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Streit am Flughafen: Swiss ist unzufrieden

Passagiere zahlen am Flughafen Zürich künftig weniger Gebühren. Das ist zwar genau, was Fluggesellschaften wie die Swiss gefordert hatten. Dennoch ist diese verstimmt über die Änderung.

Die Gebühren für Passagiere am Flughafen Zürich sinken. Den Lokalpassagieren wird künftig zum Ticketpreis nur noch ein Aufschlag von 37 Franken verrechnet statt wie heute 41.40 Franken. Dies hat das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) gestern bekannt gegeben – rund drei Monate nachdem die Verhandlungen der Flughafenbetreiberin mit den Benutzern gescheitert waren.

Die Flughafen AG hatte die Gebühren erhöhen wollen. Um wie viel, gibt sie nicht bekannt. Die Fluggesellschaften und weitere Flughafenfirmen forderten dagegen, die Gebühren müssten sinken. Unterstützung erhielten sie von Preisüberwacher Stefan Meierhans. Er hatte die vergleichsweise hohen Gebühren am Flughafen Zürich kritisiert und befürchtet, dass die Swiss im internationalen Wettbewerb stark benachteiligt würde, sollten die Tarife nicht massiv zurückgehen. Doch weder die Einwände des Preisüberwachers noch eine Fristverlängerung der Verhandlungen um zwei Monate führten zu einem Ergebnis.

Ein Etikettenschwindel?

Gemäss Bazl-Sprecher Urs Holderegger hat das Amt die Einwände des Preisüberwachers und der Fluggesellschaften berücksichtigt, als es die neuen Gebühren festlegte. Aus Sicht der Swiss hat es dies jedoch zu wenig getan. In Tat und Wahrheit habe es die Gebühren, die der Flughafen erheben dürfe, nicht gesenkt, sondern erhöht. Zwar müssten die Passagiere künftig weniger bezahlen, erklärt Swiss-Sprecherin Susanne Mühlemann. Dies allerdings nicht, weil der Flughafen Abstriche gemacht habe, sondern nur, weil der sogenannte Lärmfünfliber wegfalle.

Der Fünfliber ist ein Beitrag an den Fonds zur Umsetzung von Lärmschutzmassnahmen. Die Passagiere müssen ihn bis mindestens 2017 nicht mehr entrichten, weil der Fonds bereits gut genug gefüllt ist: Ende Juni enthielt er über 500 Millionen Franken.

Für die Fluggesellschaft ist laut Mühlemann aber nicht die Gesamtheit aller Gebühren massgebend, die für Passagiere am Zürcher Flughafen anfallen, sondern vielmehr die eigentliche Passagiergebühr – und die erhöhe sich nun. Tatsächlich wird die Passagiergebühr, die gut die Hälfte des Aufschlags aufs Ticket ausmacht, ab Februar von 21 auf 23.20 Franken steigen und in den Jahren bis 2017 schrittweise um jeweils 50 Rappen erhöht. Welche finanziellen Einbussen damit für die Swiss verbunden sind, will diese nun überprüfen.

Flughafen versteht Kritik nicht

Flughafensprecherin Sonja Zöchling kann den Unmut der Fluggesellschaft nicht verstehen. «Entscheidend für die Airline ist doch, welchen Gesamtbetrag sie den Passagieren für die Gebühren verrechnen muss», gibt sie zu bedenken, «und dieser fällt ja nun um 4.40 Franken günstiger aus als bisher.»

Trotz solcher Differenzen hält Swiss-Sprecherin Mühlemann dem Bazl zugute, dass es die Anliegen der Swiss ernst genommen habe. Es habe sich auch dafür starkgemacht, diese umzusetzen. Das Amt habe allerdings kaum Spielraum gehabt, da es seinen Entscheid auf die Vorgaben des Bundesrates abstützen musste – und diese seien mehrheitlich flughafenfreundlich.

Dennoch schliesst die Swiss einen Rekurs gegen den nun gefallenen Entscheid nicht aus. Diesen müsste das Bundesverwaltungsgericht behandeln. Bis zu einem Urteil würden die aktuellen Gebühren gelten. Bazl-Sprecher Holderegger sieht jedoch aufgrund der Vorgaben wenig Chancen auf Erfolg. Wie die Fluggesellschaften nun die Gebühren weiterverrechnen – und ob sie dabei die Ticketpreise verändern –, sei ihnen überlassen.

Wie die Swiss will auch die Flughafenbetreiberin weitere Schritte prüfen. Sie scheint mit dem Entscheid des Bazl aber besser leben zu können als die Fluggesellschaft. Nun habe sie mehr Geld, um die Infrastruktur zu refinanzieren.

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