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Schulzahnarzt im Trend und doch überholt

Zahnpflege Pfungen schafft das Modell Schulzahnarzt ab. Die Eltern sollen die jährliche Zahnkontrolle der Kinder neu in einer Praxis ihrer Wahl selbst organisieren. Das handhaben auch andere Gemeinden so.

Die Gemeinden im Kanton Zürich müssen für «ihre» Kinder im Volksschulalter die Schulzahnpflege organisieren. So bestimmt es das Gesundheitsgesetz mit der entsprechenden Verordnung aus dem Jahre 1965. Pfungen kam diesem Auftrag bisher in einem Mischmodell nach: Die Eltern konnten zwischen einer jährlichen obligatorischen Vorsorgeuntersuchung bei einem Privatzahnarzt und der Reihenuntersuchung beim Schulzahnarzt wählen. Das ändert nun ab neuem Schuljahr: Die Gemeinde hat den Schulzahnarzt abgeschafft, wie Schulpräsidentin Esther Fuhrer bestätigt. «Wir haben keinen Vertrag mehr und stellen den Eltern die Wahl des Zahnarztes für die jährliche Zahnkontrolle völlig frei.» Zur Kündigung des Vertrages mit Pfungens langjährigem Schulzahnarzt Hanspeter Kuster in Wülflingen betont Fuhrer: «Die Zusammenarbeit mit Herrn Kuster war immer äusserst angenehm, wir haben von den Eltern nur positive Rückmeldungen erhalten.» Nachfrage gross Paradoxerweise liegt der Grund für die Abschaffung des Schulzahnarztes nicht etwa darin, dass das Interesse an den jährlichen schulzahnärztlichen Reihenuntersuchungen rückläufig wäre. Im Gegenteil: Die Nachfrage ist laut Schulpräsidentin so gross wie nie. Im Jahr 2010 haben von 310 Pfungemer Schülern deren 53 den Untersuchungstermin beim Schulzahnarzt in Wülflingen in Anspruch genommen (17 Prozent). Dieses Jahr waren es sogar 145 von rund 400 Schülern. Das entspricht einer Zunahme von knapp 20 Prozent. Dass der Vertrag mit dem Schulzahnarzt nicht mehr verlängert wurde, erklärt Fuhrer in erster Linie mit dem grossen Aufwand administrativer, personeller und finanzieller Natur, den die Durchführung und Organisation der jährlichen Vorsorgeuntersuchung mit sich bringe. «Insbesondere der Transport und die damit verbundene Betreuung der wachsenden Anzahl Schülerinnen und Schüler ist sehr aufwendig.» Pfungemer Eltern sollen deshalb künftig die jährliche obligatorische Zahnuntersuchung für ihr Schulkind selbst organisieren müssen oder dürfen, je nachdem, wie man es sehen möchte. «Sie sollen die freie Zahnarztwahl haben», sagt Fuhrer. Die Kosten für diese Jahreskontrolle – 43.50 Franken gemäss Suva-Tarif – erstattet die Gemeinde zurück. Angestossen wurde die Abschaffung des Schulzahnarztes in Pfungen – ein weiteres Paradox – durch den Umzug von Zahnarzt Nebo Komadina von Neftenbach nach Pfungen in die Ofenhalle. «Herr Komadina hat sich bei uns als Schulzahnarzt beworben», sagt Fuhrer. Die Schulpflege diskutierte daraufhin das schulzahnärztliche Modell eingehend – und kam zum Schluss, es abzuschaffen. Esther Fuhrer verspricht sich von der neuen Lösung eine qualitative Verbesserung der Zahnhygiene der Schüler. «Wir denken, dass die Eltern dann auch eher die notwendigen Behandlungen durchführen lassen.» Die Schulpräsidentin findet aber auch, dass das Schulzahnarzt-Modell heute nicht mehr zeitgemäss sei. Mehr als Kariesprophylaxe Der neue Zahnarzt, der seit April in Pfungens ehemaliger Ofenhalle eine Praxis hat, wäre zwar gerne Schulzahnarzt geworden. «Nicht weil es einträglich ist, sondern weil es Leute in die Praxis bringt und man über zahnmedizinische Themen sprechen kann», sagt Komadina. Im Endeffekt bringt eine Einzeluntersuchung für den Klienten seiner Meinung nach aber qualitativ durchaus einen Mehrwert. «Bei Reihenuntersuchungen geht es ja vor allem darum, ob ein Kind Karies hat oder nicht.» Verschiedene Modelle Pfungen steht mit seinem Abschied vom Schulzahnarzt-Modell nicht allein da. Gewisse Gemeinden wie etwa Andelfingen oder Dättlikon geben den Eltern einen Gutschein für einen jährlichen Vorsorgeuntersuch ab. Der Privatzahnarzt rechnet dann direkt mit den Schulgemeinden ab. Andere Kommunen, wie etwa Henggart, lassen sich die Rechnung von den Eltern einreichen und mahnen sie einmal, wenn ihr Kind noch nicht bei der Jahreskontrolle war. Eine originelle Lösung wird seit kurzem in Neftenbach praktiziert (siehe Text unten links). Nach der Pensionierung der langjährigen Schulzahnärztin Marta Mock und dem Wegzug von Praxiskollege Komadina waren neue Ideen gefragt. Dagmar Appelt

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