.»

Eine Freude bleibt Nathalie trotz des Verletzungspechs: Nach dem dreijährigen Besuch des Fussballausbildungszentrums kann sie momentan wieder oft zu Hause bei ihrer Familie sein. Ihr Ziel bleibt trotzdem, bald wieder auf den Rasen zurückzukehren, um dort weiterzufahren, wo sie gestoppt wurde. Markus Wyss

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