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Schumann ganz durchdacht und ohne Geheimnis

Zürich. Der junge aufstrebende Pianist Martin Helmchen war am Samstag in der Tonhalle Zürich mit Schumanns Klavierkonzert a-Moll zu hören.

Martin Helmchen und Schumann? Der junge, international gefragte Pianist hat sich ruhig und konsequent mit Bach, Mozart und Mendelssohn einen Namen gemacht. Er ist ein strukturbezogener Interpret, sehr genau im Erfassen und Deuten von Details, und sein Spiel ist linear und sehr egal. Unheimlich kon­trol­liert und stabil im Metrum, wirkt er aber auch gerne etwas kühl und farblos.

Nun spielte Helmchen, der bereits in der Saison 2011/12 Artist in Residence des Tonhalle-Orchesters war, am Samstagabend in der Tonhalle Robert Schumanns Klavierkonzert a-Moll. Am Pult stand Lionel Bringuier, welcher ab 2014 die Nachfolge von Chefdirigent David Zinman antritt. Seinetwegen filmte das französische Fernsehen während des Konzerts, welches übrigens sehr gut besucht war.

Schon der Beginn war überraschend: Helmchen stürzte sich mit den Eröffnungsakkorden rasant in die Tiefe: kein Besinnen, kein Ausbreiten des Klangs, sondern hart im Zugriff und hoch dramatisch. Interessant war, wie Helmchen Schumanns arpeggierte Akkorde insgesamt eher trocken und kernig «anpackte», metrisch aber fliessend blieb. Hinzu kam ein hoch differenzierter Anschlag, das Piano schwebte, blieb aber klar strukturiert, und der Dialog mit dem Orchester war stringent und subtil abgestuft. Doch das Poetische, die Klangmagie, das Geheimnisvolle geht Helmchen ab. Und was ist Schumann ohne Poesie? Es war jedenfalls eine genau durchdachte, hoch interessante und eigenwillige Deutung dieses wohl «romantischsten» aller Klavierkonzerte.

Flirrendes Farbenspiel

Eröffnet wurde der Abend mit Maurice Ravels «Le tombeau de Couperin», eine schillernde Hommage an den französischen Barockmeister. Dieses flirrende Farbenspiel der stark exponierten Bläser, dieser verschärfte Klang im Schmerz über die im Ersten Weltkrieg gefallenen Freunde und diese Heiterkeit im Menuet gelangen dem Tonhalle-Orchester unter Bringuier mit Eleganz.

Und nach der Pause dann Béla Bartóks «Konzert für Orchester» – ein mutiger Entscheid. Dieses letzte Orchesterwerk des schwer erkrankten Bartók, der in den USA kaum Anerkennung gefunden hatte, ist ein stilistisch heterogenes Werk, rhythmisch sehr schwer, und in der harmonischen Eigenwilligkeit bekenntnishaft. Bringuier vermochte diese Vielfalt weitatmig zusammenzuhalten, wiederum waren die Bläser in Bestform, und das Tonhalle-Orchester spielte sagenhaft präzise und ausdrucksorientiert. Wir sind gespannt, was da noch kommen wird.

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