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Tacheles im Technorama

Letzte Woche war ich mit meinen Buben im Technorama und habe herausgefunden, dass dort auch an einem gewöhnlichen Wochentag grosses Gedränge herrscht. Überall. Vor allem aber natürlich im Restaurant zur Mittagszeit. Als wir nun endlich vor unseren Tellern sassen, quetschte sich neben uns noch ein junges Paar an den Tisch, was mich eigentlich überhaupt nicht gestört hätte, wenn ich nicht unfreiwilligerweise das sich entspinnende Gespräch hätte mitanhören müssen. Es fing damit an , dass die beiden sich konsequent nur mit «Schatz» anredeten, was mich sowieso schon nervte und umso absurder war, je länger der Dialog dauerte. Denn kaum hatten sich die beiden gesetzt, klönte sie, die Chicken Nuggets mit Pommes seien jetzt sicher schon kalt und dann, als er ihr treuherzig versicherte, sie seien noch warm und sie müsse nur mal davon probieren, beschwerte sie sich, er habe ja den Teller ohnehin nur für sich selber geholt, worauf er wiederum meinte, sie habe doch vorhin selber gesagt, sie möge keine ganze Portion und er teile gerne mit ihr, worauf sie aber nur noch beleidigter reagierte und laut schwieg, worauf er dann vorschlug, er könne sonst noch eine zweite Portion Chicken Nuggets mit Pommes holen, worauf sie meinte, ihr sei jetzt sowieso der Appetit vergangen. Und dann hatte ich genug. Ich habe meine Jungs gebeten, sich für die nächsten fünf Minuten die Ohren zuzuhalten, hab mich umgedreht und losgelegt: «Was bist denn du eigentlich für ein Vollidiot, dass du dich von der blöden Kuh so behandeln lässt?», hab ich zu ihm gesagt. «Jetzt friss die verdammten Chicken Nuggets mit Pommes doch endlich selber, denn die dumme Nuss an deiner Seite ist ja sowieso schon hässig, ganz egal was du machst. Von welchem Affen seid ihr eigentlich gebissen? Könnt eure Sätze nur noch mit ‹Schatz› anfangen, kommt euch so verdammt erwachsen vor, aber ihr benehmt euch nerviger als der dümmste Saugoof, noch nerviger als mein Primarschul-gspändli Markus, der mir mal auf dem Schulheimweg so lange dumm kam, bis ich ihm eine geschmiert und ihn in den Dorfbrunnen geschmissen hab, was man übrigens mit euch auch tun sollte, um endlich von eurem verfluchten Scheissstreit verschont zu bleiben. Kapiert, Schatz?!?!» Jawohl, das alles habe ich gesagt! Im Geiste. Doch was dann zum Mund rauskam, als wir aufstanden und gingen, war das, was immer rauskommt, wenn wir Schweizer uns so richtig abgrundtief über unsere Sitznachbarn ärgern: «Also, no en schöne Namitag mitenand.»

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