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Sieben Neulinge und kein Brunner

RAPPERSWIL. Die Schweizer Eishockeyaner reisen mit einer offensiven Equipe an die WM in Stockholm.

2:1 und 3:2 – zwei Siege zwar über Deutschland, aber zwei Erfolge erst mit Verzögerung. Der eine in der Verlängerung, der andere im Penaltyschiessen: Die letzten Verrichtungen der Schweizer vor dem WM-Start vom Freitag in Stockholm gegen Schweden fielen doch eher durchzogen aus. Oder: Im Vergleich mit den Partien zuvor muss man gar von einem kleinen Rückschritt sprechen. Obwohl die Mannschaft am Samstag erstmals «meisterliche» Unterstützung erhielt. Aber ausgerechnet ein Aussetzer eines Berners (Philippe Furrer) brachte die Deutschen ins Spiel zurück (1:2-Anschlusstreffer), und dann, als Deutschland ohne Goalie den Ausgleich anstrebte, dauerte es gerade 13 Sekunden, bis die Schweizer völlig ausgespielt waren und das 2:2 gefallen war.

«Das geht einfach nicht, so ausgespielt zu werden», ärgerte sich Martin Plüss, der in dieser Si­tua­tion auf dem Eis war und gleich nach dem Bully bemerkte, dass sich zu viele Schweizer auf eine Seite hin verschoben hatten.

«Mit den Chancen, die wir haben, müssen wir dieses Spiel ohne Probleme gewinnen», sagte Plüss. Er selber vergab einen von zwei Penaltys, welche die Schweizer in den 60 Minuten schiessen durften, Luca Cunti den zweiten. «Wir hatten eigentlich alles unter Kontrolle.» Und dann habe man gesehen, wie wenig es brauche. Das 1:2 in der 54. Minute, das 2:2 nach 58:25.

Solches darf an einer Weltmeisterschaft nicht passieren, will man endlich wieder in den Viertelfinals auftreten. «Wir müssen die Lehren daraus ziehen und dann das an die WM bringen», sagt Plüss dazu – und fügt an: «Ich gehe schon davon aus, dass wir an der WM besser sein werden.» Schliesslich haben die Berner nach den Feierlichkeiten noch relativ wenig Trainings mit dem Team absolviert, Ryan Gardner gar noch kein einziges. Er stösst heute in Rapperswil zum Team. Seine Frau erwartet ein Kind, deshalb fehlte er letzte Woche. Aber die Gardners vor ihm, die alle ebenfalls Eishockey gespielt haben, hätten wegen wichtiger Turniere auch schon Geburten verpasst, liess Gardner via Nationalcoach Sean Simpson ausrichten. Was nichts anderes heissen soll als: Gardner wird seine WM-Teilnahme nicht wegen der Geburt seines Kindes zurückziehen.

Detroit in den Playoffs

Zusammen mit Gardner stösst heute aus Nordamerika Nino Niederreiter zum Team, am Mittwoch, wohl direkt in Stockholm, schliesst sich Roman Josi der Mannschaft an. Das sind die beiden einzigen Spieler aus NHL und AHL, die an der WM teilnehmen können. Denn Damien Brunners Detroit – angeführt von den Topspielern Henrik Zetterberg und Pawel Datsjuk – qualifizierte sich mit einem 3:0 über Dallas für die Playoffs, in denen die Red Wings auf Anaheim treffen.

Nino Niederreiter enttäuschte bei seinen zwei bisherigen WM-Teilnahmen (2010 und 2012), sollte er zum dritten Mal unter den Erwartungen bleiben, müsste sich Sean Simpson einige Vorwürfe gefallen lassen. In der AHL war der 21-Jährige mit seinen 50 Punkten, die er im Islanders-Farmteam Bridgeport Sound Tigers erzielte, die Nummer 35 der Skorerliste. Neun AHL-Spieler erzielten mehr Tore als der Bündner Stürmer, der 28-mal traf.

Josi war bei Nashville mit seinen 18 Punkten (5 Tore) der fünftbeste Skorer, weist aber von den Topleuten die schlechteste Plus-Minus-Bilanz auf.

Niederreiter und Josi, zwei Männer für das Spiel in des Gegners Zone, stehen im Prinzip für die Ausrichtung der WM-Mannschaft 2013: Sehr offensiv kommt Simpsons Auswahl daher, dazu weist ein Drittel der Feldspieler noch keine WM-Erfahrung auf: Eric Blum, Robin Grossmann, Simon Bodenmann, Dario Bürgler, Luca Cunti, Reto Suri und Julian Walker kommen zu ihren ersten Auftritten bei einem grossen Turnier. Reto Suri erzielte drei der vier Treffer gegen die Deutschen (und den entscheidenden Penaltyversuch am Samstag). Ausgeschieden sind von den Verteidigern Timo Helbling und Tim Ramholt, von den Stürmern Victor Stancescu und … Ivo Rüthemann. Einer aus dem Duo Thibaut Monnet/Simon Moser wäre wohl der Nächste gewesen, der über die Klinge hätte springen müssen, wenn Brunner frei geworden wäre. Dass Sven Bärtschi (Calgary) wegen einer Leistenverletzung fehlen würde, ist seit Samstagmorgen klar.

Ein bisschen seltsam mutet an, dass mit Ivo Rüthemann ein Routinier für die letzte Woche einrückte und nach einem Testspiel aus dem Team fiel. Wäre Niederreiter nicht frei geworden, wäre Rüthemann wohl an seine 13. WM gereist. Dafür fliegt der Zürcher Verteidiger Mathias Seger an die 15. WM – damit schliesst er zum finnischen Rekordmann Petteri Nummelin auf.

Die Schweizer Auswahl wird mit ihrer offensiven Ausrichtung in Schweden einen schweren Stand haben – das belegten gerade die letzten zwei Partien gegen eine defensive Equipe wie Deutschland. Die Deutschen kamen zweimal zu einer Verlängerung (und an einer WM damit zu Punkten), obwohl sie es beide Male nicht verdient hätten … Das kommt einem, mit Blick auf die letzten Turniere, irgendwie bekannt vor. Die Ränge 5, 9 und 11 belegten die Schweizer von 2010 bis 2012. Weil sie immer wieder Zähler gegen schwächere Teams (wie eben Deutschland) abgaben.

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