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Subtil gewürzt, doch ein wenig fad

«Der Koch»: Regisseur Ralf Huettner hat Martin Suters Roman um einen Koch aus Sri Lanka und die erotischen Rezepte seiner Grossmutter in einen leidlich unterhaltsamen Film verwandelt.

Es ist in der Vorlage – dem Roman «Der Koch» von Martin Suter – alles da, was eine Story kurzweilig und unterhaltsam macht: ein Held mit einer besonderen Begabung, ein zwielichtiger Gegenspieler. Kommen dazu eine zarte Tändelei, eine Prise Erotik, Sex & Crime, schliesslich ein moralisches Dilemma, das der Held nur lösen kann, indem er den Gegenspieler stellt. Süffig ist das. Geht runter wie Butter, und so hat sich der «Der Koch», wie die meisten Suter-Bücher, gut verkauft. Dass man «Der Koch» nun verfilmte, versteht sich und eigentlich hat Ralf Huettner – man kennt ihn als Regisseur leichter Komödien wie «Vincent will Meer» und «Ausgerechnet Sibirien» – alles richtig gemacht. Er folgt relativ eng der Vorlage, hat bloss da und dort einer Figur etwas mehr Speck angedichtet, einen Handlungsstrang verstärkt, einen anderen zurückgenommen. Comme il faut ist das. Sie lässt sich vorerst ja auch gut an, die Geschichte von Marvan (Hamza Jeetooa), dem jungen Mann aus Sri Lanka, der ein begnadeter Koch ist, ein altes Heft voller die Libido steigernder Rezepte besitzt und in der Schweiz eine neue Heimat gefunden hat. Marvan jobbt als Hilfskoch in einem Zürcher Nobellokal. Doch Marvan will mehr. Er träumt von einem eigenen Geschäft, bekocht eines Tages seine Kollegin Andrea (Jessica Schwarz) und diese hat, aphrodisiert von den Speisen, die er serviert, eine clevere Geschäftsidee. Alles muss rein Gut betucht sind die Paare, deren Beziehungsleben Marvan und Andrea fortan mit ihrem Love-Food-Catering ankurbeln. Dass Andrea lesbisch ist, ihre Geliebte aus Afrika kommt und bei einer Escort-Firma arbeitet, verpasst dem Ganzen nebst dem erotischen einen exotischen Touch und stellt Marvan frei für eine Tändelei mit einer Landsmännin: Alles muss rein in diese Geschichte. Das ist typisch Suter, kurzweilig zu lesen, weil ein Leser vor dem geistigen Auge alle abstrusen Wendungen locker mitvollzieht. Aber auf der Leinwand verliert die Story dabei an Fokus, gerät von einem zum anderen, auch genremässig. Was als solide Geschichte um einen tamilischen Asylanten beginnt, wird zur leise frivolen Komödie. Wobei der Film, genau betrachtet, nicht frivol ist, blendet er doch immer diskret weg, wenn es zur Sache geht; das einzig wirklich Frivole in «Der Koch» sind die eindeutig zweideutig aussehenden Gerichte. Gegen Ende wird Huettners Film dann auch noch (wirtschafts-)politisch. Weil Marvan unter den Kunden einen Geschäftsmann (Hanspeter Müller-Drossaart) entdeckt, der nicht nur Sri Lankas Regierung, sondern auch die Rebellen mit Waffen beliefert. Auch noch ein Krimi Das kann Marvan nicht zulassen. Da muss er, der vor Jahren vor den Auseinandersetzungen in seiner Heimat floh, eingreifen, weil jüngst zum Entsetzen der Familie sein Cousin bei den Tamil Tigers mitmacht. Ein Mordskrimi ist «Der Koch» nun und Marvan ein Rächer und dann muss noch das zweite, moralische Dilemma gelöst werden: die Tatsache, dass Omas erotische Rezepte für die Liebe, aber nicht fürs (Sex-)Business bestimmt sind. So flackern zum Schluss wortwörtlich und hübsch kitschig noch die Liebesflammen auf. Sauber gespielt Sicher, es ist dies alles nicht schlecht. «Der Koch» ist solid inszeniert, appetitanregend fotografiert, sauber gespielt, unterhaltsam auch. Doch es fehlt ihm das «feu sacré». Er hebt nicht zum Höhenflug ab, wo er könnte, schaut nicht in die Abgründe, die er eröffnet. Er ist, anders gesagt, gut gar, aber fade. Schade, aber vielleicht wird Suter auf Leinwand erst richtig gut, wenn ein Regisseur vom Format eines Fellini sich seiner annimmt.

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