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Sohn eines Sans-Papiers steigt auf

Der Zürcher Fabian Molina will als neuer Präsident der Schweizer Juso Furore machen wie seine prominenten Vorgänger. Was das Selbstvertrauen angeht, ist er schon ähnlich weit.

Die Fussstapfen, die er ausfüllen muss, sind gross. An Cédric Wermuths grossen Gesten und Worten kam keiner vorbei. Er gab der Juso ein Gesicht in Medien und Öffentlichkeit. Und Wermuths Nachfolger David Roth hat mit der 1:12-In­itia­ti­ve der Partei trotz ihrer Ablehnung zu starkem Aufwind verholfen. Nun folgt also Fabian Molina. Wenigstens braucht dieser nach eigener Einschätzung kaum Konkurrenz von anderen Jungparteien zu fürchten: Die Präsidenten der Jungen FDP und der Jungen SVP sind laut Molina «ziemlich inexistent». In diesem Urteil bestärkt ihn sogar die bürgerliche «Basler Zeitung»: Sie bezeichnete Anian Liebrand, den 24-jährigen Präsidenten der Jungen SVP Schweiz, kürzlich als Verschwörungstheoretiker und «seltsames Bürschlein». Nach seiner Wahl am vergangenen Wochenende wird Molina die Schweizer Juso nun in die Zukunft führen. Die Partei hätte zwar gerne eine Frau an der Spitze gehabt, aber keine wollte den Job, weshalb Molina sich zur Verfügung stellte. Verdient hat er sich das Amt mit viel Einsatz. Er war Gründungspräsident der Juso Illnau-Effretikon und Co-Präsident der Juso des Kantons Zürich. «Auf mir lastet eine grosse Verantwortung», sagt Molina zu seiner neuen Aufgabe. «Unser Aufstieg begann vor etwa sechs Jahren, aber aus einem Auf- kann auch immer wieder ein Abstieg werden.» Es liege nun auch an ihm, zu schauen, dass das nicht passiere. Politisiert durch 9/11 Der 23-jährige Zürcher aus Illnau-Effretikon hat gute Voraussetzungen, um den Job zu packen. Der Gewerkschaftssekretär der Unia ist ein Arbeitstier. Neben seinem Job studiert er im dritten Jahr Geschichte und Philosophie. «Als ich als Jugendlicher politisiert wurde, war mir klar, dass die Politik eine arbeitsreiche Aufgabe ist», sagt er. Er erinnert sich noch genau an jenen Tag. «Es war der 11. September, ich sass vor dem Fernseher und sah die Türme einstürzen. Ich war 11 Jahre alt und realisierte: Es gibt eine Welt da draussen.» Für die begann er sich zu interessieren. Ein zweites Erlebnis, das ihm naheging und seinen Weg in die Politik vorgab, war die Einführung des neue Asylgesetzes, das Flüchtlingen ohne Papiere keinen Schutz gewährt. «Wäre dieses Gesetz früher gekommen, gäbe es mich nicht – mein Vater kam als Papierloser in die Schweiz, als Sans-Papiers.» Ein grosser Wurf muss her Molina redet eloquent und sicher. Er wirkt wie jemand, der weiss, wovon er spricht. Täglich füttert er seinen Twitter- und Facebook-Account mit Neuigkeiten und seiner Meinung zum aktuellen politischen Geschehen. Er weiss, wie man mitreisst und überzeugt – zwei nicht unwichtige Fähigkeiten für einen Parteichef. Seine Pläne als Juso-Chef sind klar: Es muss ein neuer grosser Wurf her à la «1:12» – «aber einer, der politisch fundiert und durchdacht ist». Eine Idee liegt schon bereit: eine In­itia­ti­ve gegen die Spekulation mit Nahrungsmitteln. Die Aufgabe seiner Partei ist es laut Molina, den Leuten zu zeigen, dass dadurch in der Dritten Welt unzählige Menschen verhungern. Die Juso opponierte immer schon gegen die Mutterpartei SP, und Molina will genau so weiterfahren. «Wir sind seit je unabhängig von unserer Mutterpartei», sagt er. «Wir wollen keine SP für Junge sein, sondern eigene Themen lancieren.» Die Rolle der Juso ist es nach dem Verständnis des neuen Präsidenten, das Gewissen der politischen Linken zu sein, denn diese bleibe zu oft in der Realpolitik verhaftet. Wie schon seine Vorgänger ist Molina ein charismatischer Hansdampf in allen Gassen – und genau das braucht es laut dem Politologen Andreas Ladner in der Politik. «Die Politik lebt von Personalisierung», sagt dieser. Auch die Junge FDP und die Junge SVP seien garantiert aktiv gewesen, aber es brauche eine gewisse Persönlichkeit, um sich und seine Anliegen in der Öffentlichkeit wirksam zu präsentieren. Verfüge man nicht darüber, ergebe es keinen Sinn, ein solches Amt innezuhaben.

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