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Sie begegnen mir… als DJane und Fotografin an Hochzeiten: Sylvia Michel (42)

«Ich habe einen Musiksammeltick»

Musik an Hochzeiten mache ich jetzt seit zwanzig Jahren, inzwischen war ich bestimmt an rund 500 Hochzeiten dabei. Ich bin schon immer ein extremer Musikfreak gewesen und habe schon als Teenager alle Arten von Musik gesammelt. Ohne Grenzen, bis zurück in die 50er- und 30er-Jahre. Ich finde es einfach spannend, zu wissen, welcher Musikstil aus welchem entstanden ist. Mir ist es wichtig, die Zusammenhänge zu verstehen, es ist schade, dass das heute bei den Jungen fast keine Rolle mehr spielt. Nach der Ausbildung habe ich in einer Bar in Dübendorf gearbeitet und immer dafür gesorgt, dass dort gute Musik läuft, und meine CDs den Leuten richtiggehend aufgedrängt. Das ist jemandem aufgefallen, der als DJ gearbeitet hat. Der hat mich einmal mitgenommen und ich durfte eine Stunde meine Musik spielen. Das hat mir gefallen, da hat mich das Virus gepackt. Anschliessend habe ich mich überall angebiedert, wie man so schön sagt. Im Gastgewerbe kennt man ja jede Menge Leute. Mindestens einmal pro Woche habe ich dann irgendwo aufgelegt, für wenig Geld, es war rein aus Spass. Damals war ich auch noch viel im Nachtleben unterwegs Das erste Mal an einer Hochzeit habe ich aufgelegt, weil ein Kollege mich gebeten hatte, ihn zu vertreten. Da fand ich es eigentlich ziemlich langweilig. Ich war damals jung, Party machen war mir wichtig. Später wurde mir klar, dass die Herausforderung darin liegt, die Stimmung der Leute herauszuspüren und genau für die jeweilige Situation die richtige Musik zu spielen. Bei einer Hochzeit oder einem Familienfest geht es darum, herauszufinden: Was will die 70-jährige Grossmutter, was der 40-jährige Onkel und was das 20-jährige Cousinli hören? Und dann muss ich all das miteinander vereinen. Es gibt Musik, die zieht in 95 Prozent der Fälle. Im letzten Jahr war das sehr einfach, mit Helene Fischers ‹Atemlos› konnte man alle auf die Tanzfläche holen. Ich liebe es, genau das zu spielen, was zur jeweiligen Situation passt. Beim Essen erst mal ganz easy und langsam. Später bei den Spielen macht es Spass, genau die richtige Musik zu finden. Dort kann man viel mit Filmmusik machen. Beispielsweise die Reise nach Jerusalem, das ist das Spiel, wo alle im Kreis herumlaufen und sich setzen müssen, wenn die Musik aufhört. Dazu passt perfekt der Soundtrack von Benny Hill, wie der von Frauen verfolgt wird, das ist eine richtige Rennmusik und gibt eine wahnsinnige Dynamik. Oder wenn irgendetwas mit Autos gemacht wird, dann bringe ich zum Beispiel ‹The ­Race› von Yello oder bei einer anderen Gelegenheit die ‹Herzblatt›-Melodie. Ich bereite mich auch entsprechend vor, wegen der Spiele frage ich vorher die Trauzeugen, sonst reagiere ich spontan. Dadurch dass die Musik heute digital verfügbar ist, habe ich den richtigen Song extrem schnell parat. Vor der Hochzeit treffe ich mich mit dem Brautpaar und bespreche mit ihnen anhand einer Checkliste die wichtigsten Fragen. Darauf frage ich nach dem geplanten Ablauf, der Beleuchtung und welche Stimmung sich das Paar für sein Fest wünscht. Auch welche Musikrichtungen sie hören wollen und welche nicht gehen oder welches Lied sie als Hochzeitstanz haben wollen. Das mit dem Hochzeitstanz ist so eine Sache. Ich empfehle dem Brautpaar immer, es soll sich nicht verbiegen, sondern möglichst authentisch sein. Wenn beide gern tanzen, alles kein Problem. Aber wenn einer zwei linke Füsse hat, sollen sie doch einfach nur zusammen hin- und herschaukeln. Die Saison geht von Mai bis Oktober, dann bin ich praktisch jedes Wochenende an einer Hochzeit. Dafür reise ich in der ganzen Schweiz umher. Zur guten Vorbereitung gehört auch, dass ich mindestens eine Stunde früher abfahre als nötig, damit ich vor Ort genug Zeit habe. Wenn ich die Anlage aufgebaut habe, ziehe ich mich um, festlich, aber so, dass ich nicht gross auffalle, es ist schliesslich der grosse Tag des Brautpaares. Die aussergewöhnlichste Hochzeit, an der ich aufgelegt habe, fand in einer Höhle auf der Rigi statt, mit schwimmenden Kerzen auf einem Teich. Die Braut war gehörlos, deshalb wurde ich gebeten, die Bässe besonders stark aufzudrehen, damit sie die Musik spürt. Das war so berührend, da kommen mir heute noch die Tränen. Die peinlichste Hochzeit war die, an der ein Brautvater das Gefühl hatte, er müsse die ganze Gesellschaft mit seinen Witzen unterhalten. An jedem Tisch haben die Leute die Augen verdreht und gehofft, dass es bald ein Ende hat. Ich war lange bei Radio Top als Musikchefin tätig. Jetzt bin ich selbstständig. Die Hochzeiten sind meine Hauptbeschäftigung. Seit einigen Jahren fotografiere ich auch auf Hochzeiten, irgendwann hat sich das einfach so ergeben. Jetzt kann man mich für die Musik und die Fotos buchen, auf meiner Homepage www.djbazillus.ch nenne ich das ‹Paparazzi-Konzept›, welches sehr gut ankommt. Natürlich kann man mich auch für andere Events als Hochzeiten engagieren. In meiner Freizeit gehe ich mit Rasta, meinem weissen Schweizer Schäferhund, in die Natur, wo ich die Kamera immer dabei habe. Ausgehen in Clubs ist inzwischen nicht mehr so mein Ding, lieber gehe ich gemütlich mit guten Freunden was essen. Aufgezeichnet von Eva Kirchheim

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