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Spider-Man im Jungbrunnen

Neuer Regisseur, neue Darsteller – im jüngsten Spider-Man-Film stehen die Zeichen auf Erneuerung. Dies ist ganz im Sinne der sich seit fünfzig Jahren permanent erneuernden Comic-Serie.

Und, hui! schwingt sich Spider-Man die Strassen entlang, schnellt geschmeidig von Fassade zu Fassade, fliegt von Dach zu Dach. Hoch ragen die Häuser New Yorks und der höchste aller Tower, der Firmensitz des Gentechgiganten OsCorp, ist des Superhelden Ziel: Nicht (nur) einzelne Leben zu retten, sondern die Menschheit vor ihrem Untergang zu bewahren lautet Peter Parkers Mission in seinem jüngsten Leinwandauftritt «The Amazing Spider-Man», von Marc Webb. Es ist der seit 2002 bereits vierte, grosse Spider-Man-Film. Er erscheint pünktlich zum 50. Wiegenfest des Superhelden, der im Sommer 1962 im Marvel-Comics-Sammelband «Amazing Fantasy» das Licht der Welt erblickte. Nur gerade 24 Seiten stark erzählt die Kurzgeschichte, wie Peter Parker als kleiner Junge unter mysteriösen Umständen seine Eltern verliert. Er wächst unter Obhut von Tante May und Onkel Ben heran: ein schlaksiger Jüngling mit dicker Brille, der von seinen Mitschülern als Bücherwurm und Mauerblümchen gern verlacht wird. Eines Tages wird Peter in einer Wissenschaftsausstellung von einer radioaktiv verseuchten Spinne gebissen, worauf er allmählich seine Superhelden-Fähigkeiten entwickelt. Vorerst allerdings ist Peter weit davon entfernt, diese gemeinnützig einzusetzen, und kümmert sich bloss um seine eigenen Bedürfnisse. Doch dann lässt er eines Tages einen Einbrecher, dessen Tat ihm zufällig zugutekommt, entwischen. Dieser erschiesst kurz dar­auf Onkel Ben, und das bewegt Peter zum Umdenken: Denn schliesslich bringt, wie es am Ende des ersten Spider-Man-Comic heisst, grosse Kraft grosse Verantwortung mit sich («With great power comes great responsibi­lity»). Nochmals ganz von vorn Die Story des allerersten Spider-Man-Comic mit Versatzstücken späterer Hefte verquickend, erzählt Marc Webbs Film die Geschichte des Spinnenmanns nochmals ganz von vorn. Er nimmt dabei keinerlei Bezug auf die Story der drei letzten, unter Regie von Sam Raimi entstandenen Spider-Man-Filme, und auch der Hauptdarsteller wurde ausgewechselt: Anstelle von Tobey Maguire ist Andrew Garfield in die Rolle von Peter Parker alias Spider-Man geschlüpft. Der 28-Jährige, man kennt ihn aus Filmen wie «The Social Network» und dem bei uns leider nur auf DVD erschienen «Never Let Me Go», ist zwar bloss sieben Jahre jünger als Maguire. Doch er ist schlank und rank, und mit seinen grossen braunen Augen einiges besser als Maguire geeignet, einen just der Pubertät entwachsenen Teenager zu spielen, der nicht zu den It-Boys gehört: Peter wird von den Schulplatzrabauken regelmässig verprügelt und schwärmt schüchtern für seine Schulkollegin Gwen (Emily Stone), ihres Zeichens notabene die Tochter des obersten Polizeichefs von New York. Peter und der Gentechgigant Peter nun also wird als Bub von seinen Eltern bei Tante May (Sally Field) und Onkel Ben (Martin Sheen) abgegeben, die ihn fortan wie ihren Sohn aufziehen. Zehn Jahre später findet Peter im Keller die Aktentasche seines Vaters und darin geheime Dokumente, welche ihn direkt zum Gentechgiganten OsCorp und ins Labor von Dr. Curt Connors (Rhys Ifans), des ehemaligen Partners seines Vaters, katapultieren. Ab hier bewegt sich «The Amazing Spider-Man» rasant von seinen Ursprüngen weg in die Gegenwart, aber auch in die Geschichte von Popkultur und Film hinein. Denn mit Spider-Mans Gegenspieler Connors hält in Webbs Film eine Figur Einzug, die Dr. Frankenstein und Godzilla quasi in Personalunion darstellt, deren Laborversuche aber auch auf die modernsten Gentechforschungen verweisen. 3-D-getrickt Durchaus gegenwärtig, nämlich 3-D-getrickt, ist «The Amazing Spider-Man» auch in der Inszenierung und wartet gegen Ende mit einigen zwar nicht überwältigenden, so doch eindrücklichen Action-Szenen auf: Der grosse 3-D-Crack ist Webb nicht, der bisher mit «(500) Days of Summer» eine wunderbar witzige und feinfühlige Beziehungskomödie vorstellte. Das muss er aber auch gar nicht sein, im Gegenteil: Es kommt diesem Supermann-Film zugute, dass mit Webb ­jemand auf dem Regiestuhl sass, der mit Leichtigkeit auch in den psychischen Untiefen seiner Figuren zu loten wusste. Das gilt nicht nur in Bezug auf Connors, der von Rhys Ifans mit Verve gespielt, einen gar grossartigen einarmigen, zur urchigen Echse mutierenden Bösewicht gibt, sondern auch für Peter Parker. Der nämlich wurde von seinen Erfindern Stan Lee und Steve Ditko mit einigen überaus menschlichen (Charakter-)Eigenschaften ausgestattet, die Webb intensiv ausarbeitet. Das ist ganz im Sinne dieses Comic-Helden, der seine Superhelden-Skills nicht in die Wiege gelegt oder gar von einem Über-Gott geschenkt bekommt, sondern von einer Spinne gebissen vom bieder-braven Normalo mit Krämpfen und Kämpfen zum Superhero mutiert und im Laufe der Jahre seine Gestalt auch verändert kann: In einem der jüngsten Hefte der Serie «Ultimate Spider-Man» soll Parker unlängst gestorben und durch die Figur des afrohispanischen Teenagers Miles Morales ersetzt worden sein.

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