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Stadt- verbesserer

Jung und dumm

Schlimm ist es um unsere ­Jugend bestellt. Dieses Bild muss erhalten, wer regelmässig Schweizer Medien konsumiert. So titelte der «Blick» letzte Woche, dass jeder dritte Kanti­schüler «zu dumm» fürs Gymnasium sei. Das habe eine Intelligenzforscherin herausgefunden. Aber auch bei den schulisch ­weniger ambitionierten Knirpsen werden öfters grobe Defizite ­geortet. So können unsere Kinder laut Verkehrspolizisten immer schlechter Velo fahren. Andere Studien warnen vor einer steigenden Zahl von Nichtschwimmern. Wenn der Nachwuchs ­irgendwann auch das Laufen verlernt, ist er am Triathlon gerade noch zum «Hopp»-Rufen zu gebrauchen. So viel Text kann sich auch ein durchschnittlich intelligenter Gymnasiast noch merken.

Die Suche nach Gründen für die Misere ist jeweils so ergiebig wie unterhaltsam, ein Fest der Vorurteile: Fehlt es Migrantenfamilien am kulturellen Bezug zum Velo? Oder sind übervorsichtige Eltern schuld, die den Sprössling lieber im Auto zur Schule chauffieren, als ihn auf zwei wackligen Rädern allein auf die Strasse zu schicken? Gegeisselt wird auch die grassierende Handysucht: Weil man am Lenker nicht tippen kann, nehmen Schüler lieber den Bus. Und bei der Schwimmfrage lautet der Generalverdacht rasch: Islamisierung.

Eine Schwimmlehrerin vermutet den wahren Schuldigen dort, wo ihn kein Ideologe gesucht hätte: «Seit in jeder Badi Rutschen stehen, rutschen die ­Kinder den ganzen Tag, statt schwimmen zu lernen.» Hat sie recht, liesse sich Erziehung und Sparen für einmal verbinden: Legt die Rutschen trocken. Wenn uns in Winterthur schon das Wasser zum Hals steht, sollten wir wenigstens schwimmen können. Michael Graf

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