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Stadtpräsident zieht ins Grossraumbüro

Weil die städtischen Angestellten im neuen Verwaltungsgebäude näher zusammenrücken müssen, gab es Unruhe. Stadtpräsident Michael Künzle setzt jetzt ein Zeichen: Er verzichtet aufs Einzelbüro.

Im Superblock ist für den Stadtpräsidenten ein Platz ganz oben reserviert. An der Nordostecke des Gebäudes, neben dem Stadtratssaal, wo sich der Blick öffnet auf die Zürcherstrasse und das Neuwiesenquartier mit der Kirche St. Peter und Paul. Schliesslich will Michael Künzle wenigstens den Überblick, wenn er 2015 schon sein Büro im monumentalen Stadthaus räumen muss. Dieses soll nur noch für spezielle Anlässe und repräsentative Empfänge genutzt werden, genau bestimmt ist aber nichts. Ein Büro für sich allein wird Künzle im Superblock nicht mehr haben. «Ich werde zusammen mit meinem Stab in einem Grossraumbüro arbeiten», sagt er. Das ursprünglich vorgesehene Einzelbüro werde er gemeinsam mit seinen Mitarbeitern für Sitzungen und heikle Telefonate nutzen. Künzle sagt, dass er aus freien Stücken auf die Privilegien verzichte. Ungeschickt ist der Entscheid jedenfalls nicht, zumal viele städtische Angestellte mit dem Umzug in den Superblock die Privatsphäre ihres Einzelbüros gegen einen Platz im Grossraumbüro tauschen müssen. Und viele der rund 800 betroffenen Mitarbeiter tun sich schwer damit. Im Gegensatz zum Stadtpräsidenten wissen die meisten Angestellten noch nicht, wo genau ihr Arbeitsplatz im Superblock hinkommt. Der Grobbelegungsplan sei demnächst fertig, sagt Künzle. Doch einfach sei es nicht, alle Angestellten für den neuen Arbeitsort zu begeistern. Es werde nicht einfach bestimmt, wer wohin müsse, sondern sorgsam vorgegangen in einem «partizipativen Prozess». Wie heftig das interne Gerangel um die guten Plätze ist, lässt sich daran ablesen, dass sich der langjährige Fokus-Projektleiter Daniel Arnet «auf eigenen Wunsch» Mitte September in den Hintergrund zurückzog – so lautet zumindest die offizielle Botschaft. Zwischen einzelnen Mitarbeitern und Arnet war es zu Spannungen gekommen. «Es gibt heftige Diskussionen, das ist normal bei einem Grossprojekt wie diesem», sagt Künzle. Es sei an den Vorgesetzten, die Mitarbeiter zu überzeugen und für die «guten und modernen» Arbeitsplätze im Superblock zu begeistern. Neuer Motivator wird Franz Trottmann sein. Der frühere Metalli-Chef und Leiter der 10. Schuljahre wurde für diese Aufgabe aus dem Ruhestand zurückgeholt. Ob auch die anderen sechs Stadträte ins Grossraumbüro ziehen, ist noch offen. Zentralisierte Schulpflegen Zu diskutieren gibt auch die Kon­zen­tra­tion der Kreisschulpflegen – ab 2014 sind es noch vier statt wie heute sieben. Ursprünglich war ihr Umzug auf das Sulzer-Areal nicht vorgesehen. Mittlerweile ist der Stadtrat jedoch zur Überzeugung gelangt, es sei sinnvoll, die Schulpflegen nahe bei der Schulverwaltung anzusiedeln – auch wenn diese politisch eigenständig sind. Vielleicht um die Kommunikationswege kurz zu halten oder weil sich die Schulpflegen so besser überwachen lassen? «Der Anspruch an den Superblock war es, effizienter und besser zusammenzuarbeiten», sagt Künzle, der für den Umzug der Schulpflegen ist. Es sei aber noch viel Überzeugungsarbeit nötig. So oder so: Die nötigen Reserven für die Büros der Kreisschulpflegepräsidenten und ihrer Sekretariate hat sich der Stadtrat im Superblock schon mal gesichert. Im vierten Obergeschoss baut die Eigentümerin Axa Winterthur auf Wunsch der Stadt keine Wohnungen ein, sondern reserviert die 755 Quadratmeter für einen Ausbau der Verwaltung. Eine Raumreserve im Superblock sei ohnehin sinnvoll, Schulpflegen hin oder her, sagt Künzle. Denn die bisher vorgesehenen Reserveflächen sind schon weg, weil da und dort für eine Abteilung mehr Platz nötig sei. «Die Entwicklung der Verwaltung wird nie abgeschlossen sein.» Änderungen der gesetzlichen Grundlagen und in der Zusammenarbeit von Stadt und Kanton könnten den Bedarf an Büroflächen verändern. Auch nach 2015 sei zudem mit internen Umzügen zu rechnen. Der Spareffekt ist noch offen Von der Kon­zen­tra­tion der Verwaltung erhofft sich die Stadt jährliche Einsparungen von 2,7 bis 3,7 Millionen Franken. Ob das Ziel tatsächlich erreicht wird, sei offen, so Künzle: «Wir arbeiten daran.» Abhängig ist das auch vom Mietpreis, den die Axa von der Stadt kassieren wird. Vor der Abstimmung im November 2010 wurde die jährliche Miete mit 6,85 Millionen Franken beziffert, zuzüglich Neben- und Betriebskosten sowie der Amortisation von Einrichtungen und Möbeln, die von der Axa vorfinanziert werden. Wie viel der Superblock dannzumal tatsächlich kosten wird, weiss auch Künzle noch nicht.

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