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Smog in China belastet auch Nachbarn

tokio. Der Smog in China wird zum Thema für ausländische Unternehmen. Der japanische Konzern Panasonic hat jetzt eine Smogprämie für seine nach China entsandten Mitarbeiter eingeführt.

Erst mal tief Luft holen können sie trotzdem nicht. Aber immerhin werden Panasonic-Manager und -Techniker ab April mit einer Smogprämie für die Gesundheitsgefahren entschädigt, de­nen sie sich aussetzen, wenn sie für ihr Unternehmen in China tätig werden. Zwar zahlen viele internationale Unternehmen ihren Entsandten bereits seit Jahren einen «China-Zuschlag». Doch dass ein internationales Unternehmen ausdrücklich eine Prämie für Chinas ausufernde Luftverschmutzung zahlt, sei neu, zitieren japanische Medien Branchenkenner. Den Berichten zufolge erklärt Panasonic die neue Prämie mit den chronisch hohen Feinstaub­werten in China.

Vor allem in den Wintermonaten werden in Peking und anderen Grossstädten oft Werte weit über 400 Mi­krogramm pro Kubikmeter gemessen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt, die Kon­zen­tra­tion unter 25 Mikrogramm zu halten, um Gesundheitsgefahren zu minimieren. Fein­staub penetriert die Lungen und gilt als ein Auslöser von Asthma, Bronchitis sowie Lungenkrebs.

Panasonic hält sich bedeckt

«Mit dieser Prämie gibt das Unternehmen zu, dass es seine Mitarbeiter gesundheitlichen Gefahren aussetzt, wenn es sie nach China schickt», zitiert das Nachrichtenportal New Sphere einen verwunderten japanischen Personalmanager, der ausländische Mitarbeiter für sein Unternehmen in China rekrutiert. Panasonic selbst wollte sich nicht öffentlich zur neuen Gefahrenprämie äussern. Ein Sprecher weigerte sich auch, die Höhe der Zusatzzahlung sowie die Zahl der betroffenen Mitarbeiter zu nennen.

Die chinesische Regierung hat dem Dauersmog schon mehrfach den Kampf angesagt. Erst kürzlich kündigte Premier Li Keqiang vor dem nationalen Volkskongress an, China werde den Kampf gegen die Luftverschmutzung mit der gleichen Entschlossenheit aufnehmen wie den Kampf gegen die Armut. Der Nachbar Japan verspricht derweil technische Unterstützung. Immer mehr japanische Unternehmer sähen den Umweltsektor mittlerweile sogar als Chance, die wegen eines Territorialstreits und aufgrund unterschiedlicher Geschichtsauffassungen zerrütteten bilateralen Beziehungen zumindest auf wirtschaftlicher Ebene zu verbessern und das japanische Image in China aufzupolieren, analysiert die Zeitung «Asahi». Bereits im vergangenen Jahr hatten sich Hunderte japanische Grossunternehmen und Technologieführer zusammengeschlossen, um China zu helfen, seine Luftverschmutzung in den Griff zu bekommen. Das chinesische Interesse sei riesig, melden japanische Medien.

«Sowohl in Japan als auch in China ist die Bevölkerung sehr daran interessiert, die Luftverschmutzung in den Griff zu bekommen. Wir hoffen auf japanische Hilfe – trotz aller politischen Streitigkeiten», erklärte der Besitzer einer Stahlfabrik in Tianjin ge­gen­über japanischen Reportern. Er warb in der vergangenen Woche in Tokio um technologische Hilfe, um zu verhindern, dass seine Fabrik geschlossen wird.

Japaner werden krank

Der Smog ist freilich schon längst kein rein chinesisches Problem mehr. Seit Jahren warnen Umweltschützer in Japan und Südkorea vor importiertem chinesischem Feinstaub, der vor allem im Frühling mit den Westwinden her-übergeweht wird. Eine neue Untersuchung des National Institute for Environmental Studies behauptet sogar, der importierte Smog mache Japaner krank. Die Wissenschafter hatten analysiert, wie sich die Zahl der Notrufe in der südjapanischen Stadt Nagasaki verändert, wenn Frühlingsstürme chinesischen Feinstaub in hohen Konzentrationen nach Japan wehen. Sie stellten fest, dass zwischen 2003 und 2007 an Tagen mit starken Winden vom chinesischen Festland 12 Prozent mehr Notrufe eingingen als an anderen Tagen. Die Zahl der Notrufe wegen Herzproblemen und Schlaganfällen erhöhte sich sogar um 21 Prozent.

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