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Strings only

In der Ballett­premiere «Strings» im ­Zürcher Opernhaus sind drei Werke von Spuck, Forsythe und Clug zu sehen: Bühne frei für Kammermusik!

Ballettdirektor Christian Spuck hat einen schönen Abend mit «abstraktem» Ballett zu Musik von Streichern konzipiert, den er auch gleich selbst mit einem «frühen Spuck» eröffnet: «das siebte blau» (UA 2000 in Stuttgart) zum Streichquartett «Der Tod und das Mädchen» von Franz Schubert.

Auch wenn das Gedicht von Matthias Claudius über das Mädchen und den «Knochenmann», in dessen Armen es sanft schlafen solle, fragmentiert und verfremdet eingespielt wird, so hat Spuck alles andere als einen Totentanz um die Solistin Katja Wünsche herum inszeniert. Zwar werden drei Tänzerinnen im Bühnenboden versenkt und zeigen – mit einem Bein im Grabe – noch die schönste Arabesque, aber sie entsteigen ihm auch wieder, um schwungvoll in einer temporeichen, aber etwas kalkuliert wirkenden Choreografie weiterzutanzen.

Dabei bilden sich reizvolle Kontraste zwischen den neoklassischen Bewegungen und den sicht- und hörbaren Klängen des Streichquartetts, bestehend aus Mitgliedern der Philharmonia Zürich: Hanna Weinmeister und Xiaoming Wang an der Geige, Valéry Slávik an der Bratsche und am Cello Bruno Weinmeister – prominent auf der Bühne platziert. Die sieben Tanzpaare in schlichten blauen Kostümen, wodurch sich auch der vermeintlich tiefgründige Titel erklärt, überzeugen in ihrer Leistung. Überhaupt war es wieder einmal wohltuend, die Company nicht in den opulenten und brillanten Kostümen von Emma Ryott zu sehen, die jeweils massgeblich zum Erfolg von Spucks grossen Handlungsballetten beitragen.

Im folgenden Stück sitzen die Geigen respektive die Konzertmeisterin und der Zweite Konzertmeister, Weinmeister und Wang, wieder im Orchestergraben und spielen Luciano Berios fantastische (und auch fantastisch schwierige) «Duetti per due violini» mit Xiaoming Wang, während es auf der Bühne ebenso fantastisch (und schwierig!) zu- und hergeht: erneut – man dankt! – ein «mittlerer Forsythe».

Ballett übers Ballett

Bereits vor zwei Jahren hat Christian Spuck (und auch in Kombination mit Edward Clug) ein Werk von William Forsythe, dem Klassik-Dekonstrukteur, der inzwischen selbst zum «Klassiker» geworden ist, nach Zürich geholt: «New Sleep», das Spuck 1987 – ohne etwas von Tanz zu wissen – gesehen hat und das ihn erst hat Tänzer werden lassen.

In nur vier Wochen hat Noah Gelber Forsythes letztes «Ballett übers Ballett» – und eines der wenigen zu Livemusik – einstudiert: «workwithinwork» (1998). 16 Tänzer in knappen Kostümen (Stephen Galloway), die Damen auf Spitze, interpretieren die 29 Duette, sodass sich ein komplexes und reichhaltiges Werk entfaltet: Variationen auf Variationen, Pas de deux voller Spannung und Posen, die einen an Balanchine und sogar an Petipa denken lassen, bevor sie wieder gebrochen und weiterentwickelt werden. Das Ensemble hat sich unterschiedlich gut auf Forsythes hoch differenzierte Bewegungssprache eingelassen, die Jüngeren – allen voran Keren Leiman aus dem Junior Ballett – besser als die Älteren.

Was die Reinheit in der Ausführung betrifft, ist das letzte Stück und die einzige Uraufführung des Abends besser geglückt. Man merkt, dass die Tänzer es lieben, mit Edward Clug zu arbeiten. Nach «Hill Harper’s Dream» (2013) zeigt er «Chamber Minds». Erneut hat Milko Lazar die Musik dazu komponiert: eine Suite für Violine und Cembalo (Naoki Kitaya).

Bühnenbildner Marko Japelj hat «Strings» wörtlich genommen und dicke, dunkle Saiten quer über die helle Bühne gespannt. Die Schnüre bewegen sich, kommen den zehn Tänzern (Kostüme: Leo Kulaš) aber leider nicht in die Quere – «Strings» als blosse, schöne, teure Deko. Verheddern tun sich die Menschen höchstens ineinander – und auch das nur fein ausgearbeitet. Clug sind originelle Duos von Männern und Frauen gelungen, die – verspielt und unaufdringlich – miteinander tanzen. Manuel Renard und Katja Wünsche, beide in allen drei Stücken präsent, und Andrei Cozlac überzeugen, glänzen tut Surimu Fukushi vom Junior Ballett.

Der eigentliche Star des Abends, an dem die Pausen leider länger als die Stücke sind, ist aber Hanna Weinmeister. Allein schon um diese Geigerin auch auf der Bühne zu sehen, lohnt sich ein Besuch von «Strings» im Opernhaus (oder Ende Februar im Theater Winterthur). Evelyn Klöti

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