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Tätschmeisterin über Narren und Böögge

Der Sonntag beginnt früh für Sara von Siebenthal. Aufstehen um sieben Uhr, eine Tasse Kaffee, ein kleines Frühstück, ein Spaziergang mit Buma, ihrem Malteserrüden. Das ist die Ruhe vor dem Sturm. Sara von Siebenthal ist Präsidentin des Fasnachtsvereins Aadorf und heute ist der Tag, auf den sie und der Verein die letzten Monaten hingearbeitet haben: Der grosse Umzug durchs Dorf steht an. Richtig los gehts um kurz nach neun. Im Untergeschoss des Gemeindehauses, im «Plakettenraum», wie sie es nennt, hat von Siebenthal soeben die übrigen Vereinsmitglieder begrüsst. Insgesamt sind es fünfzehn, drei mehr als im letzten Jahr. Unter ihnen auch ihre Mutter, ihr Bruder und ihr Stiefvater. Sie alle packen heute mit an. Zum Beispiel beim Schminken, das auch für von Siebenthal dazugehört. «Ich habe es immer geliebt, mich zu verkleiden», sagt die Mutter von zwei Söhnen. Routiniert nimmt sie auf dem Schminkstuhl Platz und lässt sich von Kollegin Suzanne mit dem Airbrush malträtieren. «Wie tausend kleine Nadelstiche ist das», sagt sie. Die Belohnung ist ein silbern grundiertes Gesicht mit schwarz-weissen Verzierungen und ein paar blauen Akzenten. Es passt zum Thema des Jahres, «Schiff ahoi». «Unser Thema bestimmen wir im Sommer, ab dem Moment bereiten wir auch den Umzug vor», sagt von Siebenthal, bevor sie ihre Kapitänsmütze zurechtrückt und aufsteht. Es wird bis am frühen Abend das letzte Mal gewesen sein, dass sie sich hinsetzen konnte.

Dass es überhaupt einen Sonntag gibt, an dem von Siebenthal wegen einer Fasnacht alle Hände voll zu tun hat, ist keine Selbstverständlichkeit. Denn das fröhliche Treiben stand im Jahr 2006 vor dem Aus. Damals fand gar kein Umzug statt, nachdem sich die Narrengesellschaft Aadorf aufgelöst hatte, die den Event jeweils organisierte. Aus der Asche der Narrengesellschaft entstand der Fasnachtsverein und mit ihm gab es – bereits unter von Siebenthal als Präsidentin – 2007 wieder einen Umzug. Mit den Jahren hat sich der Anlass prächtig erholt: «Wir haben dieses Jahr vierzig Gruppen am Umzug und insgesamt 1020 Teilnehmer. Für mehr Gruppen haben wir schlicht keinen Platz», sagt von Siebenthal kurz vor 12 Uhr mittags. In den letzten zweieinhalb Stunden hat sie unzählige kleine Dinge erledigt, die nötig sind, damit alles reibungslos läuft. Zum Beispiel das Licht im Gemeindehaus richtig einstellen, die Dekoration im Festsaal checken oder auch einfach jemanden losschicken für mehr Orangensaft. Von Siebenthal ist zufrieden, Pannen sind keine in Sicht. Im Gemeindehaus hat sich inzwischen eine seltsame Truppe eingefunden. An Stehtischchen warten unter anderen ein paar Affen, eine Banane, Fische, mit Fellen und Glocken behangene Hexen, zwielichtige Agenten von der NSA und ein Zauberer, der sein als weisses Kaninchen verkleidetes Baby auf dem Arm trägt. Es sind die Delegierten der Umzugsgruppen und sie lassen sich von von Siebenthal nochmals über den Ablauf informieren. Dabei erhalten sie auch ihren Startplatz. Danach kann von Siebenthal kurz durchatmen, während sich der Platz vor dem Gemeindehaus langsam füllt. Ein paar Guggenmusiken geben spontan ein Ständchen, man isst Olma-Bratwürste und trinkt Bööggekafi mit Brandy. Das Wetter hält, die Plaketten sind bald ausverkauft. Kurz nach dem Böllerschuss um 14 Uhr zieht von Siebenthal Bilanz. Es ist einmal mehr gut gegangen. Wofür macht sie das alles, den ganzen Aufwand? Sie zeigt auf die Besucher an der Strasse. Dicht an dicht stehen sie, geschminkte Eltern, verkleidete Kinder. Die Umzugswagen ziehen vorbei, es schalmeit und trommelt aus allen Richtungen. «Das ist mein Lohn», sagt sie.

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