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Smarter Kerl mit stacheligem Namen

Mit dem C4 Cactus hat Citroën mal wieder vieles anders gemacht, dabei aber nicht über die Stränge geschlagen: bezahlbarer Preis, wenig Gewicht, sparsame Motoren und eine eigenwillige Kombination aus Nostalgie und Moderne. Der Crossover fährt sich bequem und gemütlich.

Für die statische Weltpremiere des Citroën C4 Cactus wählten die Franzosen den 5. Februar 2014 und Paris. Der Grund: Das Datum ist der Geburtstag und die französische Metropole die Geburtsstadt von André Citroën. Eine angemessene Kombination von Zeit und Raum also, um ein Auto zu präsentieren, mit dem laut Citroën ein neues Zeitalter für die Marke anbricht. Zur Fahrvorstellung der mit Spannung erwarteten neuen «Creativ-Technologie» lud man indes nach Amsterdam ein. Familiengeschichtlich passt das, weil der Vater André Citroën mal dort lebte. Und zum C4 Cactus passt die holländische Hauptstadt, weil deren flaches Umland mit den geraden Strassen ohne nennenswerte Kurven und die enge Innenstadt mit ihren verwinkelten, kleinen Strässchen gut zum Charakter des kompakten Citroën mit dem stacheligen Namen passt. Denn ein Dynamiker ist er nicht und will es auch nicht sein. Stattdessen will der Citroën C4 einfach anders sein. Optisch zeigt er das mit seinem grossflächigen Design, technisch mit einfacher Bedienbarkeit. Kombiniert werden diese Eigenschaften mit einem niedrigen Gewicht für einen geringen Verbrauch, was die Unterhaltskosten tief hält. Dazu ist er auch mit einem kleineren Budget bezahlbar – bei 18?150 Franken beginnt die Preisliste. Der Ansatz des C4 Cactus: Autofahren auf das Einfache und Schöne zu reduzieren, indem ein hoher Alltagsnutzen mit der typisch französischen Ästhetik sowie mit Innovationen auf einen Nenner gebracht wird. Dieses Dreigestirn materialisiert er in erste Linie mit den Airbumps. Die elastischen Kunststoffeinsätze in den Türen entstanden in drei Jahren Entwicklungsarbeit, sind in vier Farben erhältlich und schützen den Cactus sowie neben ihm parkierte Autos vor hässlichen Kratzern an neuralgischen Punkten. Zudem sind die Luftkissen ein wichtiges gestalterisches Element. Sie betonen das schnörkellose, klar strukturierte Äussere mit den kurzen Überhängen hinten und vorne und können je nach Geschmack mit sämtlichen Karosseriefarben kombiniert werden – ein Programm für Individualisten. Ansonsten haben sich die Franzosen mit der für ihre Marke typischen Andersartigkeit zurückgehalten und sich auf ein charakteristisches, aber allgemein verträgliches Design geeinigt. Weitere Extravaganz zeigt der C4 Cactus am ehesten noch mit seinen schmalen Tagfahrlichtern. Die Schublade, in die er mit seinen 4,16 Metern Länge, 1,73 Metern Breite und 1,48 Metern Höhe am besten passt, scheint die für kompakte Crossover zu sein, wenngleich seine mit Kunststoff angedickten Radhäuser einen auf SUV machen. Innen bequemen sich die Passagiere in Sitze, die gemütlichen Sofas nachempfunden sind. Breite Lehnen vorne stützen den Rücken gut ab, die Griffe zum Zuziehen der Tür sind Kofferschlaufen nachempfunden, die man auch als stilisierte Riemen überm Handschuhfach des Armaturenbrettes ordern kann. Ausstellfenster hinten und eine einteilige Rückbank sind einfach und sparen gemeinsam 17 Kilo Gewicht. Die Beinfreiheit im Fond ist okay, die für den Kopf ab 1,90 Meter Körpergrösse nicht mehr vorhanden. Passend zum Exterieur wirkt im Interieur nichts sportlich. Den modernen Kontrast zur teils nostalgischen Erscheinung bringen digitale Anzeigen in Form eines 7-Zoll-Touchscreens in der Mittelkonsole, über welchen sämtliche Funktionen von der Klimatisierung bis hin zu Internetdiensten geregelt werden können, sowie ein weiteres Display für den Tacho. Das zeigt neben der Geschwindigkeit ausgewählte, wichtige Informationen an – zu denen die Drehzahlen nicht gehören. Die braucht es auch nicht. Seiner Optik entsprechend mag es der C4 Cactus gemütlich. Die Übersicht ist okay, der neue Dreizylinderbenziner knattert vor sich hin und zieht bei Bedarf so an, dass man ihm seine 110 PS anmerkt. Leider gibt es ihn erst ab November. Den Verkauf startet Citro?n mit zwei 75 und 82 PS starken Benzinern sowie zwei 91 und 100 PS starken Dieselmotoren, die aber ebenfalls gut zum Charakter des C4 Cactus passen. In zügig gefahrene Kurven kniet sich der Crossover gehörig rein, wird aber nicht zappelig. Die 5-Gang-Handschaltung funktioniert gut und ist der Automatik auf jeden Fall vorzuziehen. Bei ihr trüben lange Schaltzeiten, begleitet von nervenden Bremsmomenten und poltrigem Gezeter, den Spass. Noch besser und kaum weniger auffällig als der C4 Cactus kommt der neue Citroën C1 durch den Slalom der Velofahrer auf Amsterdams engsten Strassen. Besonders wenn der mit drei und fünf Türen angebotene als Airscape sein grosses Faltdach öffnet und die Sicht nach oben auf malerische Häuserzeilen freigibt. Im engen Terrain sticht der Wendekreis von weniger als zehn Metern des 3,46 Meter langen Kleinstwagens wie ein Ass. Kaum eine Abbiegung ist zu eng. Die Rundumsicht ist gut, das Platzangebot vorne auch, wobei man – wie im C4 Cactus – eine in der Länge verstellbare Lenksäule vermisst. Sie würde die Sitzergonomie für den Fahrer in beiden Autos klar verbessern. Wer im Cityflitzer C1 hinten einsteigt, sollte vermutlich nicht grösser als 1,85 Meter sein. Der grosse Anteil von Plastik im Interieur lässt sich bei einem Preis ab 12?450 Franken für die Version mit geschlossenem Dach kaum vermeiden, doch dafür ist der C1 sehr gefällig gestaltet. Motorenseitig werden zwei Dreizylinderbenziner mit 1,0 und 1,2 Litern Hubraum sowie 69 oder 82 PS angeboten. Wie schon die erste, 2005 erschienene Generation ist auch der neue C1 ein Gemeinschaftswerk von Citro?n, Peugeot und Toyota. 108 und Aygo heissen die beiden quasi internen Konkurrenten im Kleinwagensegment, die sich technisch die gleiche Plattform teilen und sich optisch, in der Ausstattung und in der Preisgestaltung mehr oder weniger stark unterscheiden. Alle drei rollen im tschechischen Kolin vom Band.

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