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Stefanini-Mieter sorgen sich um billigen Wohnraum

Von dem Rechtsstreit um die Stefanini-Stiftung sind auch Tausende Mieter betroffen. Denn dereinst soll das ganze Immobilien-Portfolio in die Stiftung verschoben werden.

Im Dezember trafen sie sich zum ersten Mal, Mieter von Wohnungen des Winterthurer Immobilienkönigs Bruno Stefanini. Aufgeschreckt durch den Machtkampf rund um Stefaninis Kunststiftung, gründeten sie eine Interessengemeinschaft. Sie wollen sich für den Erhalt ihrer günstigen Wohnungen einsetzen. Aktiv wird nun auch der Mieterverband. «Wir wurden von der IG um Unterstützung angefragt», sagt Geschäftsleiterin und AL-Gemeinderätin Katharina Gander. Sie wird an der nächsten Zusammenkunft im März teilnehmen. «Es geht darum, in der verworrenen Si­tua­tion eine Auslegeordnung zu machen.» Auf der Homepage der Gruppe wird bereits jetzt versucht, ein Inventar der Stefanini-Liegenschaften in der Stadt zu erstellen. Bereits sind über hundert Objekte auf einer Onlinekarte eingetragen. Katharina Gander spricht von einer Si­tua­tion der Unsicherheit. «Viele Mieter von Stefanini-Wohnungen haben sich bei uns gemeldet, sie wollen wissen, wie es in Zukunft weitergeht.» Die Sorge gilt der Zukunft von Bruno Stefaninis Immobilienfirma Terresta AG. Diese verwaltet allein auf Stadtgebiet 1500 Wohnungen, weitere 700 im Umland. Geschäftsführer Markus Brunner beschwichtigt: «Der Streit um die Stiftung tangiert die Terresta-Liegenschaften, die Bruno Stefanini privat gehören, nicht.» Dies trifft jedoch nur momentan zu. Stefaninis Testament Der Verwaltungsrat der Terresta AG besteht derzeit aus drei Personen. Präsident Bruno Stefanini, der 100 Prozent der Aktien hält, sowie Geschäftsführer Markus Brunner und Umit Stamm. Brunner und Stamm hatten bis Montag auch Einsitz im Rat der Kunststiftung. Da sich Stefaninis Gesundheitszustand letztes Jahr markant verschlechterte, übt nun seine Vertraute Dora Bösiger die Präsidialgeschäfte in der Terresta aus. Eine Generalvollmacht hierzu erhielt sie von Stefanini schon vor mehreren Jahren. Ob sie diese auch behalten wird, entscheidet die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) bis Ende Februar. Der jetzige Verwaltungsrat beteuert derweil, die Geschäfte im Sinne des Gründers weiterführen zu wollen. Bei einem Ableben von Bruno Stefanini wäre jedoch plötzlich alles anders. Stefaninis Kinder haben in den 80er-Jahren einen Erbverzichtsvertrag unterschrieben, sie kommen für die Nachfolge bei der Terresta nicht infrage. Das Testament des Immobiliensammlers sieht vielmehr vor, dass sein gesamtes Privatvermögen und seine Liegenschaften in die Sitftung für Kunst, Kultur und Geschichte übergehen. Die Verantwortung für Tausende Wohnungen läge dann in den Händen des noch zu bestimmenden Stiftungsrats. Wer das sein wird, dar­über entscheidet das Bundesverwaltungsgericht in St. Gallen. Was danach kommt, weiss momentan niemand. Auch die IG der Stefanini-Mieter hat statt Antworten nur Fragen: «Werden Häuser verkauft? Werden sie luxussaniert und unbezahlbar? Werden Häuser abgerissen?»

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