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Schwester Maria Paula: «Es ist eine Antwort auf die sexualisierte Welt»

Wenn man ins Kloster geht, muss man sich von Gott be- rufen fühlen. Ich habe den Schritt getan, weil ich ganz für Jesus leben will. Früher hätte ich mir das überhaupt nicht vorstellen können. Im Alter von 17 Jahren wollte ich nichts mehr mit der Kirche zu tun haben und war auch weg vom Glauben. Ich spürte zwar immer, dass es etwas Tieferes gibt, etwas, das nicht messbar ist, und wurde stark von der Wahrheitssuche umgetrieben. Vor zehn Jahren nahm ich an einer Heiligen Messe im Rahmen einer Beerdigung teil. Da wurde mir bewusst: Es ist wahr, Gott ist gegenwärtig. Ihm wollte ich mein Leben schenken. Als mir später eine Bekannte einen Handzettel über die Spirituelle Weggemeinschaft in die Hand drückte, war mir klar, dass Gott mich dorthin ruft. Ich klopfte an die Tür und bekundete meine Absicht, beizutreten. Die Schwestern nahmen mich auf, jedoch – wie es üblich ist – zuerst für eineinhalb Jahre als Kandidatin.

Als Novizin wurde ich dann in die Schwesterntracht, den sogenannten Habit, eingekleidet, mit einem weissen Schleier. In dieser Zeit war ich noch frei, jederzeit zu gehen. Zwei Jahre später legte ich die erste zeitliche Profess auf zwei Jahre ab. Das ist wie eine Verlobungsphase, weshalb ich einen silbernen Fingerring trage. Das Gelübde beinhaltet Keuschheit, Armut und Gehorsam. Nächstes Jahr fällt die Entscheidung, ob ich die ewige Profess mache und für den Rest meines Lebens in dieser Gemeinschaft bleibe. Ich glaube, dass Gott mich hier haben will. Alle anderen Schwestern tragen bereits den goldenen Ring. Was das Klosteralter betrifft, bin ich mit sechs Jahren die Jüngste.

Das nahe Zusammenleben ist eine Herausforderung, aber auch eine grosse Chance. Man lernt sich und seine dunklen Seiten sehr gut kennen, kann daran arbeiten und Heilung erfahren. Ohne Gott und die spirituelle Begleitung durch die Oberin ginge es nicht. Für mich ist es Gott, der unsere Gruppe zusammengestellt hat. Wir sind sehr verschieden. Alle haben früher einen Beruf erlernt. Ich war in der Verwaltung einer psychiatrischen Klinik tätig sowie als Erwachsenenbildnerin im Computerbereich.

Wir sind fast immer hier auf der Klosterinsel. Hin und wieder machen wir einen Ausflug und im Sommer ein paar Tage Ferien. Natürlich werden wir mit unseren Gewändern manchmal komisch angeschaut. Wir sind Exoten, dessen bin ich mir bewusst. Doch man wird immer freier, und das ist gut so. Ich finde den Habit sehr praktisch, weil ich mir nie Gedanken machen muss, was ich anziehen soll. Kleider haben mir schon früher nicht viel bedeutet. Wir haben keinen eigenen Besitz. Wenn wir etwas Persönliches brauchen, bitten wir in der Gemeinschaft darum. Wir erhalten, was wir brauchen, und dafür sind wir dankbar. Ich empfinde das klösterliche Leben als sehr befreiend, weil ich von mir selbst wegkomme und weniger von der Suche nach Gott abgelenkt werde. Es ist auch eine Antwort auf den heutigen Materialismus und die sexualisierte Welt. Wir sind gemeinsam auf dem Weg zu Gott, aber noch nicht angekommen.

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