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Tanz ums Feuer

Im Debütalbum seiner Band Death of a Cheerleader scheitert Omar Fra beim Versuch, Popmusik mit philosophischem Tiefsinn zu kombinieren. Ziemlich effektiv ist hingegen der dunkel getönte Postrock.

Reine Unterhaltung ist nicht im Sinn von Omar Fra. Das macht das Debüt­album seiner Rockband Death of a Cheerleader schon in den ersten Takten klar. Die Texte des 29-jährigen Winterthurer Musikers suggerieren feierlichen Ernst und Tiefsinn, als Vorlagen dienten antike Mythen wie der vom Raub des Feuers. Um alte Fragen soll es darin gehen, ihr Gegenstand: die Menschheit. Orchestriert wird das Ganze von einem meist bedächtig voranschreitenden Sound, der ab und an in eine kleine Hymne ausbricht. Der Titelsong «Dancing Around the Fire of Volcano» versetzt den Zuhörer mit Wind und Meeresrauschen ans Mittelmeer, wo Orgeltöne und Trommelschläge die Verkündigung der Botschaft vorbereiten; eine eingängige Gitarrenmelodie leitet vom antiken Theater über zur Popmusik, die stilistisch dem dunklen Postrock nahesteht, aber auch vom Folk geprägt ist. Die Musik spielt zwar mit der dunklen Schwere des Doom-Metal, aber dunkel sind bei Death of a Cheerleader vor allem die Texte. Etwa wenn Omar Fra dann zu singen anhebt: «We are dancing around the fire, and we are going to steal it.» Und dass er keine Feindschaft wolle. Wir auch nicht, peace! Eine Frage aber hätten wir noch: Wisst ihr eigentlich schon, was ihr mit dem Feuer anstellen wollt, wenn ihrs geklaut habt? Der Verdacht ist nicht ganz unbegründet, dass dann weiter um den heissen Brei herumgetanzt wird. Professioneller Zugriff Die Songs kommen überhaupt sehr bedeutungsschwanger daher. «The City Is the Guard» handelt irgendwie von der Schwerkraft und von der Suche nach den Bäumen und dem Wind, in «The Kingdom Is Broken» geht es um die «Feinde des Wassers». Dass sich am Ende des Albums im Song «The Weight of Silence» alle ungelösten Fragen zu einer gewichtigen Stille verdichten, ist im Grunde schon eine rein logische Konsequenz. Nicht besonders originell, aber ziemlich effektiv ist die Musik, die Mittel werden sparsam und gezielt eingesetzt, was dem Ganzen eine professionelle Entschiedenheit verleiht. Melodische Phrasierung, Spannungsaufbau und geschmeidige Stimmungswechsel, vor allem aber seine sonore und wendige Stimme zählen zu den Stärken des Musikers, der zu den ersten Absolventen des Bachelorstudiengangs in Popmusik an der Zürcher Hochschule der Künste gehörte. Vor drei Jahren hat er das Studium mit dem Master of Arts in Musikpädagogik, Schwerpunkt Pop, abgeschlossen. Mit seiner Musik wolle er die Leute vom Oberflächlichen weg- und zum Weiterdenken hinführen, gab er einmal zu Protokoll: Cheerleader stehen für Gedankenarmut, daher der Bandname. Immerhin fünf Jahre hat es nun gedauert von den ersten beiden EPs und einem Auftritt an den Winterthurer Musikfestwochen bis zum Debütalbum. Er wolle «Gas geben, um von der eigenen Musik leben zu können», meinte er 2009. Ein Blick in den aktuellen Tourkalender der Band legt die Vermutung nahe, dass Fra dieses Ziel noch nicht erreicht hat. Nach der CD-Taufe von morgen Abend im Gaswerk folgen einige Auftritte im Zürcher Szenelokal La Catrina, in Winterthur steht das Quintett am Sternen-Open-Air sowie an den Musikfestwochen auf der Bühne. Obwohl Omar Fra von klein auf Musik gemacht hat und ihm früh eine eigene Band zur Verfügung stand, wirkt der Musiker bescheiden. Es geht ihm weniger ums Ego, vielmehr stellt er sich Fragen: Ist der Wunsch nach Selbstverwirklichung möglicherweise zu egoistisch? Wäre es nicht besser, für andere da zu sein? Diese Spannung versuche er in seinen Songs darzustellen, meinte er damals. «I use the money, the money uses me», singt er nun in der packenden Single «How to Be Used». Vor dem Durchbruch? Mit dem neuen Album könnte es jetzt wieder einen Schritt vorwärtsgehen. Immerhin ist es beim Berliner Label Snowhite erschienen, was ihm einen grösseren Verbreitungsradius sichert; bei Radio Stadtfilter avancierte es Anfang April zum «Album der Woche», auch Szenemagazine bewerten die Musik positiv. Entstanden sind die neun Songs in Schweden und der Türkei, zwei geografischen Fixpunkten im Leben des Sohnes einer türkischen Mutter und eines italienischen Rockmusikers. Produziert wurde das Album von Magnus Lindberg, Drummer der schwedischen Rockband Cult of Luna. Death of a Cheerleader Live: Freitag, 17. April, ab 20.30 Uhr, Gaswerk, Foyer, Untere Schöntalstrasse 19. Support: Aedi. CD: Dancing Around the Fire of Volcano (Snowhite)

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