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SP-Stadtrat will mehr Sozialdetektive

Raphael Golta, der neue Sozialvor- steher der Stadt Zürich, kommt nach 100 Tagen im Amt zum Schluss, dass es zur Missbrauchsbekämpfung im Sozialbereich mehr Detektive braucht.

Erstaunlicher Wandel: Vor noch nicht einmal zehn Jahren empfanden viele Politiker aus linksgrünen Kreisen das damals von der SVP bewirtschaftete Dauer-thema «Sozialhilfebetrug» nicht nur als völlig überbewertet, sondern gar als ein Nichtthema. Man ortete darum auch keinen besonderen Handlungsbedarf. Sollte es dennoch Menschen geben, die staatliche Gelder beziehen, welche ihnen nicht zustehen, so sei es Aufgabe des bestehenden Personals, solche Sozialbetrüger zu überführen, befand man damals. Als 2005 in der Luzerner Vorortsgemeinde Emmen der erste Sozialdetektiv in der Schweiz angestellt wurde, hagelte es auch von links-grüner Seite kritische bis verächtliche Kommentare. «Sozialsheriff» oder «Sozialschnüffler» gehörten zum gängigen Vokabular damaliger Politiker. Einige Jahre später – und vor allem einige öffentlich thematisierte und emotional aufwühlende Sozialhilfebetrugsfälle später – ist alles anders. Heute brüstet sich die rot-grüne Zürcher Stadtregierung gar damit, eine der ersten Städte in der Schweiz gewesen zu sein, welche Sozialdetektive an-gestellt hat. Hoher Pendenzenberg Auch der neue Sozialvorsteher der Stadt Zürich, Sozialdemokrat Raphael Golta, bilanzierte gestern nach 100 Tagen im Amt, dass Zürich bei der Verhinderung von Sozialmissbrauch Massstäbe gesetzt habe. Mehr noch: Golta kommt nun gar zum Schluss, dass die heutigen sechs Vollzeitstellen im Sozialinspektorat nicht genügen, um den gegenwärtigen Pro-blemen Herr zu werden. Allein bis Ende Juni hatte das Inspektorat laut Golta 48 neue «Aufträge» von der Stadt Zürich erhalten. Und bis Ende letzten Jahres stieg der Pendenzenberg auf einen neuen Höchststand von 60 Fällen. «Der Bedarf an neuen Sozialdetektiven ist klar ausgewiesen», sagt Golta. Per 2015 sollen deshalb 1,6 zusätzliche Stellen geschaffen werden. Eine Vollzeitstelle sei nötig, weil es mehr und komplexere Fälle gebe. Mit den restlichen 60 Prozent sollen stillgelegte Vereinbarungen mit verschiedenen Gemeinden wieder aktiviert werden. Als besondere Herausforderung in seinem «Wunschdepartement» sieht Golta neben der angespannten Finanzlage auch die vielerorts geführte Diskussion um die Finanzierung von Soziallasten. «Es darf hier kein Wettbewerb herrschen, unter den Gemeinden braucht es mehr Solidarität.» Golta gefällt seine vielfältige Departementsarbeit jetzt «extrem gut». In den ersten 100 Tagen habe er unter anderem die städtische Sargproduktion besucht und den Strichplatz.

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