Zum Hauptinhalt springen

Schonwaschgang statt Wahlkampf

Flaue Wahlkämpfe, kaum eine Auswahl: Dass meist just so viele Kandidaten zur Wahl antreten, wie es Sitze im Gemeinderat hat, ist kein Zufall.

Solange die Band der Late-Night-Show spielte, tänzelten die drei Kabarettisten angespannt um drei leere Stühle. Als die Musik stoppte, rannten die drei wild durcheinander und ergatterten dann – o Wunder – alle einen Sitz. Dieser satirische Sesseltanz, jüngst im österreichischen Fernsehen aufgeführt, ist ein Sinnbild für die bevorstehenden Erneuerungswahlen in den Gemeinden der «Landbote»-Region: Mit ganz wenigen Ausnahmen treten am 30. März genau so viele Kandidierende für den Gemeinderat an, wie es Sitze hat. Und bei Rücktritten kandieren gerade so viele neue Personen, wie es frei gewordene Sitze zu besetzen gibt. Kampfwahlen sind in der Region die Ausnahme – und somit auch Wahlkämpfe. «Wahl nicht vorab abwürgen» Gekämpft wird allerdings schon, bloss hinter den Kulissen, so zum Beispiel in Ossingen. Auch dort gibt es im Gemeinderat zwei Vakanzen zu besetzen. Doch die drei bisherigen Gemeinderäte und die zwei neuen Kandidaten müssen kaum um ihre (Wieder-)Wahl zittern. Denn eine dritte Kandierende haben sie im Vorfeld ausgebremst, sagt Peter Meier, der Präsident der FDP Ossingen. Meier hatte die «überzählige» ­Person Ende Oktober vorgeschlagen. «Wenn es doch einmal mehr Leute gibt, die kandidieren wollen, dann soll man das zulassen und nicht die Wahl vorgängig abwürgen», findet er. Vor allem die bisherigen Gemeinderäte hätten sich aber vehement gegen eine dritte Kandidatur gewehrt. «Sie drohten mit dem Rückzug ihrer Kandidaturen, falls die ‹Überzählige› auch kandidieren würde.» Von einem sonst drohenden Scherbenhaufen sei die Rede gewesen. Nichtsdestotrotz unterstützt Meiers FDP die drei bisherigen Gemeinderäte auf einem gemeinsamen Flugblatt mit der SVP und dem Gemeindeverein Ossingen (GVO). Laut Peter Meier machten die drei bisherigen Gemeinderäte einen guten Job. «Ich weiss gar nicht, wovor sie sich fürchten.» Nicht in der Öffentlichkeit angebrachte Vorbehalte gegen die dritte Kandidatin ärgern ihn jedoch sehr. «So etwas gehörte in einen Wahlkampf, den die Bisherigen aber ja verhindert haben.» Es könne nicht angehen, dass der bisherige Gemeinderat im Hinterzimmer vorab und an den Wählern vorbei über seine eigene ­Zusammensetzung befinde. Als eine ­«riesige Schweinerei» bezeichnet Meier «dieses Gemauschel». Da werde Wahlverhinderung betrieben, und Kandidaten würden auf diese Art und Weise im Voraus verheizt. «Ich bin sehr erschrocken» Sich einem öffentlichen Kampf der Argumente gestellt und eine Wahlniederlage gut verdaut hätte die dritte Kandidatin, wie sie auf Anfrage sagt. Hätte. Denn für eine Kandidatur steht sie nicht mehr zur Verfügung, da sie sonst negative Konsequenzen für sich befürchtet. Man habe ihr zu verstehen gegeben, dass sie bei einer Wahl in den Gemeinderat alleine dastehen würde. «Ich bin sehr erschrocken. Unter Demokratie verstehe ich etwas anderes.» Einer, der für eine Kampfwahl nicht zur Verfügung gestanden hätte, ist Daniel Stahl. Der bisherige Ossinger Gemeinderat und Finanzvorstand kandidiert erneut für das Amt. Zu Peter Meiers Kritik, dass er selber der Wahl ferngeblieben wäre, wenn die dritte Kandidatin auch daran teilgenommen hätte, äussert sich Stahl auf Anfrage nicht. Dafür erklärt er, weshalb er eine Kampfwahl ablehnt. So zeige die Erfahrung auch in Ossingen, dass es nicht einfach sei, geeignete Kandidierende für ein Amt zu rekrutieren. «Ich teile die Meinung vieler Verantwortlicher und Parteien in der Region, dass geeignete Personen, die sich für ein Amt zur Verfügung stellen, nicht in einer Kampfwahl ‹verheizt› werden dürfen.» Denn sonst, schlussfolgert Stahl, «fände man mit Sicherheit bald überhaupt keine adäquaten Kandidierenden mehr». Er begrüsse es daher natürlich, dass sich die Ossinger Parteien auf eine «ausgewogene Wahlempfehlung ohne Kampfwahlen» geeinigt hätten. Denn die nächste Vakanz komme oft schneller, als man denke, «und dann ist man wieder froh um eine geeignete Kandidatur». Fünf Sitze, fünf Kandidaturen Von Einigung könne keine Rede sein, sagt Peter Meier. «Wir wurden vielmehr erpresst mit dem Argument, durch eine dritte Kandidatur einen angeblichen Scherbenhaufen zu hinterlassen.» Meier teilt zwar die Einschätzung, wonach die Kandidatensuche nicht einfach ist. So sei es zum Beispiel sehr schwierig gewesen, für die Primarschulpflege Ossingen überhaupt genügend Kandidaten zu finden, während für die Kirchenpflege sogar noch Kandidaten fehlen. «Doch findet sich endlich einmal eine weitere Person, die dann als ‹Überzählige› aber nicht kandieren soll – das darf nicht sein!» Nach dem Rücktritt von Roger Ernst und Hanspeter Kurtz aus dem Ossinger Gemeinderat sind für die Gesamterneuerungswahlen vom 30. März zwei Vakanzen neu zu besetzen. Nebst den bisherigen Gemeinderäten Martin Günthardt, Daniel Stahl und Doris Sigg kandieren neu Carmen Kromer und Ralph Liska.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch