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Stadt verbesserer

Ich will das gar nicht wissen

Als der Stadtverbesserer aus den Ferien zurückkam, erwartete ihn am Arbeitsort eine neue Kaffeemaschine. Die Auswahl an Produkten ist nun noch grösser, als sie zuvor schon war. Das kümmert den Stadtverbesserer grundsätzlich wenig, denn er drückt immer denselben Knopf. Selbiger ist bei der neuen Maschine nun auf einem Touchscreen platziert. Die 30 Sekunden zwischen der Produktwahl und dem Becherfüllen lässt dieser Bildschirm nicht ungenutzt. Er informiert den Trinker (mehrmals täglich), dass die Maschine eigens für ihn einen hervorragenden Kaffee aus erlesenen Sorten sorgsam zubereite. «Ich will das nicht lesen und nicht wissen», hat der Stadtverbesserer schon mehrmals gedacht, dann laut vor sich hin gesagt, geschrien gar und schliesslich auf einem neonfarbigen Post-it-Zettel hingeklebt.

Der Maschine freilich ist des Stadtverbesserers Qual egal. Sie tut, was man ihr aufgetragen hat, nämlich Kaffee liefern. Wozu aber noch werben, wenn die Wahl eh schon erfolgte? Na, na, werden Sie nun einwenden, es muss ja niemand den Text auf dem Touchscreen lesen. Der Stadtverbesserer aber findet: Primär soll auch niemand einen solchen Text schreiben, den niemand braucht. Und er stellt sich vor, dass seine Partnerin ihm jeden Morgen einen Kaffee ans Bett brächte mit den Worten: «Schatz, ich bring dir einen hervorragenden, eigens für dich aus erlesenen Sorten sorgsam gebrauten Kaffee.» Die Tasse flöge durchs Zimmer, Trennung, Aus, Ende der Liebe.

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