Winterthur

SP und Künzle streiten um die Verdienste in der Museumspolitik

Mit Aussagen über seinen Beitrag bei der Umsetzung des Museumskonzeptes hat Stadtpräsident Michael Künzle (CVP) den Ärger der SP auf sich gezogen. Seine direkte Konkurrentin Christa Meier wirf ihm eine trumpsche Realitätsverzerrung vor.

Weil er das Museumskonzept seines Vorgängers öffentlich als  «rudimentär» bezeichnet, bekommt Stadtpräsident Michael Künzle (CVP) den Zorn der SP zu spüren.

Weil er das Museumskonzept seines Vorgängers öffentlich als «rudimentär» bezeichnet, bekommt Stadtpräsident Michael Künzle (CVP) den Zorn der SP zu spüren.

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Knapp sieben Wochen vor dem Urnengang hat der Winterthurer Wahlkampf seinen ersten Schlagabtausch: Die SP schäumt wegen einer Bemerkung, die Stadtpräsident Michael Künzle am Donnerstag an einer Wahlkampfveranstaltung gemacht hat.

Vor den Medien zählte Künzle seine Verdienste auf. Als er zur Kulturpolitik kam, sagte er wörtlich, er und sein Team hätten «das Museumskonzept, das es rudimentär gab, überarbeitet und umgesetzt».

«Das Ganze hat trumpsche Züge»

Christa Meier, die für die SP ums Stadtpräsidium kandidiert, sagt, es sei stossend, dass sich Künzle das Museumskonzept auf seine Fahnen schreibe. Entspreche dieses doch in wesentlichen Zügen dem Konzept, das der frühere Direktor des Bundesamtes für Kultur, David Streiff, einst im Auftrag von Ernst Wohlwend erarbeitet habe.

Selbstdarstellung ohne Realitätsbezug

Schon dieses Konzept sah vor, dass das Museum Oskar Reinhart, das Kunstmuseum, die Sammlung Briner/Kern und die Villa Flora zusammengeschlossen werden sollten, so wie dies später passierte. «Bei Amtsantritt von Michael Künzle 2012 hatten die Trägerschaften diesem Zusammenschluss bereits zugestimmt», sagt Meier.

Böse Absicht will sie Künzle aber nicht unterstellen. Die Bemerkung habe der Stadtpräsident wohl eher unbedarft gemacht. «Das Ganze hat, wenn man es überspitzt sagen will, trumpsche Züge – es ist eine Selbstdarstellung, die nicht der Realität entspricht.»

Künzle wehrt sich

Künzle weist die Vorwürfe zurück. «Ich habe nie behauptet, die Idee für das städtische Museumskonzept stamme von mir», sagt er. Mit dem von Streiff erarbeiteten Konzept sei damals aber kein Weiterkommen möglich gewesen, darum sei es weiter bearbeitet und verbessert worden.

Seinen persönlichen Beitrag umreisst Künzle so: «Ich habe mit der Elefantenrunde dafür gesorgt, dass auf strategischer Ebene beschlossen wurde, die Museen unter eine gemeinsame Führung zu stellen.» Zudem habe er das Konzept durch den politischen Prozess gebracht – «was nicht immer einfach war».

Eine weitere Kritik der SP, nämlich dass die Umsetzung enorm lange gedauert habe – fünf Jahre vergingen gerechnet ab seinem Amtsantritt –, gibt er zurück: «Das hat auch mit der SP zu tun, die erst überzeugt werden musste, dass die Villa Flora zum Konzept dazugehört.»

Annetta Steiner von den Grünliberalen, die dritte Kandidatin ums Stadtpräsidium, will nicht auf eine inhaltliche Diskussion darüber eintreten, wer das Museumskonzept erfunden habe. «Für mich ist dieser Disput ein typisches Beispiel eines Grabenkampfes von rechts und links.»

Der versöhnliche Dritte

Unnötig findet den Streit auch David Streiff, der das Museumskonzept in erster Version geschrieben hat. Der Anstoss dazu sei von Ernst Wohlwend gekommen, sagt er. Allerdings sei das Konzept in der Folge blockiert gewesen, auch weil der damalige Direktor des Museums Oskar Reinhart sich quer gestellt habe. Erst mit Marc Fehlmann habe das verstaubte Haus wieder Fahrt aufgenommen.

Künzles Verdienst sieht Streiff darin, dass dieser «das Konzept wieder aufgegriffen und die Situation nach aussen positiv vertreten» habe. Der von Künzle eingesetzte Jean-Pierre Hoby habe das Museumskonzept in Bezug auf die Organisation der neuen Museumseinheit konkretisiert.

Streiff bilanziert: «Ohne Wohlwends Einsatz und ohne meinen hätte es keine Grundlage zur Umsetzung gegeben, ohne die Umsetzung Künzles wären wir nicht da, wo wir heute sind.» Er sei beiden dankbar. «Ich nehme vor allem die Vorteile gegenüber früher wahr, als alle Museen ihre eigenen Gärtlein pflegten und sich erst noch gegenseitig bekämpften.» (Der Landbote)

Erstellt: 15.01.2018, 18:40 Uhr

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