Winterthur

Stapo schafft neuen Chefposten – ist das nötig?

Die Stadtpolizei stellt einen neuen vollamtlichen Kommandantenstellvertreter und «Berater» ein. Ein SP­Politiker kritisiert: «Das bringt gar nichts für die Sicherheit.»

Wachsendes Korps: Die Stadtpolizei stockt deutlich auf – nun kommt eine neue Kaderstelle hinzu.

Wachsendes Korps: Die Stadtpolizei stockt deutlich auf – nun kommt eine neue Kaderstelle hinzu. Bild: Marc Dahinden

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Es braucht einen Hochschul­abschluss in Betriebswirtschaft oder Recht und langjährige Erfahrung als Leiter eines Polizeikorps. Wer dies mitbringt, kann sich für die kürzlich ausgeschriebene Stelle als stellvertretender Kommandant der Stadtpolizei Winterthur bewerben.Die Vollzeitstelle wird neu geschaffen, wie Polizeisprecherin Bianca Liechti auf Anfrage erklärt. Der heutige Stellvertreter von Kommandant Fritz Lehmann, Daniel Beckmann, übe diese Funktion nebenamtlich aus; es habe sich aber gezeigt, dass eine vollamtliche Vertretung nötig sei. Die Stellenausschreibung legt eine grosse Mitsprache nahe: «Sie leiten zusammen mit dem Kommandanten das gesamte Korps.» Es gehe um die Rolle eines «Sparringpartners» und «Beraters» des Kommandanten. Beckmann gibt die Stellvertreterfunktion ab, so sagt Liechti, führt aber seine bisherige Tätigkeit als Leiter der Verwaltungspolizei weiter.

Die zusätzliche Kaderstelle zählt nicht zu den vom Volk beschlossenen neuen Stellen, sondern ist von Regierung und Parlament zusätzlich zu diesen bewilligt worden, wie die Polizeisprecherin ausführt. Der Stadtrat hatte die Korpsaufstockung stoppen wollen, um 1,35 Millionen Franken jährlich zu sparen, wurde aber vom Gemeinderat überstimmt. Zuletzt verzeichnete die Polizei Kostenüberschreitungen von 420 000 Franken, vor allem wegen Langzeitkrankheitsausfällen und weil es nicht wie geplant gelang, teure ältere Beamte durch günstigere jüngere zu ersetzen.

SP-Gemeinderat und Polizeikritiker Fredy Künzler stellt den Nutzen des neuen Chefpostens in Frage: «Was macht der Neue, was bislang nicht gemacht wurde? Vermutlich leitet er viele ­Koordinationssitzungen mit der Kapo. Für die Sicherheit in der Stadt bringt das gar nichts.» Die neue Stelle koste gewiss 250 000 Franken brutto, doch bei der Polizei, ihrem Lieblingskind, schaue die bürgerliche Mehrheit eben nicht auf die Kosten, wie sich hier erneut zeige.

«Wichtig, um Frontpersonal zu unterstützen»

Seitens der Polizei versprach man zuletzt mehr Personal an der Front. Die neue Kaderstelle stehe dazu nicht im Widerspruch, findet Sprecherin Liechti: «Es hat sich gezeigt, dass auch die Führungsstrukturen gestärkt werden müssen, damit die Mitarbeiter an der Front optimal unterstützt werden können.» So werde eine «Wirkungssteigerung» des gesamten Korps erreicht. In der Ausschreibung heisst es, die ­Stelle entstehe «im Zuge des Wachstums und der fortschritt­l­ichen Entwicklung» der Stadtpolizei. Mit dem Umzug ins neue Polizeigebäude habe die Sache nichts zu tun, so Liechti.

Wer sich vom Stellenprofil ­angesprochen fühlt, sollte wissen: Es braucht für den Job nicht nur Studium und Führungs­erfahrung. Vonnöten sind auch, so heisst es im Inserat, «in­novative Charakterzüge», «diplomatisches Durchsetzungsver­mögen», «politische Sensibilität» und «Volksnähe». (Der Landbote)

Erstellt: 12.01.2017, 20:25 Uhr

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