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Strassenprojekt komplett zerpflückt

Die Elgger wollen an der Bahnhofstrasse kein breiteres Trottoir. Sie zogen es vor, den Kredit von 500 000 Franken für die Neugestaltung ganz bachab zu schicken, anstatt das Geschäft an die Behörde zurückzuweisen.

Der Elgger Strassenvorstand Philipp Weber ahnte bereits, was auf ihn zukommt. Er begann seine Ausführungen an der Gemeindeversammlung am Mittwochabend mit den Worten: «Ich weiss, dass es heavy wird.» Und er sollte recht behalten. Der Kredit von 500 000 Franken für die Sanierung und Neugestaltung der Bahnhofstrasse im Abschnitt vom Rösslikreisel bis zur Post blieb chancenlos. Der Ersatz der alten Wasserleitung für 425 000 Franken im gleichen Abschnitt wurde dagegen mit einer Gegenstimme genehmigt. Dass das Strassenprojekt die Gemüter erregte, zeigte allein der Aufmarsch von 154 Stimmberechtigten. Einzig ein ehemaliger Gemeindeingenieur setzte sich in der Diskussion für das Gesamtpaket ein: «Ich fühle mich wie Don Quijote im Kampf gegen die Windmühlen.» Der über 90-Jährige machte sich als Vertreter der älteren Generation für die geplante Verbreiterung des Trottoirs und Übergänge ohne Absätze stark. «Schliesslich sind immer mehr Leute auf Rollstuhl oder Rollator angewiesen.» Und auch mit Kinderwagen könne man schlecht kreuzen. Nachteil für Velofahrer Alle anderen Redner sahen dagegen die «eigentlich schwächsten Verkehrsteilnehmer» durch die Fahrbahnverengung zusätzlich benachteiligt: die Velofahrer. «Man wird schon heute fast abgeschossen, weil die Autofahrer keine Geduld haben», sagte etwa alt SP-Kantonsrat Bernhard Egg. Auch das Argument, dass das Fussgängeraufkommen stark ansteigen wird, weil in der geplanten Grossüberbauung «Silenzio» westlich der Eulach über 100 Wohnungen entstehen sollen, liessen einige Votanten nicht gelten. «Das bestehende Trottoir hat noch eine Kapazität für dreimal mehr Fussgänger», meinte ein Teilnehmer, der extra dreimal frühmorgens alle Verkehrsteilnehmer gezählt hatte. Auch sonst wurde kaum ein gutes Haar am Projekt gelassen: Für Poller, Pflästerungen und neue Vortrittsregeln konnte sich kaum jemand erwärmen. Die Rechnungsprüfungskommission (RPK) lehnte das Vorhaben in finanzieller Hinsicht ab. «Ein solch überrissenes Projekt ist derzeit fehl am Platz», sagte ihr Präsident Michael Wanner. So ging es am Schluss eigentlich nur noch um die Frage, ob das Projekt zur Überarbeitung an den Gemeinderat zurückgewiesen oder ganz abgelehnt werden soll. Primarschulpfleger Erich Wegmann brachte als Erster einen Rückweisungsantrag ins Spiel und knüpfte zwei Aufträge daran. «Wir sind sehr interessiert, dass der Übergang Eulachweg–Seegartenstrasse sicherer gestaltet wird.» Er zeigte sich überzeugt, dass dort – wegen der geplanten Grossüberbauung – mehr Kinder die Bahnhofstrasse überqueren werden, um zur Primarschule zu gelangen. Zusätzlich plädierte Wegmann dafür, Tempo 30 in der Seegartenstrasse zu prüfen. Er zeigte sich zudem enttäuscht darüber, dass die Verkehrskommission für das Projekt nicht einbezogen wurde. Weitere Votanten ergänzten den Rückweisungsantrag um zusätzliche Punkte. Wie zum Beispiel, das Trottoir nicht zu verbreitern. Keine Rückweisung Gemeindepräsident Christoph Ziegler erklärte, dass die Behörde den neuen Antrag im Juni noch einmal vorlegen könnte. Dann hätte das Projekt doch noch – wie geplant – mit dem Ersatz der Wasserleitung kombiniert werden können. Doch RPK-Präsident Wanner sprach sich gegen eine Rückweisung aus. «Sonst kommt der Gemeinderat im Sommer wieder mit einem Projekt, das 400 000 Franken kostet.» Schliesslich lehnte die Versammlung den Rückweisungsantrag mit 101 Nein zu 45 Ja ab und schickte das Projekt anschliessend mit grossem Mehr bachab. Nur 10 Teilnehmer – dar­un­ter der Gemeinderat – stimmten für die Vorlage. Leichteres Spiel hatte Primarschulpfleger Wegmann anschliessend, als er die Bauabrechnung (Kostenüberschreitung von gut 6500 Franken) über die Sanierung des Kindergartens Gerbe präsentierte. Diese wurde einstimmig abgenommen.

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