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Schweizer Textilindustrie schrumpft weiter

zürich. Die Textilindustrie in der Schweiz hat 2012 weitere Marktanteile verloren. Ein wichtiger Grund dafür ist der starke Franken. Er ist jedoch nicht allein für den Krebsgang verantwortlich, wie ein Vergleich mit Deutschland zeigt.

Die Schweizer Textil- und Bekleidungsindustrie hat ein weiteres ernüchterndes Geschäftsjahr hinter sich. 2012 haben die Exporte im Vergleich zum Vorjahr um 6,3 Prozent auf 2,8 Milliarden Franken abgenommen. Die Branche hat weitere 1200 Arbeitsplätze abgebaut. Der Personalbestand beträgt noch 13 600 Personen. Beruhigend daran ist einzig, dass die Schweiz in Europa damit nicht allein ist. Selbst die traditionellen europäischen Textilländer Italien, Frankreich, Türkei und Belgien befinden sich seit 2007 im Krebsgang. Einzig Deutschland kann sich gegen die starke asiatische Konkurrenz halten.

2012 sanken die Exporte der deutschen Textilindustrie lediglich um 1,7 Prozent. Davor haben die deutschen Textil- und Bekleidungsexporte sogar zugenommen. Nach dem weltweiten Einbruch des Textilhandels 2009 steigerte Deutschland die Exporte von Stoffen, Garnen und Kleidern in den folgenden Jahren gegen den europäischen Trend um 14,7 und 7,4 Prozent und konnte damit ihren Anteil am Weltmarkt halten. 2011 nahm in Deutschland sogar die Anzahl Beschäftigter in dieser Branche wieder zu.

Die deutsche Textilindustrie macht demnach etwas besser als ihre europäische Konkurrenz. Marcus Jacoangeli vom deutschen Verband der Textil- und Modeindustrie sieht dafür drei Gründe. Erstens habe die deutsche Textilindustrie in den letzten Jahren die Wettbewerbsfähigkeit deutlich gesteigert, indem sie die Produktivität erhöht und «bei den Löhnen Zurückhaltung geübt» habe. Konkret: Es wurden den Arbeitnehmern keine Lohnerhöhungen gewährt.

Zweiter Grund sei die Kon­zen­tra­tion der deutschen Industrie auf Nischen. Insbesondere in die Entwicklung von technischen Textilien sei viel investiert worden. Der deutsche Export dieser Produkte habe denn auch überproportional zugenommen. Laut Jacoangeli erklären allein schon diese zwei Gründe die Unterschiede zu den europäischen Konkurrenten Italien, Frankreich und der Türkei. Als dritter Grund nennt Jacoangeli starke, international bekannte Marken. So steigerten zum Beispiel Adidas, Puma und Boss jedes Jahr die Verkäufe, was bis jetzt ein Schrumpfen im besonders umkämpften Segment Bekleidung verhindert habe. Im Gegensatz zu den Garnen, Stoffen und Geweben – den Textilien – konnten die deutschen Unternehmen den Export von Kleidungsstücken im letzten Jahr sogar steigern.

Laut Jacoangeli gelten alle drei Gründe auch ge­gen­über der Schweiz, wobei auch der deutsche Branchenvertreter den Einfluss des starken Frankens betont. Für Peter Flückiger, den Direktor des Textilverbands Schweiz Swiss Textiles, macht dieser Faktor sogar den Hauptunterschied zur deutschen Konkurrenz aus. «Sonst ist die schweizerische Textil- und Bekleidungsindustrie ähnlich und ähnlich gut wie die deutsche aufgestellt.»

Einen Punkt, bei dem Deutschland klar die Nase vorne hat, macht jedoch auch Flückiger aus. «Die deutsche Textilindustrie ist sehr gut mit anderen ­Industrien und den Hochschulen vernetzt.» Da könne die Schweiz von Deutschland noch lernen. Flückiger betont in diesem Zusammenhang die Bemühungen des Schweizer Verbands, diese Vernetzung auch über die Landesgrenzen hinaus zu fördern. So strebe Swiss Textiles einen Textil-Cluster in der Bodenseeregion an.

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