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Sterne über Winterthur

In mondlosen Nächten weit in die Vergangenheit sehen

Der diesjährige, stark verregnete Hochsommer hat die Sternfreunde massiv an Beobachtungen gehindert. Doch es gibt eine gute Nachricht: Die klassischen Sommersterne bleiben noch bis weit in den Herbst hinein in aussichtsreichen Positionen. Wer also mit einem guten Fernglas oder einem schwach vergrössernden Tele­skop einen Spaziergang durch die Milchstrasse unternehmen möch­te, hat dazu noch immer gute Möglichkeiten. Leider ist von den Planeten aktuell nur noch Saturn am Abendhimmel sichtbar.

Der Akzent verschiebt sich am abendlichen Firmament zunehmend zu den klassischen Herbststernbildern. Leider bestechen diese nicht gerade durch helle Sterne, dafür aber durch markante Formationen. Im Nordosten leuchten die fünf W-förmig angeordneten Sterne der Cassiopeia, die ein Gegengewicht zum im Nordwesten absteigenden Grossen Himmelswagen bilden. Im Osten steigt in der Abenddämmerung das grosse Viereck des Pegasus und sein Anhängsel, die An­dromeda, aus dem Horizontdunst empor. Nach Süden zu sind die Fische, der Wassermann, der Steinbock nur in mondscheinlosen Nächten gut zu sehen.

Am späteren Abend rückt auch noch der Stier mit seinen beiden Sternhaufen Hyaden und Plejaden über den Osthorizont. Und im Nordosten leuchtet dann mit dem Hauptstern Capella im Sternbild Fuhrmann bereits der erste klassische Winterstern.

Ein Hauch von Unendlichkeit

In mondscheinlosen Nächten erkennt das unbewaffnete Auge im Sternbild Andromeda einen schwachen Nebelfleck. Grosse Teleskope lösen ihn in zahllose Einzelsterne auf. Auch ausgedehnte Gasmassen werden in lang belichteten Astrofotos erkennbar. Die Andromeda-Galaxie ist ein uns benachbartes Milchstrassensystem in einer Entfernung von 2,5 Millionen Lichtjahren. Kaum zu glauben also, dass das Licht, das wir heute von diesem «Nebel» aufnehmen, vor 2,5 Millionen Jahren auf die Reise ging: Wir schauen also weit in die Vergangenheit! Markus Griesser

Der Autor ist Leiter Sternwarte Eschenberg. Für den «Landboten» schreibt er jeden Monat in dieser Rubrik, was am Himmel über Winterthur zu sehen ist.

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