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«Screenings retten 250 Frauen pro Jahr»

Das Swiss Medical Board glaubt nicht an den Nutzen von Brustkrebs-Screenings. KSW-Facharzt Uwe Güth widerspricht und fordert die Einführung des Programms im Kanton Zürich.

Herr Güth, Brustkrebs-Screenings seien sinnlos und teuer, schreibt das Swiss Medical Board. Kommt diese Aussage für Sie überraschend? Uwe Güth: Nein, Kritik an den Screenings gibt es schon länger. Dennoch teile ich die Ansichten des SMB ganz und gar nicht. Bei einer häufigen Erkrankung wie Brustkrebs kann das Mammografie-Screening in der Schweiz circa 250 Frauen pro Jahr das Leben retten. Das SMB schreibt, bei jeder zehnten Frau, die an den Programmen teilnehme, komme es zu Fehlbefunden. Ist die Technik schlicht noch nicht ausgereift? Diese Zahlen sind irreführend. Wichtig ist der folgende Fakt: Bei 1000 Frauen ohne Screening sterben in der Altersgruppe zwischen 50 und 70 Jahren fünf Frauen. Werden Screenings eingesetzt, kann im Schnitt ein Brustkrebstodesfall verhindert werden, was nichts anderes als eine Verbesserung um 20 Prozent bedeutet. Dennoch: In vier Prozent der Fälle werden gar irrtümlich positive Befunde erstellt. Dies ist sehr unangenehm für die betroffenen Frauen, da bedarf es weiterer Erfahrung. Wir setzen uns selbst sehr intensiv mit diesen Fällen auseinander, um von ihnen zu lernen. In Abwägung von Vorteilen und Gefahren des Brustkrebs-Screenings stehen für uns aber die Vorteile im Vordergrund, sodass wir uns auch weiterhin für die Einführung von Brustkrebs-Screenings im Kanton Zürich einsetzen. Screenings sind nur ein Aspekt der Früherkennung. Wie viele Mammografien werden im Kantonsspital Winterthur innerhalb der regulären Untersuchungen jährlich durchgeführt? Wir führen jährlich etwa 2000 Röntgenuntersuchungen durch. Zudem arbeitet unser Brustzentrum mit zahlreichen externen Radiologen in der Region zusammen. Was raten Sie Frauen, die nun verunsichert sind? Wichtig ist, dass die Patientinnen die Grenzen des Screenings kennen und keine unrealistischen Erwartungen haben. Wir respektieren auch einen Entscheid gegen eine Untersuchung. Die Mammografie ist ja an sich keine angenehme Untersuchung. Jede Patientin muss die für ihre persönliche Si­tua­tion passende Lösung finden. Uwe Güth (Bild) ist Leiter des Brustzentrums im Kantonsspital Winterthur (KSW) und Facharzt für Gynäkologie.

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