Zum Hauptinhalt springen

Stabile Steuern im Musterland Schweiz

Zürich. Während andere Staaten mit Schuldenbergen kämpfen und tiefer in die Taschen der Bürger greifen, bleibt in der Schweiz die Steuerbelastung moderat. 2012 halten die meisten Kantone den Steuersatz tief, manche senken ihn sogar.

Trotz anhaltender Finanzkrise blieben die Kantone auf ihrem eingeschlagenen Kurs und senkten tendenziell die Steuern. Dieses Fazit zog Martin Eichler, stellvertretender Chefökonom von BAK Basel, gestern in Zürich zu der jüngsten Studie des Forschungsinstituts über die Steuerbelastung in den Kantonshauptorten. Die Steuern seien auch nach dem Beginn der Finanzkrise noch gesenkt worden, aber in eher geringerem Ausmass.

Im laufenden Jahr hielten von den 19 erfassten Kantonen 16 die Steuerlast für Unternehmen und hoch qualifizierte Arbeitskräfte stabil oder senkten sie. Diese Tendenz sei bemerkenswert, auch angesichts der zusätzlichen finanziellen Herausforderungen der Kantone wie der Neuordnung der Pflege- und Spitalfinanzierung oder der Sanierung öffentlicher Pensionskassen. Bei den Unternehmen erhöht 2012 laut der Studie einzig St. Gallen die Steuerlast. Der Kanton liegt aber mit einem durchschnittlichen Steuersatz (Gewinn-, Kapital- und Grundsteuern) von 14,4 Prozent weiterhin im Mittelfeld. Die geringste Belastung für Unternehmen gewähren erneut Nidwalden (10,6 Prozent) und, infolge einer markanten Steuersenkung, Luzern (von 13,9 auf 10,6 Prozent). Am höchsten sind die Unternehmenssteuern in den Kantonen Waadt (19,7 Prozent), in Basel-Stadt (20,2 Prozent) und in Genf (21,4 Prozent).

Tessin und Romandie stabil

Während in der Zentralschweiz und in der Ostschweiz der Steuerwettbewerb intensiv geführt wurde und die Belastung in den letzten Jahren gesunken ist, blieben die Steuern in der lateinischen Schweiz ziemlich stabil. Dort würden aber eher Ausnahmen gewährt, etwa für sich neu ansiedelnde Unternehmen, sagte BAK-Basel-Experte Eichler.

Auch bei der Steuerlast hoch qualifizierter Arbeitnehmer an den Kantonshauptorten schwingen die Zentralschweizer Kantone obenaus: Zug (23,6 Prozent), Schwyz (23,7 Prozent) und Obwalden (24,4 Prozent) vermochten ihr tiefes Steuerniveau zu bewahren und belegen wie bereits im letzten Jahr die Podestplätze. Gegenläufig zum Trend erhöhten St. Gallen (32,7 Prozent) und das Schlusslicht Waadt (37,2 Prozent) ihre Steuerlast spürbar. Auch in Genf stiegen die Steuern für Hochqualifizierte leicht (36,4 Prozent).

Insel in rauem Umfeld

Mit Blick auf internationale Vergleichszahlen vom letzten Jahr sagte BAK- Basel-Experte Eichler, die Schweizer Kantone seien ausgesprochen wettbewerbsfähig. Bei den Unternehmen schneidet nur Hongkong (9,7 Prozent) besser ab als die neun steuerfreundlichsten Kantone der Schweiz.

In Westeuropa vermag nur Dublin mitzuhalten, während in den Nachbarländern die Unternehmen deutlich höhere Steuern abliefern müssen. Ähnlich ist das Bild bei den Steuern für Hochqualifizierte. Ausser Schweden sei die Schweiz das einzige Land, in dem der Staat seit Beginn der Finanzkrise 2007 die Schulden reduzieren konnte. Hintergrund sei der Steuerföderalismus, welcher den Steuerappetit zügle, sagte BAK-Basel-Chefökonom Boris Zürcher.

Im Gegensatz zu den EU-Ländern sei die steuerliche Standortattraktivität der Kantone nachhaltig. Der politische Druck auf die Musterschülerin Schweiz dürfte in der Zukunft aber zunehmen, sagte Zürcher gestern. (sda)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch