Zum Hauptinhalt springen

Spielend für die Zukunft lernen

Darko Mitrovic mag es, Memory zu spielen. Dabei lernt er spielerisch, seinen Wortschatz zu erweitern. Er ist eines von 15 Kindern, welche jährlich am Frühförderprogramm «Schrittweise» teilnehmen.

Es ist kurz nach sechs Uhr samstagabends. Darko Mitrovic hält zwei Spielwürfel in der Hand. Seine Mutter ermutigt ihn, sie auf den Glastisch vor ihm fallen zu lassen. Der Dreieinhalbjährige wirft und klatscht in die Hände. Er schiebt die grüne und die gelbe Holzschnecke ein Feld vor. Danach schaut er erwartungsvoll seinen Vater an. Nun ist er an der Reihe. Es ist eigentlich eine alltägliche Szene, die Tanja Falk aus einiger Entfernung beobachtet. Doch die Koordinatorin des Frühförderprogramms «Schrittweise» der Stadt Winterthur weiss, dass die Familie nicht oft Zeit hat, gemeinsam zu spielen. Der Vater Boban Mitrovic arbeitet abends lange und meist auch an den Wochenenden. Die Mutter Tanja Mitrovic kümmert sich um die beiden Kinder. Die ältere Tochter ist behindert und kann weder gehen noch sprechen. Falk besucht als Koordinatorin von «Schrittweise» die Familien vor Beginn des Programms, um ihre Bedürfnisse abzuklären. Heute ist sie nur als Gast zu Besuch und hat das «Schneckenspiel» als Geschenk mitgebracht. «Darkos Familie wurde von der Mütter- und Väterberatung bei uns angemeldet», sagt Falk. «Er nahm am Förderprogramm ‹Schrittweise› teil und besucht jetzt eine Spielgruppe.» Das Programm «Schrittweise» steht sozial benachteiligten Familien mit Kindern im Alter von anderthalb bis vier Jahren offen und hat das Ziel, die Eltern in der Erziehung ihrer Kinder mit Hausbesuchen und Gruppentreffen zu unterstützen. Zu diesem Zweck kommen während 18 Monaten wöchentlich Hausbesucherinnen zu den Familien und zeigen den Eltern, wie sie mit ihren Kindern gezielt lernen können. So erweitern die Kinder spielerisch ihren Wortschatz und lernen neue Materialien und Gegenstände kennen. Fremde zu Besuch Anfangs war Tanja Mitrovic skeptisch, eine fremde Frau in ihre Wohnung zu lassen. Später freute sie sich über die wöchentlichen Besuche von Hande Shenol, die bei der serbischen Familie vorbeikam und 30 Minuten mit Darko und seiner Mutter spielte. Manchmal wurde zusammen gebastelt, ein anderes Mal ein Büchlein gelesen. «Zu Beginn war es schwierig, weil Darko die Frau nicht kannte», sagt Tanja Mitrovic. «Später fragte er mich, wann sie wieder kommt und was sie zum Spielen mitbringen wird.» Als Hausaufgabe müssen die Eltern mit den Kindern während der Woche das neu Gelernte üben. So entdeckte die Familie Darkos Leidenschaft für das Memoryspiel. «Heute schlägt er mich regelmässig», sagt Tanja Mitrovic und lacht. Hausgemachte Chancen Ziel der regelmässigen Hausbesuche ist, die Entwicklung der Kinder zu fördern und mögliche Lücken zu schliessen, die durch Sprachbarrieren, kulturelle Unterschiede oder soziale Benachteiligung entstehen können. Daneben gibt es Gruppentreffen, an denen die Eltern teilnehmen und sich über ihre Alltagsprobleme austauschen können. «Wir wollen Familien mit einer schwierigen Si­tua­tion unterstützen, damit möglichst alle Kinder die gleichen Startchancen haben», sagt Falk. Meist seien das Familien mit wenig Geldmitteln oder aus anderen Kulturkreisen, manchmal auch Alleinerziehende oder Eltern, die mit einer Krankheit zu kämpfen hätten. Das Programm «Schrittweise» wird grösstenteils von der Stadt finanziert. Die Familien müssen zehn Franken pro Monat bezahlen und dürfen die Spielsachen, welche die Hausbesucherinnen mitbringen, behalten. Damit die Kinder auch nach Ende des Programms gefördert werden, haben die Eltern die Möglichkeit, ihr Kind in Spielgruppen anzumelden, welche die Stadt subventioniert. So können auch einkommensschwache Familien ihre Kinder in Spielgruppen bringen. «Das erleichtert den Wechsel in den Kindergarten», sagt Tanja Falk. Spielgruppe als Vorbereitung Ein Gedanke, den Tanja Mitrovic versteht: «Ich wollte, dass Darko sich langsam an den Kindergarten gewöhnen kann.» Der bald Vierjährige geht deshalb seit Kurzem in die Spielgruppe und geniesst die Zeit mit anderen Kindern. «Er würde am liebsten den ganzen Tag dort verbringen», sagt Tanja Mitrovic. Sie freut sich, dass ihr Sohn so schnell lernt, und glaubt, dass er es deshalb später einfacher in der Schule haben wird. «So wird er schneller selbstständig.» Doch ein wenig wehmütig ist die junge Mutter trotzdem: «Bereits am ersten Tag in der Spielgruppe sagte Darko zu mir: ‹Mama, du kannst nach Hause gehen.›»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch