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Staatsanwalt will neue Anklage erheben

Kaum ist der ehemalige Chef der Schweizerischen Eternit-Gruppe wegen Verjährung freigesprochen, will der Turiner Staatsanwalt Raffaele Guariniello Schmidheiny wieder anklagen. Diesmal wegen vorsätzlicher Tötung.

«Ihr werdet sehen: Der Eternit-Prozess endet nicht mit diesem Urteil», sagte der Turiner Staatsanwalt Raffaele Guariniello gleich nach dem Freispruch für Schmidheiny durch das Kassationsgericht am Mittwochabend. Tatsächlich hat Guariniello, der den Prozess gegen Schmidheiny mit seinen Ermittlungen 2009 ins Rollen gebracht hatte, bereits im Juni eine neue Voruntersuchung abgeschlossen. Dabei geht es um 213 asbestbedingte Todesfälle, die sich in Italien zwischen 1989 und 2013 ereignet haben. Italienische Medien berichteten gestern, Guariniello stehe kurz vor einer Anklageerhebung und habe die Liste noch um weitere 50 Tote verlängert. Beim neuen Prozess wird die Anklage nicht mehr auf Verursachung eines Umweltdesasters lauten, sondern auf «fortgesetzte vorsätzliche Tötung», berichtete der «Corriere della Sera» gestern. Bei vorsätzlichen Tötungsdelikten sind die Verjährungsfristen bedeutend länger – und die Strafandrohung höher: Theoretisch könnte eine lebenslange Gefängnisstrafe resultieren.

Gericht entschuldigt sich fast

Strassburg könnte eingreifen

«Wenn man Schmidheiny nun für dasselbe, für das er gerade freigesprochen wurde, mit dem absurden Vorwurf der vorsätzlichen Tötung erneut belangen will, ist das nur ein Beleg dafür, dass in Italien eine Hexenjagd stattfindet», sagte Schmidheinys Sprecherin Lisa Meyerhans. Von jüngeren Fällen kann nur bedingt die Rede sein: 180 der vom Ankläger zunächst genannten 213 Fälle des neuen Verfahrens waren schon im bisherigen Prozess enthalten. Die Verteidigung erwarte, dass der italienische Staat Schmidheiny nach dem Freispruch vor weiteren ungerechtfertigten Strafverfahren schützen werde, hatte Meyerhans unmittelbar nach dem Urteil erklärt. Andernfalls hätte der Schweizer Unternehmer laut Rechtsexperten gute Chancen, dass der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte einen neuen Prozess stoppen würde: Die Verletzung des Grundsatzes, dass man nicht für dieselbe Sache und dasselbe Verhalten ein zweites Mal angeklagt werden darf, scheint offensichtlich.

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