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Start der etwas anderen Bauernschule

Den biodynamischen Gutsbetrieb der Stiftung Fintan gibt es seit 1998. Am Sonntag feiert sie die Eröffnung ihrer eigenen Schule. Doch der Feier gingen Jahre des Streits voraus.

Am Sonntag ist es so weit. In Rhein­au steigt die Eröffnungsfeier für die Schule, an der seit dem 1. September 13 Personen die biologisch-dynamische Landwirtschaft erlernen. Ob Strickhof, Zürcher Bauernverband oder Landwirtschaftlicher Informationsdienst: Auf den Onlineagenden der landwirtschaftsnahen In­sti­tu­tio­nen sucht man den Anlass allerdings vergebens. Der Veranstaltungshinweis findet sich jedoch auf Agorá, der Schweizer Veranstaltungsagenda für Anthroposophie und Christengemeinschaft. Das ist kein Zufall: Die biologisch-dynamische Landwirtschaft fusst auf den Grundsätzen von Rudolf Steiner, dem Begründer der Anthroposophie (siehe angehänger Artikel). An der Eröffnungsfeier im Kaisersaal am Klosterplatz werden unter anderem Rolf Gerber, Chef des kantonalen Amtes für Landschaft und Natur, und Hans Frei, der Präsident des Zürcher Bauernverbandes, Grussworte an die Festgemeinde richten. «Kuhflüsterer» als Schulleiter Erinnert man sich an die Vorgeschichte, ist die Teilnahme der beiden Herren nicht selbstverständlich. Im Jahr 1998 verpachtete der Regierungsrat den grössten Landwirtschaftsbetrieb des Kantons der anthroposophischen Stiftung Fintan, bis mindestens 2037. Heute ist die Stiftung Teil der Trägerschaft der neuen Schule. Beim Bauernverband und den konventionellen Landwirten in der Region sorgte der Entscheid für grossen Unmut. Die SVP kritisierte die damalige Regierungsrätin Verena Diener scharf. Der Grund: Die Gesundheitsdirektorin sprach sich für die Stiftung Fintan als Pächterin des Gutsbetriebs Rhein­au aus. Hinter der Stiftung stand Dieners damaliger Parteifreund und Ex-Kantonsrat der Grünen, Martin Ott. Der wegen seines Buches «Kühe verstehen» als «Kuhflüsterer» bekannte Ott ist in der Schulleitung des neuen Lehrgangs. Heute schlagen die Beteiligten von damals milde Töne an. So sagte Bau­ernpräsident Hans Frei im April dieses Jahres ge­gen­über dem «Tages-Anzeiger», dass die biologisch-dynamische Landwirtschaft ihren Platz habe in der Agrarwirtschaft. Den alten Streit wolle er vergessen. Nebst der Stiftung Fintan und dem Verein für biologisch-dynamische Land­wirtschaft ist auch der Strickhof, das Landwirtschaftliche Zen­trum des Kantons Zürich, Träger des neuen, vierjährigen Lehrgangs in Rhein­au. Der Strickhof bietet bereits eine dreijährige Ausbildung zum Landwirt mit Schwerpunkt Biolandbau als Erst- und als Zweitausbildung an. Die vierjährige Ausbildung für biologisch-dynamische Landwirtschaft in Rhein­au hingegen ist ausschliesslich als Zweitausbildung gedacht. «Wir gehen davon aus, dass sich die beiden Standorte nicht konkurrenzieren werden», sagt Erik Meier, der am Strickhof für den Schwerpunkt ­Biolandbau zuständig ist. In Rhein­au handle es sich um eine andere Klientel, die eine besondere Affinität zu geisteswissenschaftlichen Elementen habe. Zudem handle es sich dabei eher um Quereinsteiger. Dass die Bioausbildung am Strickhof nicht konkurrenziert wird, war auch die Bedingung des Zürcher Bauernverbandes für sein Ja zum neuen Lehrgang in Rhein­au. Schule zurzeit in altem Gasthof Der kantonale Strickhof hat der privaten Trägerschaft der biodynamischen Schule einen Leistungsauftrag erteilt, den er zu kontrollieren hat. Zudem übernimmt er administrative Aufgaben wie zum Beispiel die Erstellung von Zeugnissen. Die Jahrgänge der aktuell 13 Schüler bewegen sich zwischen 1967 und 1990. Der Anteil an Frauen und Männern ist etwa gleich hoch. Die Schule ist im ehemaligen Gasthof Löwen untergebracht, ein Neubau ge­gen­über der Klosterinsel ist bereits angedacht.

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