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Streit um Wärmeverbund

Die Waldbesitzer wehren sich dagegen, dass im Zentrum von Rikon der Wärmeverbund von Holzschnitzeln auf Grundwasser umgestellt wird. Sie haben beim Gemeinderat ein Protestschreiben eingereicht, das eine Holzvariante mit vergleichbaren Kosten enthält.

Die Frage nach der künftigen Energiequelle für den Wärmeverbund im Zentrum von Rikon erhitzt die Gemüter. Zwei Varianten stehen sich gegenüber: Holzschnitzel und Grundwasser. Aus der Machbarkeitsstudie der Zürcher Firma Weisskopf Partner, die der Gemeinderat in Auftrag gegeben hat, geht das Grundwasser aus wirtschaftlicher und ökologischer Sicht als Sieger hervor. Als weitere Vorteile werden ein möglicher Ausbau in Etappen und eine hohe Betriebssicherheit angeführt. An einem Infoabend Ende September bezifferte Ingenieur Thomas Weisskopf den Wärmegestehungspreis bei einem Verbund mit Grundwasser-Wärmepumpen auf 13 bis 14 Rappen pro Kilowattstunde. Bei einem zentralen Holzheizkessel kam er dagegen auf gut 18 Rappen pro Kilowattstunde. Dies stiess den Waldbesitzern sauer auf. Sie zweifelten den grossen Preisunterschied an. «Wir haben keinen Wärmeverbund gefunden, der mit solchen Zahlen rechnet», sagt Kurt Bieri. Daher gaben die Waldbesitzer eine zusätzliche Studie beim Thuner Ingenieurbüro Allotherm in Auftrag. Diese kommt bei einer Holzvariante auf einen ähnlichen Preis wie beim Heizsystem mit Grundwasser. Inzwischen hat sich der Widerstand formiert: Bieri hat kürzlich beim Gemeinderat ein Protestschreiben deponiert, das 40 grössere Waldbesitzer unterschrieben haben. Es enthält die Forderung, den bestehenden Holzwärmeverbund zu erhalten. Bisher beziehen in Rikon die Schulanlagen, das Altersheim, das Gemeindehaus und eine private Liegenschaft die Wärme von einer Holzschnitzelheizung und einem Ölheizkessel. Beide Anlagen sind in die Jahre gekommen. Die Holzschnitzelheizung, die sich im Altersheim befindet, braucht zudem einen neuen Filter. Daher muss eine Lösung her. Waldbesitzer als Investoren Die Waldbesitzer schlagen nun vor, dass sie die Investitionen und den Betrieb der Holzschnitzelanlage gleich selber übernehmen würden. Sie rechnen mit Projektkosten von rund einer Million Franken, um den Kessel und einige Leitungen zu erneuern, einen Filter einzubauen und den Raum im Altersheim zu mieten. Vom Kanton ist ein Förderbeitrag von gut 120 000 Franken zu erwarten, wie der «Tössthaler» berichtete. Einen Teil des Geldes wollen die Waldbesitzer mit Anteilscheinen zusammenbringen. «Wir haben bereits einige Interessenten», sagt Bieri. Die Amortisation dauert 20 Jahre. Für die Waldbesitzer sprechen genug Gründe für den bisherigen Wärmeverbund. «So bleibt die Wertschöpfung in der Region», sagt Bieri. Der Holznachschub sei genug gross. Die Gemeinde verfügt über rund 550 Hekt­aren Wald. Das entspricht fast der Hälfte der Gesamtfläche. «Es wäre ja ein Witz, wenn wir alles Holz ins Heizkraftwerk Aubrugg bringen müssten», so Bieri. Zudem sei die Infrastruktur schon vorhanden. Mit dem Bau der Holzschnitzelanlage habe man vor 25 Jahren Pioniergeist gezeigt. «Damals gab es in der Region noch kaum solche Anlagen.» Einen Nachteil hat die Holzvariante allerdings: Sie geht von einer Maximalleistung von 720 Kilowatt aus. So könnten kaum zusätzliche Liegenschaften angehängt werden. «Allerdings ist das Interesse der privaten Hausbesitzer auch nicht so gross», sagt Bieri. Der Gemeinderat hat das Schreiben der Waldbesitzer zur Kenntnis genommen. Einen definitiven Variantenentscheid wird die Behörde gemäss Gemeindeschreiber Andreas Meyer erst in der Sitzung vom 20. Dezember fällen. Klar ist, dass die Gemeinde die Investitionen nicht alleine tragen kann. Als Betreiber eines Wärmeverbunds sind daher auch kommerzielle Energiefirmen im Gespräch. Ein Entscheid drängt, da für die geplante Erweiterung der Schulanlagen in Rikon eine Heizlösung gefunden werden muss.

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