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Sie hat den Dreh gefunden

Eine Ovomaltine im Einkaufszentrum Rosenberg schlürfen. Das gefällt Maja Zimmermann. «Bei uns gibt es dieses köstliche Getränk nicht», sagt die 47-jährige Filmproduzentin und nimmt genüsslich einen grossen Schluck. Die in die USA ausgewanderte Seuzacherin beobachtet die Leute. Aber nicht musternd, eher so nebenbei und entspannt. Auf die amerikanische Art eben. Natürlich vergleicht sie – als immer wieder Heimkehrende – stets auch die beiden unterschiedlichen Kulturen. Für sie als Filmproduzentin ist ohnehin nichts uninteressant. Menschen, Mimik, Verhaltensweisen gehören zu ihrem Business. Maja Zimmermann lebt in Los Angeles. Als junge Werbefotografin ist sie nach Hollywood ausgezogen. «Ich wollte nach draussen, in die grosse, weite Welt.» Und wo konnte man sich als gelernte Fotolaborantin und Fotografin eine bessere berufliche Plattform vorstellen als in der Filmstadt aller Filmstädte? Vor 20 Jahren war die damals 27-Jährige in einem November voller Hoffnung über den grossen Teich geflogen. Sie war schnell ernüchtert. «Ich bin hart gelandet und wäre am liebsten bald wieder nach Hause gereist.» Das liess ihr Stolz aber nicht zu. Also redete sie sich und ihrer Familie ein, wie toll es in L.A. sei. Hätte sie aber gewusst, wie schwer es werden würde, wäre sie wohl nicht ausgewandert, sagt sie heute. «Du bist ganz allein auf dich gestellt, niemand hat auf dich gewartet, keiner will etwas von dir.» Die Schweizerin biss sich durch. Sie studierte Film an der Kunstschule in Pasadena und spezialisierte sich auf narrative Kurzfilme. Danach ar­bei­te­te sie unentgeltlich, um irgendwo einen Fuss in die Türe zu bekommen. Ihr Motto war: «Du darfst dich nicht verkrampfen, wenn du einen Schritt geschafft hast, machst du den nächsten.» Und mit dem wachsenden Bekanntenkreis kehrte auch die Fröhlichkeit in ihr Leben zurück. Das Durchhalten in der «Stadt der Engel» hat sich gelohnt: Maja Zimmermann wirkt heute zufrieden und aufgestellt. Jedes ihrer zwölf Filmprojekte, das sie anpackte, wurde ausgezeichnet. Die Schweizerin erhielt für ihr Talent, Leute und Geschichten zu erkennen, Lob: so etwa letztes Jahr in Cannes für den von ihr mitproduzierten Spielfilm «Porfirio» über einen Mann im Rollstuhl, der von Polizeikugeln getroffen worden war. Oder am Filmfestival in Buenos Aires für ihre aktuelle Produktion «Jardin de Amapolas» (Das Mohnblumenfeld), die gerade in Deutschland anläuft und zeigt, wie ein zehnjähriger Junge zwischen die Fronten der kolumbianischen Drogenmafia und des Militärs gerät. Die Kunst, als Filmproduzentin in den USA zu bestehen, liegt laut Maja Zimmermann vor allem darin, stets mehrere Projekte gleichzeitig voranzutreiben. «Irgendetwas gelingt immer.» So unterrichtet sie neben ihren eigenen Filmproduktionen, die sie mit professionellen Teams ausführt, an der Universität in Bogotá und betreibt in Los Angeles eine Servicestelle, in der sie ihre Dienste als Produzentin anbietet. Ihre Stärke sei, das Endprodukt im Kopf zu haben und zu wissen, wie man es vermarktet, sagt sie. Der grosse Geldsegen hat sie noch nicht heimgesucht, wie sie lachend eingesteht. «Ich lebe eher auf schmalem Fuss.» Dies allerdings in einer schmucken, gemütlichen Wohnung in einem Vierfamilienhaus mit Garten in Los Angeles. Die sympathische Selfmadefrau hat zurzeit keinen Partner, dafür aber einen grossen Freundeskreis. Einsam ist sie als Single in L.A. definitiv nicht. «Sehr oft bin ich ja nicht daheim.» Zu Hause fühlt sie sich auf mehreren Kontinenten: in Nordamerika, Südamerika und Europa. Wenn immer möglich macht die Wahlkalifornierin einen Abstecher in die Schweiz, wo ihre Familie – ihre 81-jährige Mutter, die beiden Geschwister sowie die Neffen und Nichten – lebt. «Diesmal dauerte mein Aufenthalt in Seuzach etwas länger als sonst, weil mein Vater nach acht Jahren mit der Diagnose Alzheimer vor Kurzem gestorben ist.» Es sei aber gut so, sagt die Tochter von Kurt Zimmermann. «Die Krankheit hat auch ihr Gutes, man hat viel Zeit, um Abschied zu nehmen.» Zuerst sei es für sie sehr schwierig gewesen, mitanzusehen, wie sich der ehemalige Lehrer «mit dem sagenhaften Gedächtnis und dem guten Orientierungssinn» zusehends nicht mehr auf seinen Verstand verlassen konnte. «Doch der Mensch ist viel mehr als sein Intellekt», sagt Maja Zimmermann, die ihrem Vater nach eigenen Worten sehr ähnlich ist. Es sei die Essenz im Wesen eines Menschen, die bis zum Schluss bleibe und sich in einem Lächeln oder einem Händedruck ausdrücke. «Für alles, was ich von meinem Vater bis zuletzt lernen konnte, bin ich sehr dankbar.»

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