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Sehbehinderung im Alter – Unterstützung ist wichtig

Wenn zum hohen Alter noch eine Sehbehinderung kommt, fühlen sich viele Menschen überfordert. Doch Hilfe ist möglich.

Immer mehr Menschen erreichen das sogenannte vierte Alter. Sie erfahren eine Zeit, in der einschneidende Veränderungen geschehen. In fast allen Lebensbereichen kommt es zu Einschränkungen: Der Partner oder die Partnerin stirbt, der Bekanntenkreis verkleinert sich, die Mobilität wird weniger – und gesundheitliche Beschwerden häufen sich: Augenkrankheiten wie grauer Star, Makuladegeneration oder Nebenwirkungen von Krank­heiten, die im Alter oft vorkommen, können zu einer Seh­behinde­rung führen. Sehbehinderung im Alter ist auf dem Vormarsch. Die Forschung des Schwei­ze­ri­schen Zentralvereins für das Blindenwesen (SZB) fasst die Ergebnisse einer eigenen aktuellen Studie in einem neu erschienenen Themenheft mit dem Titel «Sehbehinderung im Alter – komplex und vielfältig» zusammen und zeigt, wie Menschen nach einem unbeschwerten Leben im Alter mit einer Sehbehinderung umgehen. Dazu wurden Interviews mit betroffenen Menschen ausgewertet und eine Reihe von Expertinnen und Experten befragt.

Im Unterschied zu Menschen, die schon früh in ihrem Leben blind oder sehbehindert wurden, fällt ihnen die Umstellung auf die «doppelte Belastung» – das Alter und die Sehbehinderung – schwerer. Die Diagnose eines Arztes «Da können wir nichts mehr machen; das wird nicht mehr gut» in Bezug auf das Augenlicht lässt viele erst einmal in eine schwere Krise stürzen, gerade auch solche, die immer unternehmungslustig und aktiv waren. Es braucht Zeit, die neue Situation anzunehmen. Resignation ist nicht selten, da vielen Menschen im Alter weniger Ressourcen zur Verfügung stehen, um neue Kräfte zu mobilisieren.

Besonders schmerzhaft empfinden Menschen, die im Alter sehbehindert werden, dass sie das Autofahren und das selbstständige Verreisen aufgeben müssen. Viele treten einen sozialen Rückzug an. Neue Strategien zu lernen, die im Alltag Erleichterungen schaffen – wie den weissen Stock zu nutzen oder andere Personen um Hilfe zu bitten –, fällt vielen schwer.

Hindernisse beseitigen und Wohnung gut ausleuchten

Das Themenheft bleibt aber nicht bei der Zustandsbeschreibung stehen. Die Autoren untersuchen auch, welche Faktoren eine Rolle spielen, um Lebensqualität im ­Alter mit einer Sehbehinderung zu erhalten. Am wichtigsten ist die eigene innere Stärke – denn niemand kann die doppelte Belastung abnehmen. Hilfreich sind aber auch erfahrene Ansprechpartner direkt nach der Diagnose. Der Kontakt zu Selbsthilfegruppen kann stärken, ebenso der Einsatz von Hilfsmitteln und emotionale Unterstützung durch das gesamte soziale Umfeld. Konkret hilft Umgestaltung der Wohnung, zum Beispiel durch bessere Ausleuchtung und bessere Kontraste sowie die Beseitigung von Hindernissen, die eine Sturzgefahr darstellen. Unterstützung dazu findet man kostenlos und ohne Verpflichtungen auf den in allen Kantonen eingerichteten Beratungsstellen für sehbehinderte Menschen.

Menschen im hohen Alter mit Sehbehinderung liegt vor allem daran, wenigstens einfache Notizen zu lesen, das Telefon zu benutzen oder Vorlesegeräte anwenden zu können. Als wichtigstes Fazit halten die Autoren fest: «Die Menschen entscheiden selbst, was sie weiterhin selbstständig tun und für was sie Hilfe organisieren möchten», so Stefan Spring, Forschungsbeauftragter beim SZB. Rehabilitation sollte daher im hohen Alter auf kleine, genau definierte Ziele und kurzes und häufiges Üben setzen. Dann kann die Lebensqualität auch mit der doppelten Belastung ein gutes Stück erhalten werden. red

Das Themenheft «Sehbehinderung im Alter – komplex und vielfältig» kann auf der Website des SZB ­heruntergeladen werden unter: www.szb.ch Adressen der Beratungsstellen und weitere Infos gibt es unter: www.zuercher-sehilfe.ch www.blind.ch

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