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Sohn getötet, um ihn nicht zu verlieren

Er wollte seine Ex-Freundin bestrafen. Das führt der Staatsanwalt als Motiv an, weshalb ein Vater seinen Sohn im Hotelzimmer erstickt hat.

Am 26. Februar 2010 starb in einem Hotelzimmer der Winterthurer «Krone» ein Knabe. Florian wurde am Tag vor seinem fünften Geburtstag von seinem Vater erstickt. Die Winterthurer Staatsanwaltschaft stuft das Tötungsdelikt als Mord ein. Denn der heute 63-Jährige sei besonders skrupellos vorgegangen, heisst es in der gestern freigegebenen Anklageschrift: So habe der Sohn seinem Vater «überhaupt nichts angetan und trug auch keine Verantwortung dafür, dass der Beschuldigte mit der Mutter eine Auseinandersetzung hatte». Zudem sei Florian seinem Vater wehrlos ausgeliefert gewesen. Ausserdem «tötete der Beschuldigte Florian, um zu verunmöglichen, dass die Mutter ihn ins Ausland bringt, um ihn ihr definitiv für alle Zeiten zu entziehen und sie zeitlebens zu bestrafen». Der Prozess gegen den einschlägig vorbestraften Schweizer findet am kommenden Mittwoch vor Bezirksgericht Winterthur statt. Dort wird die Staatsanwaltschaft auch ihre Anträge stellen (gemäss Strafgesetzbuch wird Mord mit einer Freiheitsstrafe von nicht unter zehn Jahren bestraft). Dass Vater und Sohn an jenem Tag am Ende in Winterthur landeten, war Zufall. Eigentlich war der heute 63-Jährige mit seinem Sohn von seiner Wohnung in Bonstetten nach Zürich unterwegs. Doch die S15 fuhr wegen einer Stellwerkstörung nicht an den Hauptbahnhof, sondern wurde nach Oerlikon umgeleitet. Dort änderte der Vater seinen Plan und nahm stattdessen einen Zug nach Winterthur. «Einen besseren Wege» Gemäss Anklageschrift kaufte der Vater in der Altstadt noch mehrere Spielsachen – und ein Schlafmittel. Den Nachmittag verbrachten die beiden im Hotelzimmer. Der Vater setzte ein Schreiben auf. Darin beschuldigte er seine Ex-Freundin, dass sie ihm den Sohn wegnehmen und sich mit ihm in ihr Heimatland Brasilien absetzen wolle. Er sehe für seinen Sohn einen besseren Weg als diese Flucht. Laut Staatsanwaltschaft wollte der Mann mit seinem Sohn «in Bonstetten aufs Grab». Im Verlaufe des Nachmittags verabreichte der Vater seinem Sohn ein Süssgetränk, in dem mehrere Tabletten des Schlafmittels aufgelöst waren. Ihm sei dabei bewusst gewesen, «dass er mit dieser Menge Florian betäuben kann, und tat dies, um ihn umbringen zu können», hält die Anklage fest. Anschliessend erstickte er den schlafenden oder bewusstlosen Jungen. Ein daraufhin folgender Suizidversuch scheiterte – der Staub aus einem mitgebrachten Feuerlöscher, den der Mann in den Tagen zuvor bei einem Bekannten «behändigt» hatte, aktivierte die Brandmeldeanlage und löste einen Feueralarm aus. Polizisten und Rettungssanitäter konnten den Vater retten, für den Jungen kamen die Reanimationsversuche zu spät. Gemäss Anklageschrift befindet sich der Mann seit der Tat in Haft. (og)

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