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Stadtrat will Nachtleben und Nachtruhe in Zürich

Polizeivorsteher Richard Wolff will die Party- und Ruhebedürfnisse der Stadtzürcher Bevölkerung in Einklang bringen.

In einer schummrigen Bar orientierte Polizeivorsteher Richard Wolff (AL) gestern über das Projekt «Nachtleben», das in der Stadtzürcher Verwaltung in den Sommerferien angelaufen ist. Es soll dazu dienen, Auswüchse des Nachtlebens in den Griff zu bekommen, ohne dieses abzuwürgen. Im Vordergrund stehen dabei Lärmklagen, denn sie beschäftigen die Polizei am meisten: Von 3836 im letzten Jahr polizeilich registrierten «Nachtstadt-Ereignissen» waren 2164 Lärmklagen. Aber auch Probleme mit Abfall und Gewalt nimmt Wolff ins Visier.

Zürichs Nachtleben hat sich in den letzten 15 Jahren rasant entwickelt: 1996, als das Stimmvolk der Liberalisierung des Gastgewerbegesetzes zustimmte, gab es in der Stadt Zürich 88 Betriebe mit Nachtcafé-Bewilligung. Im Jahr 2013 waren es 646. Zum Vergleich: In Basel und Bern gibt es gemäss Wolff jeweils rund 100 solcher Betriebe.

«Zürich ist der Magnet fürs Nachtleben in einem Einzugsgebiet geworden, das bis nach Deutschland reicht», so der AL-Stadtrat. «Wir wollen das Rad nicht zurückdrehen, sondern Verbesserungen hinkriegen.»

Wolff machte keinen Hehl daraus, dass er sich als Mitgründer der Roten Fabrik einst selbst um Vorschriften zur Nachtruhe foutierte. Er setzt denn auch auf Dialog statt auf Restriktionen. Der Polizeivorsteher skizzierte ein Vierpunkteprogramm.

Lustbetonte Aktionen

Zunächst gelte es, innerhalb der Stadtverwaltung departementsübergreifend eine gemeinsame Haltung zu entwickeln, basierend auf Kenntnis der gesetzlichen Grundlagen und des behördlichen Ermessensspielraums. Punkt zwei zielt auf Konfliktmanagement ab. Fertige Lösungen gebe es dabei nicht. «Wir wollen Clubs und Anwohner zusammenbringen, um Lösungen zu finden», so Wolff. Den Vertretern der Stadt komme dabei eine Vermittlerrolle zu. Drittens sind departementsübergreifend gemeinsame Schulungen von Verwaltungseinheiten vorgesehen. Der vierte Punkt trägt den Arbeitstitel «Thinking out of the Box». Gemeint sind damit lustbetonte Aktionen, zum Beispiel die Ausstellung «Nachtstadt – von Nachtschichten und Nachtschwärmereien», die am 22. Oktober im Zürcher Stadthaus beginnt.

Mehr Polizei

Leiterin des Projekts «Nachtleben» ist Alexandra Heeb, die Quartierbeauftragte des Stadtzürcher Polizeidepartements. Sie wende für das neue Projekt 20 Prozent ihrer Arbeitszeit auf, erklärte sie. Derzeit würden 15 Leute aus diversen Verwaltungseinheiten daran mitarbeiten.

Wolff bezeichnete seinen Amtsvorgänger Daniel Leupi (Grüne) als Mitinitianten des Projekts «Nachtleben». Leupi hatte auch das Projekt «Night Police» lanciert, das mehr Personal für nächtliche Polizeieinsätze vorsah. Nachdem der Gemeinderat die dafür nötigen Stellen Ende 2013 nicht bewilligt hatte, wurde das Projekt sistiert. Gestorben ist es aber nicht, wie Wolff gestern auf Anfrage betonte: Das Bedürfnis nach erhöhter polizeilicher Nachtpräsenz werde bei der laufenden Reorganisation der Stadtpolizei berücksichtigt. Matthias Scharrer

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