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«So könnte der Konflikt noch schlimmer werden»

Nachgefragt bei Allan Guggenbühl, Psychologe und Experte für Jugendgewalt.

Was halten Sie davon, wenn Detailhändler wie in Elgg gegen Schüler durchgreifen? Auf den ersten Blick ist das eine mutige Aktion. Denn eines gilt es klar festzuhalten: Stehlende und randalierende Schüler in Läden und Einkaufszentren sind tatsächlich für Städte und grössere Dörfer zu einem grossen Problem geworden. Wie können Filialleiter solchem begegnen? Die Aktion in Elgg ist originell, vielleicht hat die Leitung gar keine Wahl und muss jetzt endlich mal durchgreifen. Aber als Einzelaktion ist sie fast zu mutig. Sie birgt die Gefahr, dass die Filiale zu einem Objekt einer kollektiven Aktion von noch mehr Jugendlichen wird. Die Einzelaktion macht das Problem womöglich noch schlimmer. Aber die meisten Schüler wissen doch eigentlich, dass man nicht stehlen und pöbeln soll?… Natürlich. Aber Jugendliche lechzen geradezu danach, Ungerechtigkeiten anzuprangern. Wenn die «Gesellschaft», hier repräsentiert durch Volg-Filiale und Dorfzeitung, die Jugendlichen pauschal an den Pranger stellt, dann ist das für die Mehrheit tatsächlich ungerecht, und zumindest ein Teil von ihr wird es womöglich cool finden, sich mit den wahren Übeltätern zu solidarisieren. Dann kann eine kaum mehr zu beherrschende Dynamik entstehen. Wie hätte Volg das vermeiden und trotzdem eine Wirkung erzielen können? Indem er seine Aktion mit anderen Autoritäten im Dorf wie beispielsweise Schule, Jugendarbeiter oder Elternvereine abgesprochen hätte. Die Schule wurde nicht informiert und distanziert sich jetzt davon?… Das tun Schulen leider oft, weil sie sich für Probleme auf Privatgrund nicht zuständig fühlen. Allerdings hätte die Schule wohl kaum viel machen müssen: Meist genügt es, wenn Lehrer das Problem, hier also Diebstähle und ungebührliches Verhalten, thematisieren und ohne Schuldzuweisungen verbalisieren, dass sie eine solche Aktion unterstützen.

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