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Syrien-Konflikt: Russland wechselt die Seite

damaskus/moskau. Laut syrischer Opposition und Nato steht das Regime von Baschar al-Assad kurz vor dem Zusammenbruch. Sogar der engste Assad-Verbündete Russland hat dem syrischen Präsidenten den Rücken gekehrt.

Nun hat sogar Russland den Glauben an ein politisches Überleben des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad verloren. Eine Niederlage sei nicht auszuschliessen, sagte Russlands Vizeaussenminister Michail Bogdanow gestern. «Man muss den Tatsachen ins Auge sehen – das Regierungsregime verliert mehr und mehr die Kontrolle über einen grossen Teil des Territoriums», zitierte die Nachrichtenagentur Itar-Tass Bogdanow.

Bislang war Russland der engste Verbündete der syrischen Führung. Zusammen mit Peking blockierte Moskau alle Versuche im Uno-Sicherheitsrat, Damaskus mit Sanktionen unter Druck zu setzen. Russlands Aussenminister Sergej Lawrow, der bislang fest an Assads Seite stand, ändert nun seine Strategie. Er will heute syrische Oppositionsvertreter empfangen.

Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen sagte gestern in Brüssel, der Zusammenbruch des syrischen Regimes stehe kurz bevor. Der Zerfall der Regierung von Assad sei nur noch eine Frage der Zeit. Zudem verurteilte Rasmussen den mutmasslichen Einsatz von Scud-Raketen, den die USA und die Rebellen der Regierung vorwarfen. Dieser zeige eine völlige Geringschätzung für das Leben der Syrer.

Selbstbewusste Opposition

Eine Intervention ausländischer Kräfte im syrischen Bürgerkrieg ist nach den Worten des neuen Oppositionschefs Muas al-Chatib nicht mehr erforderlich. Das syrische Volk habe seine Probleme selbst angepackt, sagte Al-Chatib in einem gestern veröffentlichten Interview der Nachrichtenagentur Reuters. «Zu seinem Schutz braucht es keine internationalen Kräfte mehr.» Al-Chatib führt den Dachverband der syrischen Opposition, die Nationale Koalition, die sich vor Kurzem gründete. Die Opposition sei bereit, Vorschläge von Präsident Assad für eine Kapitulation und ein Verlassen des Landes zu prüfen, wurde er weiter ­zitiert.

Für das Erstarken radikalislamischer Kräfte in seinem Land machte Al-Chatib die internationale Gemeinschaft mitverantwortlich. «Wenn ein ganzes Volk zwanzig Monate lang Mord und Totschlag erlebt, dann kommen eben Gruppen mit radikalen oder extremistischen Ansichten nach oben», erklärte er.

Unterdessen kam es in Syrien erneut zu Anschlägen. Bei der Explosion einer Autobombe in der Stadt Katana nahe Damaskus starben 18 Menschen, dar­un­ter sieben Kinder, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte. Die Attacke soll sich gegen eine Offizierssiedlung gerichtet haben.

Artillerie und Autobomben

Später berichtete das Staatsfernsehen von der Explosion einer weiteren Autobombe in einem südwestlichen Vorort von Damaskus, bei der acht Zivilisten gestorben seien. Der Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge beschossen Kampfflugzeuge gestern Vororte im Osten der Hauptstadt, die von Rebellen kon­trol­liert werden. Im Südwesten lägen Daraja und Moadamije unter Artilleriebeschuss. Dort versuchten derzeit Aufständische Fuss zu fassen. Am Mittwoch hatten nach syrischen Behördenangaben mehrere Bombenexplosionen das Gebäude des Innenministeriums in Damaskus erschüttert. Dabei seien mindestens fünf Menschen ums Leben gekommen. (sda)

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