Zum Hauptinhalt springen

Swiss setzt neu auf Boeing

ZÜRICH. Die Lufthansa-Gruppe setzt auf Airbus – sie hat gerade 100 Maschinen bestellt. Die Tochterfirma Swiss erhält hingegen sechs neue Langstreckenflugzeuge von Boeing. Betrieblich ein Nachteil, aber die B777 ist schneller verfügbar und günstiger im Unterhalt.

Die Swiss verfügt über 91 Flugzeuge. Die Flotte besteht heute aus sechs verschiedenen Typen. Einerseits verfügt die Fluggesellschaft über den kleinen britischen Avro RJ100, andererseits fliegt sie mit fünf verschiedenen Airbus-Modellen. Nun hat die Lufthansa-Gruppe sechs Boeing 777 bestellt, die ab 2016 bei der Tochtergesellschaft Swiss zum Einsatz kommen sollen.

Dieser Entscheid wirft Fragen auf: Denn es ist ein teurer Entscheid für die Airline, die sich mit schrumpfenden Gewinnen konfrontiert sieht (siehe Kasten). So ist die Einführung eines neuen Typs – etwa für die Umschulung der Piloten – mit Mehrkosten verbunden. Oberflächlich betrachtet passe die Maschine nicht in die Swiss-Flotte, sagte gestern an einer Medienkonferenz auch CEO Harry Hohmeister. Aber es gebe nicht nur die betriebliche Seite eines Flugzeuges. «Wirtschaftliche Gründe sprechen für die Boeing 777.»

So gilt das grösste zweistrahlige Langstreckenflugzeug der Welt als effizient: Hohmeister rechnet unter anderem damit, dass pro Sitzplatz rund ein Viertel Kerosin eingespart werden kann, wenn die neuen Boeing-Maschinen die sechs geleasten Airbus 340 ersetzt haben. Und dies ist ein schlagendes Argument in einer Branche, in der der Treibstoff als zentraler Kostentreiber gilt. Die Fluggesellschaft Swiss musste im vergangenen Jahr wegen der erneut angestiegenen Preise 140 Millionen Franken mehr für Treibstoff ausgeben, wie Finanzchef Marcel Klaus ausführte. Inzwischen sind 28 Prozent aller operativen Betriebskosten auf «Fuel» zurückzuführen.

Deutlich mehr Sitzplätze

Laut Swiss-Chef Hohmeister haben weitere Argumente für den Einsatz der B777 gesprochen. Die Maschinen sind relativ rasch erhältlich, sie haben sich bereits in der Luft bewährt und sind sehr zuverlässig. Zudem ermöglicht die Neuanschaffung einen «gewaltigen Kapazitätssprung». In einem Airbus 340 finden 219 Passagiere Platz, in einer Boeing 777 sind es je nach Bestuhlung bis zu 386 (die Swiss spricht derzeit von «rund 330»). Damit könne das erwartete Wachstum auf den Langstreckenflügen abgedeckt werden, ohne mehr Flüge durchzuführen, sagte Rainer Hiltebrand, der Chef des Flugbetriebs. Das komme auch den Anwohnern rund um den Flughafen zugute. Am Boden sei die 777 mit ihren gewaltigen Triebwerken zwar nicht leiser, aber dank ihrer besseren Steigfähigkeit sei sie in einer Entfernung von sechs bis sieben Kilometern deutlich weniger laut.

Wie gestern ebenfalls bekannt wurde, sind die sechs Boeing-Maschinen nur ein kleiner Teil einer grossen Bestellung der Lufthansa-Gruppe. Sie hat 100 weitere neue Maschinen bestellt. Diese hat sie aber beim europäischen Flugzeughersteller Airbus geordert.

Dies liess in Internetforen, die sich der Luftfahrtbranche widmen, die These aufkommen, dass die Swiss nur vor- übergehend auf Boeing-Maschinen setze. Dies verneinte Swiss-Chef Harry Hohmeister an der gestrigen Medienkonferenz. Angesichts eines Investitionsvolumens von 1,5 Milliarden Franken würden die sechs B777 lange im Einsatz stehen: «Sie werden 20 bis 25 Jahre lang für die Swiss fliegen.»

Offen ist hingegen die Frage, wie die verbleibenden neun Airbus 340 dereinst abgelöst werden sollen. Laut Hohmeister wird im Verlauf der nächsten zwei Jahre abgeklärt, welchen Typ die Swiss wählen wird.

Dass die Lufthansa-Gruppe diese grosse Investition genehmigt hat, wertet Harry Hohmeister als «Bekenntnis zur Swiss». Auch die Gewerkschaft der Piloten begrüsst den Entscheid. «Moderne Maschinen bieten die besten Voraussetzungen für gute Erträge und sind im Gegensatz zur Verschlechterung der Arbeitsbedingungen der richtige Weg», hielt Aeropers-Sprecher Thomas Steffen fest.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch