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Senioren ausgenommen – es war Betrug

Dass die einsamen Senioren den beiden jungen Frauen Geld schenken wollten, um ihnen zu helfen, glaubt das Gericht nicht. Es verurteilt die Frauen wegen Betrugs.

Dreist. Professionell. Perfid. So umschreibt der Vorsitzende Richter das Vorgehen der beiden Frauen aus Wien. Die 26- und 25-jährigen Roma, die ursprünglich aus dem Balkan stammen, hatten sich zwischen Mai 2011 und Mai 2012 mehreren Betagten als «Putzhilfen» aufgedrängt. In den Wohnungen der Senioren haben sie, die von ihren Ehemännern angetrieben und angeleitet wurden, dann Wertgegenstände gestohlen, mit entwendeten Bankkarten Geld bezogen und sich bei den besonders gutmütigen auch noch – die Mitleidsmasche spielend – Darlehen erschlichen.

Einen 92-jährigen Zürcher, den die Frauen in einem Restaurant angesprochen hatten, erleichterten die beiden so um über 60 000 Franken. Mehr als 40 000 Franken erhielten sie als Darlehen, unter anderem für angebliche Mietzinsausstände. Die Anklage zählt fünf weitere betagte Männer auf, welche die Frauen, mal gemeinsam auftretend, mal alleine agierend, mit ähnlicher Masche angegangen waren.

Die Staatsanwaltschaft sprach von Darlehensbetrug, da die Frauen unter anderem falsche Vornamen nannten und gar nie die Absicht hatten, die Gelder zurückzuzahlen. Die Verteidigung widersprach und schob die Schuld den Senioren zu: Diese hätten ja kaum nachgefragt und nicht einmal einen Ausweis verlangt. Die Frauen hätten gar keine Lügen erzählen und die Männer so arglistig täuschen müssen. Ohnehin hätten die Senioren das Geld freiwillig, aus Mitleid, übergeben, um den jungen Frauen zu helfen – oder in der Hoffnung, damit auch sexuelle Dienstleistungen zu erhalten, wie ein Verteidiger sagte.

Das Winterthurer Bezirksgericht hatte für diese Argumentation der Verteidigung kein Gehör: Denn eine «Opfermitverantwortung kann und darf in diesem Fall keine Rolle spielen». Die Frauen hätten bewusst und gezielt nach älteren Männern Ausschau gehalten – in der Hoffnung, dass sich diese wegen ihrer Einsamkeit und ihrer allenfalls reduzierten geistigen Fähigkeiten einfacher übertölpeln liessen. Dieses Vorgehen sei arglistig.

Das Gericht verurteilte die Frauen unter anderem wegen Betrugs sowie Diebstahls und Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage (Bezüge an Bancomaten mit «fremden» Karten). Deren Ehemänner, die beim Betrug nicht aktiv mitgewirkt hatten, kamen nur wegen Diebstahls und den Bancomatenbezügen dran. Das Gericht verhängte drei bedingt ausgesprochene Strafen zwischen 16 und 22 Monaten. Für die 26-jährige Frau, die bei fast allen Taten aktiv dabei war, setzte es indes eine happige Strafe ab. Die fünffache Mutter muss nun insgesamt viereinhalb Jahre ins Gefängnis.

Das Bezirksgericht Winterthur verhängte gestern eine Strafe von 34 Monaten. Zudem wird nun eine frühere Strafe des Bezirksgerichts Baden vollzogen (20 Monate). «Einmal ist die letzte Chance verspielt. Es bleibt uns nichts anderes übrig», begründete der Richter. Denn in Baden war die 26-Jährige, die auch in Österreich sechs Vorstrafen aufweist, aus demselben Grund vor Gericht wie nun in Winterthur – dort hatte sie drei Senioren ausgenommen. «Kurz dar­auf sind Sie wieder im selben Fahrwasser», sagte der Richter. Da könne man nicht mehr auf Milde des Gerichtes hoffen.

Der Staatsanwalt zeigte sich mit dem Winterthurer Urteil grundsätzlich zufrieden. Der Verteidiger der 26-Jährigen hat sich zwar noch nicht entschieden, er dürfte das Urteil aber ans Obergericht weiterziehen.

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