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«Sehr ruhig und im Frieden mit mir selber»

Nach seinem Finalsieg gegen Novak Djokovic sprach Rafael Nadal über seine physischen Probleme, seine mentale Stärke und Rekorde, die er noch brechen könnte.

Rafael Nadal, war das körperlich Ihr härtester French-Open-Final?

Rafael Nadal: Ja. Ich war völlig ausgelaugt. Der plötzliche Wechsel des Wetters nach zwei kalten Wochen zu warmen Temperaturen mit hoher Luftfeuchtigkeit liess uns beide körperlich leiden. Wir wurden beide etwas müde, deshalb war es speziell wichtig, dass ich den zweiten Satz gewonnen habe. Ich fühlte mich gar nicht gut und weiss nicht, ob ich fünf Sätze durchgestanden hätte.

Sie spielten die Vorhand öfter als sonst longline auf Novak Djokovics Vorhand anstatt auf die Rückhand. War das die Taktik, die Sie sich vorgenommen haben?

Ich weiss, dass ich gegen ihn immer am Limit spielen muss. Aber um aggressiv spielen zu können, braucht es das nötige Vertrauen. Das ist nicht immer einfach. Zu Beginn hatte ich das Gefühl, dass Djokovic das Spiel in der Hand hatte, dass ich Punkte eher gewann, weil er Fehler machte. Das musste ich ändern. Im zweiten Satz änderte sich die Dynamik des Spiels. Selbst als es noch 4:4 stand, fühlte ich, dass das Spiel gedreht hatte.

Es war ein sehr emotionaler Sieg für Sie. Der neunte in Paris, der fünfte in Serie. Das hat vor Ihnen keiner geschafft. Wie speziell fühlt sich das an?

Ich mag diese Vergleiche nicht. Das Wichtige für mich ist, in Roland Garros zu gewinnen. Egal, ob es der erste Sieg ist oder der dritte, vierte oder fünfte in Serie. Ich habe das wichtigste Turnier der Welt auf Sand gewonnen, wahrscheinlich das wichtigste des Jahres für mich. Was den Sieg sehr emotional macht, sind die Ereignisse in Australien, als ich nach Rückenproblemen den Final gegen Stan Wawrinka verloren habe. Da spielte ich ein grossartiges Turnier, und im Final verlor ich gegen Stan, der fantastisch spielte. Ich weiss nicht, ob ich sonst gewonnen hätte, aber ich konnte nicht um den Sieg kämpfen. Das war für mich schwer zu akzeptieren. Und dann werde ich ja nicht jünger. Ich habe sicher noch ein paar Gelegenheiten, aber du weisst nie, ob du noch einmal gewinnst.

Viele Leuten sprechen über Ihre mentale Stärke. Sehen Sie das als einen Ihrer grössten Vorteile?

Ich weiss nicht. Jeder, der Turniere gewinnt wie Novak, ich oder Roger Federer, ist mental stark. Es ist klar, dass auch wir nicht immer unseren besten Tag haben, aber wir kämpfen trotzdem, glauben an uns und suchen Wege zum Sieg. Deshalb gewinnen wir am meisten und immer wieder.

Mit 14 Grand-Slam-Titeln sind Sie Roger Federer mit seinen 17 schon ziemlich nahe. Ist das nun Ihr grosses Ziel?

Das beschäftigt mich nicht wirklich und ist keine spezielle Motivation. Ich gehe meinen eigenen Weg, und am Ende meiner Karriere können wir zählen. Aber diese Rekorde interessieren mich nicht wahnsinnig. Wir werden sehen, ob ich nochmals einen breche, aber im Moment bin ich mit 14 Grand Slams glücklich.

Fühlen Sie sich nun entspannter für den Rest der Saison?

Egal, was noch passiert, ich habe schon viel erreicht in diesem Jahr. Seit zehn Jahren spiele ich nun auf diesem hohen Niveau, da bin ich tatsächlich sehr ruhig und im Frieden mit mir selber. Die Erfolge sind das Resultat von Wochen und Monaten harter Arbeit. Die nächsten Ferien werden sicher auch besser nach einem solchen Sieg. sp

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