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Strafanzeige führt zu einem Bumerang-Effekt

Eine junge Winterthurerin ist gestern vom Obergericht wegen falscher Anschuldigung verurteilt worden.

Zum Schluss flossen Tränen. Bei der Verkündigung des Schuldspruchs vergrub die Angeklagte ihren Kopf zwischen ihren Armen und weinte. Erneut hatte sie vergeblich ihre Unschuld beteuert. Es war im Oktober 2008, als die heute 26-Jährige Strafanzeige gegen einen Versicherungsberater erstattete. Ge­gen­über der Polizei führte sie aus, dass der Mann ohne ihre Erlaubnis ihre Unterschrift unter Dokumente von Krankenkassen gesetzt habe – worauf sie gegen ihren Willen bei einer neuen Krankenkasse versichert gewesen sei. Die Staatsanwaltschaft leitete gegen den Makler eine Strafuntersuchung wegen Urkundenfälschung ein. Allerdings wies dieser die Vorwürfe zurück: Die Frau habe anlässlich eines Beratungsgesprächs einen Antrag für eine neue Versicherung unterzeichnet.

Aufgrund der Widersprüche ordneten die Untersuchungsbehörden Handschriftenproben an. Im Januar 2010 kamen die Gutachter zu einem klaren Schluss: Demnach stammten die Unterschriften mit hoher Wahrscheinlichkeit von der Frau. Aus der Geschädigten wurde somit eine Beschuldigte. Wegen falscher Anschuldigung.

Im letzten Dezember stand sie vor dem Bezirksgericht und beharrte weiter darauf, dass sie nichts unterzeichnet habe. Ohne Erfolg. Nach dem Schuldspruch legte sie Berufung ein und liess ihren Verteidiger vor Obergericht erneut auf einen Freispruch plädieren. Dieser kritisierte das Gutachten, das nur von «hoher Wahrscheinlichkeit», aber nicht von «mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit» berichte.

Das Obergericht stütze sich jedoch auf das Gutachten. Damit wurde die Beschuldigte wie in Winterthur wegen falscher Anschuldigung zu einer bedingten Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu 30 Franken verurteilt. Immerhin verzichteten die Oberrichter auf eine zusätzliche Busse von 500 Franken und nahmen die Hälfte der Gutachterkosten auf die Gerichtskasse. (ait)

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