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So schädlich ist der tägliche Stau

Verkehrsstau treibt den Treibstoffverbrauch nach oben und sorgt für zusätzlichen Ausstoss von CO2. Eine neue Studie beziffert den Schaden für die Umwelt.

Auf Schweizer Strassen wird immer öfter gestanden statt gefahren. Von rund 8000 Staustunden im Jahr 2000 ist dieser Wert um das Anderthalfache auf 20 000 Staustunden im Jahr 2012 gestiegen. Während es zum volkswirtschaftlichen Schaden durch die verlorene Zeit schon etliche Studien gibt, fehlten bislang Zahlen zur Energieverschwendung durch mangelnden Verkehrsfluss. Erste Anhaltspunkte liefert nun die Untersuchung eines Studenten der Fachhochschule Biel im Auftrag des Verbandes Auto Schweiz. Der Basler Patrik Heitz, Student der Automobiltechnik im 6. Semester, ermittelte anhand der Bordcomputer-Daten von 16 Testfahrzeugen den prozentualen Mehrverbrauch. Konkret wurden die Werte aus dem täglichen Pendlerverkehr mit jenen aus nächtlichen Fahrten auf freier Strecke verglichen.

Deutlicher Anstieg

Der Treibstoffverbrauch erhöhte sich im Stossverkehr deutlich: Um durchschnittlich fünf Prozent bei Pendelstrecken von mehr als 60 Kilometern - um durchschnittlich 15 bis 20 Prozent bei Fahrten unter 50 Kilometern. Bei kürzeren Strecken von 20 bis 30 Kilometer resultierten auch Maximalwerte von 45 Prozent Mehrverbrauch. Die Testfahrzeuge produzieren staubedingt auf ein Jahr hochgerechnet zwischen 50 und 500 kg zusätzliches CO2. Die zusätzlichen Kosten für den Besitzer liegen zwischen 40 und 400 Franken. Noch deutlicher fiel die Auswertung von 2070 Datenpunkten der Aargauer Transportfirma Dreier aus. Deren Lastwagen verbrauchen bei tiefer Durchschnittsgeschwindigkeit von 25 Stundenkilometern und auf Strecken von 30 Kilometern 45 Prozent mehr Treibstoff. Die Mehrproduktion von CO2 liegt bei einem LKW durch den Stau in einer Bandbreite von 600 bis 5500 kg im Jahr. Der Verbrauch von durchschnittlich 23,6 Litern Diesel stieg auf den erfassten Strecken um 1,2 bis 10,6 Liter.

«Ein Mosaikstein»

Ein einziger Engpass wie etwa der Gubrist auf der A1, der an 260 Tagen im Jahr einen Stau von sechs Kilometern verursacht, sorgt damit für eine Mehrbelastung der Luft von 95 bis 850 Tonnen CO2. Für die Neutralisierung von 850 Tonnen CO2 seien 238 Hektaren Wald nötig, erklärte Patrik Heitz gestern vor den Medien. Die Vergleiche, so anschaulich sie sind, gilt es allerdings mit Vorsicht zu geniessen. Für wirklich handfeste Aussagen ist die Datenbasis zu schmal. Andreas Burgener, Direktor von Auto Schweiz, gibt denn auch zu verstehen, dass für ihn diese Ergebnisse «ein weiterer Mosaikstein im Gesamtbild» sind. Nach dem Modell von Heitz verursacht ein einziger Stau von sechs Kilometern mit doppelspurig aufgereihten 60 Lastwagen und 1080 Personenwagen einen zusätzlichen CO2-Ausstoss von0,3 bis 3,3 Tonnen und Kosten von bis 2390 Franken. Für Suhrer Transportunternehmer Hans-Peter Dreier sind das Produktivitätserschwernisse, welche die Planbarkeit verschlechtern und die Kosten der Logistik erhöhen. Er müsse bereits 10 Prozent seiner Flotte als Reservefahrzeuge bereitstellen um unvorhersehbare Staus auszugleichen. Zudem umfasse die Zahl von 20 000 Staustunden lediglich die Staus auf den Autobahnen, aber nicht die vielen zunehmenden Staus im Vorortsverkehr.

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